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Feuerwehr Rheinberg verabschiedet Gerätewart Theo Geßmann

Rheinberger Theo Geßmann : Der ewige Feuerwehrmann geht

Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr in Rheinberg haben ihrem Gerätewart Theo Geßmann (63) einen unvergesslichen Abschied beschert. Er war fast ein halbes Jahrhundert bei den Blauröcken und hat jede Menge erlebt.

Schon am frühen Morgen machte sich ein Konvoi von feuerroten Löschfahrzeugen auf den Weg durch Rheinberg. Ziel: Moerser Straße. Da lebt Theo Geßmann mit seiner Frau Renate. Für den 63-Jährigen begann der letzte Arbeitstag im Dienst der Stadt Rheinberg als Gerätewart bei der Freiwilligen Feuerwehr einigermaßen turbulent. Rund 50 Kameraden hatten sich auf den Weg gemacht, um mit ihm diesen Tag zu feiern.

Mit im Zug der roten Autos war auch ein historisches Fahrzeug der Xantener Kameraden, ein Tanklöschfahrzeug (TLF), Baujahr 1950, vor dem ein roter Teppich für „unseren“ Theo ausgerollt war. Die Kameraden zogen alle Register.

 Theo Geßmann kannte sich bestens aus mit den unzähligen Gerätschaften. Nun wechselt er in die Altersabteilung.
Theo Geßmann kannte sich bestens aus mit den unzähligen Gerätschaften. Nun wechselt er in die Altersabteilung. Foto: Armin Fischer (arfi)

„Damit hatte ich nicht gerechnet und war total überrascht“, erzählt Theo Geßmann noch immer gerührt. Dass ihn eine Überraschung erwarten würde, war ihm irgendwie klar gewesen, schließlich hatten ihn die Kameraden einfach und ohne Ankündigung oder Begründung aus der Whatsapp-Gruppe geschmissen. Einmal im Geleit durch Rheinberg, um dann im Gerätehaus am Standort Melkweg in versammelter Runde zu frühstücken – die Überraschung zur Verabschiedung des ältesten aktiven Kameraden in der gesamten Stadt war gelungen.

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Geßmann kennt im Feuerwehrgerätehaus jeden Stein, jede Ecke, weiß, wo welche Werkzeuge liegen, kennt alles aus dem Effeff. „Ich hatte das Glück, unser Feuerwehrgerätehaus mit zu planen, zu bauen, darin zu wohnen und zu arbeiten“, erzählt er. 21 Jahren ist es das Zuhause für seine Frau Renate, die Kinder Birgit und Matthias. Er ist zu jeder Tages- und Nachtzeit erreichbar und bei Einsätzen ganz nah am Geschehen.

Als junger Mann machte er zunächst eine Lehre als Schlosser und Schmied. Die väterliche Betriebsnachfolge tritt er damals aber nicht an, sondern beginnt am 15. August 1980 seine Laufbahn auf der Rettungswache der Stadt Rheinberg. Bereits seit 1973 ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, wird 1993 für ein Vierteljahrhundert Löschzugführer.

 Dem Ruheständler Theo Geßmann wurde von der Feuerwehr der rote Teppich ausgerollt.
Dem Ruheständler Theo Geßmann wurde von der Feuerwehr der rote Teppich ausgerollt. Foto: Reinhard Schneider

2001 übernimmt er die Position als hauptamtlicher Gerätewart. „Ich war für alle sechs Standorte unserer Feuerwehr verantwortlich“, berichtet er. Das heißt auch, für die unbedingte Funktionstüchtigkeit von 26 Einsatzfahrzeugen und drei Boote. Seine Liebe zu technischen Tüfteleien, sein Know-how, seine handwerkliche Kompetenz und seine Gewissenhaftigkeit sorgen für hohe Wertschätzung der Kameraden.

Geßmann besucht spezielle Lehrgänge im Technischen Kompetenzzentrum am Institut der Feuerwehr und ist damit immer auf der Höhe der Zeit. Die Freiwillige Feuerwehr ist gut aufgestellt. Am Standort Melkweg sorgt ein Sozialraum, erstellt in Eigenleistung, für das i-Tüpfelchen. „Wir haben viel erlebt“, sagt Theo Geßmann mit Blick auf die ewig lange Zeit in der großen Feuerwehrfamilie.

Es gibt Einsätze, die ein Feuerwehrmann nie vergisst. Ein Nachbar am Melkweg hatte einmal eine Schlange entdeckt. Sie entpuppte sich später als gefährliche Schnappschildkröte, die aus dem Terrazoo ausgebüxt war. „Wir waren gerade eingezogen, als uns ein Ehepaar um Hilfe bat. Die Frau war hochschwanger. Bis zum Krankenhaus haben wir es nicht geschafft. Ihr Sohn wurde bei uns auf dem Parkplatz geboren. Mit zweiten Namen heißt er Florian“, erzählt Geßmann, der selbst dreifacher Großvater ist.

(sabi)