Jüchen : Stromversorger gesucht

Die Konzession für die Stromversorgung in Jüchen läuft 2012 aus. Nun befasst sich der Hauptausschuss mit der Frage, wie es weitergeht – neben der Suche nach einem Versorger ist auch die Gründung von Gemeindewerken möglich.

Die Gemeinde Jüchen steht kurz vor der Entscheidung, wie die Konzession für das Strom- und Gasnetz neu vergeben wird. Der Hauptausschuss beschäftigt sich in einer nichtöffentlichen Sondersitzung am Donnerstag mit der Frage, wie die Energieversorgung nach dem Auslaufen des Vertrags mit dem derzeitigen Versorger NVV (Niederrheinische Versorgung und Verkehr) neu organisiert werden soll. Die Ausschussmitglieder müssen sich zwischen verschiedenen Modellen entscheiden: Neben der Suche nach einem Versorger – das kann auch wieder die Mönchengladbacher NVV sein – wäre auch die Gründung von Gemeindewerken möglich.

Zum Hintergrund: Weil das Stromnetz in Jüchen durch öffentlichen Raum verläuft, erhebt die Gemeinde eine Art Wegegeld. Das ist jährlich eine Summe im oberen sechsstelligen Bereich – eine lukrative Einnahmequelle für die klamme Gemeindekasse. Weil der Vertrag mit der NVV am 31. Dezember 2012 ausläuft, muss die Gemeinde nun entscheiden, wie es weitergeht – und welche Lösung die wirtschaftlichste ist.

Die Materie ist kompliziert und die Entscheidung weitreichend: Der neue Vertrag kann mit einer Länge von bis zu 20 Jahren geschlossen werden. Die Gemeinde hat sich deshalb externe Hilfe geholt: Das Wirtschaftsprüferbüro Eversheim Stuible hat Chancen und Risiken der verschiedenen Möglichkeiten durchgespielt. Dazu gehört auch, dass die Gemeinde selbst das Stromnetz übernimmt – allein oder mit einem privaten Partner. Darüber wird etwa in Korschenbroich laut nachgedacht. Dort ist allerdings die Ausgangssituation etwa anders: Derzeit gibt es in der Stadt keinen einheitlichen Versorger, das Korschenbroicher Stadtgebiet wird von RWE und NVV versorgt.

Der Jüchener Bürgermeister Harald Zillikens will sich vor der Sitzung nicht öffentlich äußern, welche Pläne am wahrscheinlichsten sind, und spricht von einem "Strauß von Möglichkeiten". Dass die Entscheidung hinter verschlossenen Türen gefällt wird, sei auch wichtig, weil das Bieter-Verfahren bereits laufe und die Gemeinde ihre Verhandlungsposition nicht durch öffentliche Aussagen schwächen will. Mehrere Energieversorger hätten Interesse bekundet.

Wenn feststeht, nach welchem Modell die Stromversorgung organisiert werden soll, können die Verhandlungen beginnen. "Wir sind vollkommen offen und neutral", betont Harald Zillikens. Er rechnet mit einem schnellen Verfahren. "Es ist realistisch, dass die Verträge noch in diesem Jahr vergeben werden."

(NGZ)