Rheinberg: "Ein paar Tage Luft"

Rheinberg: "Ein paar Tage Luft"

Die Eisenbahn ist für den Solvay-Standort Rheinberg ein wichtiger Transportweg. Ein Streik der Lokführer im Güterbereich würde im Werk allerdings nicht sofort für Probleme sorgen.

Die Zeichen stehen auf Streik: Nach dem Reiseverkehr wollen die Lokführer zur Durchsetzung ihrer Tarifforderungen nun die Industrie für Dauerstreiks ins Visier nehmen. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag warnt bereits jetzt vor hohen Schäden bei tagelangen Bahnstreiks und verweist auf die immer größere Just-in-Time-Produktion in Deutschland, bei der es auf eine punktgenaue Lieferung ankommt.

Gelassenheit

Genau vor diesem Hintergrund verfolgt Dr. Richard Rösler, Werkleiter am Standort Rheinberg, die aktuelle Entwicklung sehr aufmerksam, zurzeit aber auch mit einer guten Portion Gelassenheit. Die Bahn ist für Solvay zwar ein wichtiger Transportweg, "aber wir haben keine Just-in-Time-Lieferungen", beschrieb Rösler gestern im Gespräch mit der Rheinischen Post. Außerdem stütze sich die Unternehmenslogistik auch auf andere Verkehrswege.

Beispielsweise Binnenschiffe. Dr. Rösler: "Unsere Kohle wird per Schiff zu unserem Hafen nach Ossenberg transportiert." Dort übernimmt die Solvay-Werkbahn und bringt die Kohle zum Kraftwerk im Ostteil des Standortes." In Puncto Eisenbahn sei Solvay nämlich relativ selbstständig: Sechs Lokomotiven gehörten zum eigenen Fuhrpark.

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Der Kalkstein, der für die Soda-Produktion gebraucht wird, komme tatsächlich mit Güterzügen nach Rheinberg, "aber dank der streikfreudigen Belgier haben wir durchaus Erfahrungen sammeln können, wie wir die Versorgung sicherstellen können", so Dr. Rösler gestern. Außerdem seien Kohle- wie Kalklager in Rheinberg gut gefällt. Allerdings nicht mit Blick auf einen Arbeitskampf bei der Eisenbahn, sondern entsprechend der normalen Vorratspolitik.

Der Lagerkapazität gebe dem Unternehmen sicher ein paar Tage Luft, um auf möglicherweise streikbedingt ausbleibend Rohstofflieferungen zu reagieren. Der Werkleiter geht deshalb davon aus, dass die Versorgungslage im Ostteil des Werkes relativ sicher ist. Das gelte auch für den westlichen Werksteil. Der beziehe beispielsweise Energie aus dem Kraftwerk im Ostteil und bekomme Rohstoffe zum Teil per Pipeline.

Lagerkapazität

Allerdings ist die Bahnlinie Richtung Moers bzw. Duisburg nicht nur für die Anlieferung wichtig. Auch manche Produkte, die bei Solvay in Rheinberg hergestellt werden, rollen in Bahn-Waggons zu den Kunden — manche müssen sogar auf dem Schienenweg transportiert werden. Doch auch aus diesem Blickwinkel gibt es nach momentaner Einschätzung des Werkleiter keinen Grund zur Sorge: "Es gibt genügend Kapazitäten, um die Produkte für ein paar Tage hier im Werk zu lagern.

(RP)
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