Jüchen : Vereine suchen Könige

Der Heimatverein Hochneukirch sucht über Internet und Facebook einen Regenten. Die Zeit drängt: Am 11. Juni soll gefeiert werden. Immer mehr Schützen- und Heimatvereinen fehlt der König. Wie das Problem gelöst werden kann.

Ein Schützenfest ohne König – wie schön kann das sein? Niemand, der die Königskette trägt. Niemand, der den Verein repräsentiert. Niemand, der in festlicher Abendrobe die Blicke auf sich zieht. Nicht nur den Zuschauern würde etwas fehlen, wenn's keine Majestäten gibt. Doch die Bewerbersuche ist schwierig. Ein Beispiel: der Heimatverein Hochneukirch. "Wir haben für das Schützenfest 2011 sehr lange einen Kandidaten gesucht. Es gab viele Versammlungen und intensive Gespräche, auch Aufrufe im Internet und bei Facebook wurden gestartet", erläutert Benedict Obst, Vizepräsident des Heimatvereins.

In Garzweiler beginnt im Mai die Festsaison, in Neuenhoven-Schlich wird sie beendet: Mehr als 14 Bruderschaften, Dorfgemeinschaften, Schützen- und Heimatvereine sind aktiv. Für die kleinen Vereine ist oft bereits das Fest ein Kraftakt – und erst recht die Suche nach einem König. Beispiel: Priesterath-Stolzenberg. "Bisher haben wir noch immer einen König gefunden, aber es ist sehr schwer", sagt Heinz-Josef Schlösser (65), Präsident der 196 Mitglieder starken Dorfgemeinschaft. Als vor zwei Jahren ein Bewerber fehlte, übernahm Schlösser selbst die Königswürde, denn: "Ein König ist schon sehr wichtig."

Auch für große, traditionsreiche Vereine ist das Königsspiel kein leichtes Spiel mehr. "Vor drei Jahren hatten wir große Probleme bei der Königssuche", erinnert sich Hans-Hubert Krall (65), Präsident des knapp 400 Mitglieder starken BSHV Jüchen. "Neben der finanziellen Belastung scheuen viele die Verantwortung." Inzwischen habe man das Problem offen diskutiert, denn: "Mit 20 oder 80 Jahren wird kein Schütze König", weiß Krall. Geholfen hat neben dem "Königsgeld" auch der "Königsleitfaden" "Aktuell haben wir vier. Insgesamt gibt es Kandidaten bis zum Jahr 2014", sagt der Schützenpräsident.

Seit dem Schützenfest 2010 sucht der Heimatverein Hochneukirch einen Regenten. "Für uns gab es in diesem Jahr eine besondere Situation: Wir haben unser Hauptschützenfest auf Pfingsten vorverlegt, den Ablauf geändert. Das hat für Verunsicherung gesorgt", erklärt der Vizepräsident. Angst vor zu hohen Ausgaben und zu großer zeitlicher Belastung sowie die Furcht, im Fokus der Aufmerksamkeit zu stehen – das seien Gründe für Schützen, gar nicht erst an die Königskette zu denken.

Doch: "Vor zwei Wochen haben wir einen jungen Bewerber gefunden. Er soll Vorbild für Könige sein, indem er zeigt, dass ein schönes Schützenfest nicht zur Verschuldung führen muss", so Obst.

(NGZ)