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Korschenbroich: Viele Behinderte wissen nicht, wer ihnen helfen soll

Korschenbroich : Viele Behinderte wissen nicht, wer ihnen helfen soll

In drei Ortsteilen empfängt Siegbert Schmitz als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Stadt Korschenbroich Ratsuchende zu Sprechstunden. Im NGZ-Interview spricht er über sein Engagement – und darüber, was er für die Zukunft noch vorhat.

Herr Schmitz, Sie halten drei Sprechstunden im Monat ab. Welche Anliegen werden Ihnen häufig vorgetragen?

Siegbert Schmitz Die Sprechstunden werden gut angenommen, drei bis vier Personen kommen immer vorbei. Außerdem mache ich telefonisch einige Termine für Hausbesuche aus. In den meisten Fällen handelt es sich um Fragen rund um den Behindertenausweis. Viele kennen gar nicht die Bedeutung der einzelnen Merkzeichen oder wissen nicht um ihre steuerlichen Vorteile. In meinen acht Jahren als Behindertenbeauftragter habe ich bei rund 100 Anträgen geholfen.

Können Sie durch Ihr Amt vieles auf dem kurzen Dienstweg erledigen?

Schmitz Wenn ich ins Rathaus gehe, versuche ich immer zwei bis drei Anliegen zu regeln. Der kurze Dienstweg macht vieles leichter, aber an einem Fall habe ich länger gearbeitet: Eine an Lipämie erkrankte Frau brauchte einen Handlauf für ihre Wohnung, konnte ihn aber nicht bezahlen. Ich bin für sie zur Stadt gegangen, zur Krankenkasse und habe bei ihrer Reha nachgefragt. Es stellte sich heraus, dass sie zwei Handläufe braucht, aber nur die ärztliche Bescheinigung für einen hatte. Also habe ich ihr eine zweite besorgt.

Sie müssten eigentlich nur beratende Aufgaben erfüllen. Warum engagieren Sie sich darüber hinaus so stark?

Schmitz Viele Betroffene wissen sonst gar nicht, wer ihnen helfen soll. Ich bin selbst schwerbehindert und mir wurde viel Gutes getan. Das möchte ich nun anderen Menschen wiedergeben.

Was würden Sie als Ihr größtes Gelingen bezeichnen?

Schmitz Ich konnte mich für zwei Rampen, drei Treppenlifte und den Umbau von vier Badezimmern einsetzen. Was ich für die Menschen privat erreiche, sind die größten Erfolge. Zum Beispiel konnte einer älteren Frau eine Rampe eingebaut werden, damit sie selbst wieder einkaufen kann. Das Ganze hat 14500 Euro gekostet, aber die Dame musste selbst nichts bezahlen.

Ende des Jahres sollen die Bahnhöfe in Korschenbroich und Kleinenbroich behindertengerecht umgebaut werden – ist das ein großer Erfolg?

Schmitz In solchen Fällen kann ich selbst auch wenig erreichen, da bedarf es dem Einsatz der Politiker wie Hans-Ulrich Klose oder Ansgar Heveling. Aber ich freue mich natürlich sehr darüber, dass dort endlich etwas passieren soll. In solchen Fragen der Barrierefreiheit vertrete ich ja nicht nur Behinderte, sondern auch Mütter mit Kinderwagen.

In welchen Bereichen kämpfen Sie denn schon besonders lange für Verbesserung?

Schmitz Zum Sozialamt gibt es immer noch keinen barrierefreien Zugang, und gerade dorthin müssen die behinderten Menschen doch am häufigsten. Außerdem setze ich mich für Behindertenparkplätze ein, die nicht nur Personen mit dem "aG" im Ausweis für außergewöhnliche Gehbehinderung zur Verfügung stehen, sondern auch für diejenigen mit der Kennzeichnung "G", die zum Beispiel einen Rollator benutzen müssen. In Grevenbroich gibt es das bereits.

Wie lange werden Sie noch im Amt bleiben?

Schmitz Ich bin noch bis 2015 als Behindertenbeauftragter bestellt. Dann bin ich 75 Jahre alt.

Stefan Reinelt führte das Interview.

(NGZ/anch)