Tennis: Lange Gesichter beim TC Blau-Weiss Neuss

Tennis : Lange Gesichter beim TC Blau-Weiss Neuss

Trotz Einzelsiegen von Gojowczyk und Begemann wartet der Tennis-Bundesligist weiter auf die ersten Punkte gegen den Abstieg.

Um Punkt 19.57 Uhr gestern Abend war er ausgeträumt, der Traum vom ersten Punktgewinn für den runderneuerten TC Blau-Weiss Neuss: Beinahe im Sekundentakt verloren Peter Gojowczyk und André Begemann auf dem einen sowie Leonardo Mayer und Filippo Volandri auf dem anderen Aschenplatz den zweiten Satz ihrer Doppel und bescherten dem SV Wacker Burghausen so mit 4:2 den zweiten Saisonsieg, der die Bayern dem Verbleib in der Tennis-Bundesliga einen riesengroßen Schritt näher bringt.

Bei den Hausherren spiegelten dagegen ausnahmslos lange Gesichter die vorherrschende Gemütsverfassung wider: "Das war schon enttäuschend", gab Teamchef Dietmar Skaliks mit Blick auf die Doppel zu, in denen sich die Neusser angesichts eines 2:2-Zwischenstands nach den Einzeln zumindest einen Punktgewinn und damit ein Unentschieden ausgerechnet hatten.

Doch die wackeren Gäste, die neben ihren beiden Spitzenspielern Carlos Berlocq und Guillermo Garcia-Lopez in Person von Jeremy Jahn und des einst auch in Neuss unter Vertrag stehenden Johannes Ager nur die Nummern zehn und 13 ihres Kaders aufgeboten hatten, hatten insgesamt jenes berühmte Quäntchen mehr Kampfkraft in die Waagschale zu werfen, dass am Ende bei ausnahmslos engen Spielverläufen oftmals über Sieg und Niederlage entscheidet.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: An Einstellung ließ es gestern keiner der Blau-Weissen mangeln – und das spielerische Niveau bewegte sich in allen Begegnungen zwischen gut bis zum Zunge schnalzen. Doch Burghausen wirkte auf und neben dem Platz einen Tick "heißer" – und auch einen Tick mannschaftlich geschlossener als die Neusser.

Bei denen das Fehlen von Flavio Cipolla nicht einmal besonders in die Waagschale fiel. Der Italiener, gestern beim Turnier im slowenischen Portoroz am kurioserweise bei Wacker Burghausen unter Vertrag stehenden Slowenen Aljaz Bedene gescheitert, wäre ohnehin nur an Position drei zum Zuge gekommen.

Doch "unten" stachen die Neusser Trümpfe, wenn auch erst nach viel Mühe: André Begemann musste gegen Johannes Ager nach 6:2 und 1:6 ebenso in den Champions-Tiebreak wie Peter Gojowczyk nach 6:4 und 5:7 gegen einen unermüdlich kämpfenden Jeremy Jahn. "Ich habe völlig den Faden verloren", haderte Begemann mit dem Spielverlauf, und auch Gojowczyk hätte den Sack viel früher zumachen können. Dass sich beide schließlich mit 10:7 (Begemann) und 10:4 durchsetzten, weckte Hoffnungen auf zumindest den ersten Saisonpunkt.

In den Spitzenspielen enttäuschten auch Leonardo Mayer und Filippo Volandri keineswegs, waren aber in sehenswerten Matches gegen den enorm aufschlagstarken Carlos Berlocq und Guillermo Garcia-Lopez ohne echte Siegchance: Mayer verlor gegen seinen Freund und Trainingspartner 3:6, 2:6, Volandri sah zumindest vom Ergebnis her gegen Garcia-Lopez (4:6, 4:6) ein wenig besser aus.

Dass der Argentinier und der Italiener im Doppel das "Streichresultat" liefern würden – am Ende verloren sie 4:6, 2:6 gegen Berlocq/Garcia-Lopez – hatten die Neusser Teamverantwortlichen bei ihrer Doppelaufstellung einkalkuliert. Doch von André Begemann und Peter Gojowczyk hatten sie sich gegen Philipp Oswald und Johannes Ager deutlich mehr erhofft als ein 4:6, 2:6 – was um 19.57 Uhr für ausgesprochen lange Gesichter sorgte.

(NGZ)