Demo: Bauern aus Xanten, Alpen, Sonsbeck und Uedem bereiten sich vor

Vorbereitungen für die Protestfahrt : Bauern malen Plakate für ihre Zukunft

Etliche Bauern aus der Region nehmen am Dienstag an den bundesweiten Protesten gegen das Agrarpaket teil. In Veen trafen sich die Landwirte, um Plakate zu malen.

Vorbereitung auf die große Protestfahrt: Der Hof Keisers in Veen war am Samstag Treffpunkt für die Bauern aus Xanten, Sonsbeck und Uedem. Sie nehmen am morgigen Dienstag an den bundesweiten Kundgebungen gegen das Agrarpaket teil. Die Bewegung „Land schafft Verbindung. Wir bitten zu Tisch“ hat dazu aufgerufen. Mittlerweile sind über 30 000 vernetzte Landwirte beim bundesweiten Protest dabei (wir berichteten).

Aus dem Xantener Raum starten 60 mit ihren Traktoren gen Bonn, wo die Hauptkundgebung auf dem Münsterplatz stattfindet. Rund 200 Landwirte nehmen mit ihren Schleppern derweil an der regionalen Protestfahrt von Wesel nach Rees teil. „Wir sind nicht laut, sondern wollen auf friedliche Weise auf uns, unsere Situation und die Folgen des Agrarpakets aufmerksam machen“ sagt Georg Biedemann, Sprecher der Bewegung. Die ewige Bauernschelte seien sie satt, die sie derzeit zu spüren bekommen. Zum Protest gehören ebenfalls die grünen Mahnkreuze auf den Feldern. „Wir sind die Buhmänner der Nation“, so Biedemann. „Dazu gehören ebenfalls die Futtermittelverbände und die Landmaschinenhändler“, ergänzt er.

Mangelnder Sachverstand und die fehlende Fachlichkeit der neuen Düngeverordnung sind die schärfsten Kritikpunkte der Bauern – und die Ankündigung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), dass am beschlossenen Paket nicht zu rütteln sei. „Die Wissenschaft spricht für sich“, ist auf den gemalten Protestschildern in Veen zu lesen. Und: „Sie säen nicht und sie ernten nicht, aber sie wissen alles besser.“ Angst vor der Zukunft, existenzielle Sorgen und Frust sind spürbar. „Wir fühlen uns existenziell bedroht. Am Agrarpaket gehen ganze Familien kaputt“, sagt Franziska Keisers.

Georg Biedemann (M.), Regionalsprecher der Initiative „Land schafft Verbindung“, stimmte die Bauern in Veen auf die Proteste am morgigen Dienstag ein. Foto: Fischer, Armin (arfi)

„Bauern platt, Teller glatt“, ist auf einem anderen Schild zu lesen. Dieser Spruch spielt auf die wirtschaftlichen Folgen des Agrarpakets mit seinen verschärften Auflagen und Belastungen für die Betriebe an. „Von den Politikern kennen die wenigsten die Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft“, so Martin Wache aus Veen. Die aktuelle Agrarpolitik sei doch eher ideologisch geprägt, die Bauern der Spielball. „Eine berufliche Zukunft haben wir nicht“, so Sabrina Fell (29) aus Vynen.

Bemängelt wird unter anderem, „dass wir keinerlei Planungssicherheit haben. Immer nur so lange, wie eine Legislaturperiode dauert. Als Landwirte arbeiten wir in ganz anderen Zeitintervallen, die hierbei völlig unberücksichtigt bleiben. Wir fragen uns, ob wir überhaupt noch gewollt sind?“, gibt Arne Jordans aus Xanten zu Protokoll. Dass immer mehr Betriebe aufgeben, weil sich Landwirtschaft nicht mehr lohne, sei ein beängstigender Zustand.

Es gehe dabei allerdings nicht um eine Verweigerung der Bauern. Im Gegenteil – wie aktuell die Schaffung von Blühstreifen zeige. Wie viele Insekten durch Windkraftanlagen getötet werden, sei auf politischer Ebene derweil aber kein Thema. „Die Unkenntnis über natürliche Abläufe hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, betont Biedemann. „Wir setzen auf Kommunikation und bitten die Politiker und Verbände zu Tisch.“

Am Dienstag kann es morgens in Wesel und Xanten, insbesondere auf der Rheinbrücke und der B57, zu erheblichen Verkehrsstörungen kommen. Dort werden die Landwirte mit ihren Traktoren fahren. Die Kreispolizei rät, die genannten Bereiche in der Zeit von 7 bis etwa 11 Uhr weiträumig zu umfahren.