Neuss : 31. Sommernachtslauf mit Rekordshow

Bei prächtigem Sommerwetter hat das Laufspektakel in der Neusser City eine neue Bestmarke aufgestellt: Vor laut Polizeiangaben rund 20 000 Zuschauern an der Strecke erreichten genau 4006 Athleten das Ziel am Hamtorplatz.

Falk Cierpinski hat als Spitzentriathlet und Langstreckenspezialist schon so manche harte Tour gefahren. Doch nach den zehn Kilometern von Neuss war der 35-Jährige, dessen Vater Waldemar Cierpinski zweifacher Marathon-Olympiasieger ist, fix und alle. "Mir platzt gleich der Kopf", stellte er tapfer lächelnd fest. Bei idealen Garten- und Grillparty-Temperaturen hatte der Hallenser die 31. Auflage des von der TG Neuss veranstaltenden Sommernachtslaufs in 32:05 Minuten gerade auf dem zweiten Platz beendet — und kam zu dem ergreifend treffenden Fazit: "Es war tierisch warm. Fantastisch!"

Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Was den Läufern auf der Strecke mitunter schwer zu schaffen machte, war für die laut Polizeiangaben rund 20 000 Zuschauer und das Organisationsteam um TG-Geschäftsführer Klaus Ehren ein Segen. Bei fast schon mediterraner Atmosphäre erreichten mehr als 4000 Teilnehmer das Ziel. Als Stefan Nellessen, Schlussläufer der Staffel der Gemeinnützigen Werkstätten Neuss (GWN), die gut sechseinhalbstündige Show am Samstag um genau 22.38 Uhr unter tosendem Applaus beschloss, war er der 4006. Finisher auf dem Tableau — so viele wie nie zuvor. Die Bestmarke aus dem Vorjahr (3747) wurde damit geradezu pulverisiert.

Auf dem Treppchen über zehn Kilometer: (v.l.) Falk Cierpinski (2.), Jacob Kendagor (1.) und Fabian Borggrefe (3.), der in Neuss 2012 triumphiert hatte. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Spaß hatten irgendwie alle, auch die Läufer — trotz der fast tropisch anmutenden Bedingungen. Vorjahressieger Fabian Borggrefe von den Asics Frontrunnern etwa war nicht die Spur enttäuscht, dass es für ihn über zehn Kilometer in 32:21 Minuten nur zum dritten Platz gelangt hatte. "Klar, wir können sicher alle zwei Minuten schneller laufen, aber das war heute gar nicht wichtig. Ich bin einfach nur stolz, dass ich mit den Profis vier Runden lang mitgehalten habe. Und die Stimmung an der Strecke hat mich begeistert." Erwartungsgemäß nicht zu bezwingen war Jacob Kendagor aus Kenia. Der Sieger des Berliner Halbmarathons lief im beneidenswert lockeren Finish in 31:53 Minuten ungefährdet auf Platz eins und bilanzierte anschließend in gebrochenem Englisch schmunzelnd: "Ich bin happy. Zu heiß? Nein, gar nicht. Es war doch wunderbar ..." Auch Andrea Diethers (Bad Segeberg) schien die Hitze sogar zu beflügeln. Die 28 Jahre alte Veganerin, die an der Uni Hamburg gerade ihren Doktor als Biochemikerin macht, kommentierte ihren Sieg im Frauenlauf über zehn Kilometer in 36:30 Minuten gut gelaunt: "Ganz ehrlich, ich habe gar nicht auf die Zeit geachtet — und jetzt bin ich Bestzeit gelaufen. Das lag wahrscheinlich an den vielen Leuten an der engen und kurvenreichen Strecke. Das pusht ungemein."

Kleine Hilfestellung: Moderator André Scheidt mit einem Nachwuchsstar. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

In der Tat gaben die Hobby-Läufer mächtig Gas. Gut, der Wahl-Frankfurter Sören Kah lief als deutscher Spitzenathlet über fünf Kilometer in 15:33 Minuten quasi außer Konkurrenz, doch das Tempo der Kollegen nötigte selbst einem erfahrenen Läufer wie Mario Meyen Respekt ab. Der Vorsitzende der TG Neuss, in 22:45 Minuten am Ende 126. (von 254), sagte: "Früher bin ich knapp unter 20 Minuten gelaufen, damit kamst du locker unter die besten 15. Heute musst du mit dieser Zeit froh sein, wenn im Ziel noch ein kaltes Getränk für dich übrig ist!" Zum Beweis: Carl-Philipp Sassenrath (Neusser Filmstudios) blieb deutlich unter der 20-Minuten-Marke (19:04) und tauchte in der Ergebnisliste erst auf Position 19 auf.

Beliebt: Wojtek Czyz, vierfacher Goldmedaillengewinner bei den Paralympics, ging beim 31. Sommernachtslauf der TG Neuss über fünf Kilometer an den Start. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Wojtek Czyz, vierfacher Goldmedaillengewinner bei den Paralympics, war vor allem wegen der Stimmung da. Die 24:55 Minuten auf der Strecke (Rang 224 über fünf Kilometer) dienten ihm als Werbetour in Sachen Behindertensport. "Ich will den Menschen Mut machen. Sie sollten sich nicht schämen, dass sie behindert sind." Obwohl er mit seiner ultraleichten Carbonprothese eher auf der Sprintdistanz zu Hause ist, sind ihm längere Läufe nicht fremd. Den unangenehm hügeligen "UniVillaWaldLauf" in Kaiserslautern über 13 Kilometer beendete er unlängst in rund 63 Minuten. "Das hat mich total stolz gemacht."

Falk Cierpinski und Fabian Borggrefe erholten sich übrigens schnell. Gemeinsam mit Jens Bäss und Daniel Naumann gewannen sie den Staffel-Wettbewerb über 4x1 Meile.

(NGZ/anch/url)