Jüchen: Gymnasium: Schüler flüchten vor G8-Abi

Jüchen : Gymnasium: Schüler flüchten vor G8-Abi

Die Noten zwischen G8- und G9-Abiturienten unterscheiden sich kaum. Doch viele kommen in acht Jahren erst gar nicht so weit.

Der Doppeljahrgang G8/G9 hat Abitur gemacht. So wie Malte Sommer nach acht oder wie Theresa Weifels nach neun Jahren. Schulleiter Andreas Kries ist zufrieden mit den Ergebnissen: "Von 157 Schülern mussten lediglich sechs eine Bestehens-Prüfung ablegen. Nur vier haben es nicht geschafft." Das Problem: Viele Gymnasiasten haben bereits lange vor der Abiturprüfung das Handtuch geworfen — die Schulpflegschaft spricht sogar von 50 Prozent. Die Abiturienten selbst haben die Flucht vor G8 thematisiert. In ihrer Abiturzeitung zeigen sie ein Klassenfoto der 5d mit 30 Kindern — im Abitur sind es nur noch zwölf.

Wegen der Einführung des "Turbo-Abiturs" gab es in diesem Schuljahr einen Doppeljahrgang: Jugendliche, die wie bisher üblich nach neun Jahren die Prüfung ablegen sollten, und solche, die dies bereits ein Jahr früher machten. Am Gymnasium Jüchen sah das so aus, dass es gemeinsame Kurse für beide Schülergruppen gab.

Bei den Abiturergebnissen stellt Schulleiter Andreas Kries "keine großen Unterschiede" fest: "Die Durchschnittsnoten sind vergleichbar." Während es im G9-Jahrgang bessere Noten in der Spitze gebe, seien die guten Ergebnisse beim G8-Jahrgang breiter verteilt. Auch Nachfragen in den beiden Gymnasien der Nachbarstadt Grevenbroich zeigen keine auffälligen Unterschiede zwischen G8 und G9: "Die Durchfallquote liegt wie üblich zwischen zwei und drei Prozent", sagt etwa Manfred Schauf, Leiter des Pascal-Gymnasiums. Auch die Notendurchschnitte unterschieden sich nicht stark. Ein Ergebnis, das ihn nicht überrascht habe: "Man beobachtet die Schüler ja über eine gewisse Zeit."

Der interessanten Frage, ob und welche Unterschiede es im Doppeljahrgang gibt, wird das NRW-Schulministerium bis Ende August nachgehen: "Wir werden die Ergebnisse von 6700 Schulen, darunter 3000 Gymnasien, auswerten", so eine Sprecherin.

Aufschlussreich dürfte dabei der Blick auf die Abbruchquote an Gymnasien sein. Denn die liegt etwa in Jüchen ungewöhnlich hoch, wie Schulleiter Andreas Kries im Gespräch gegenüber unserer Zeitung zugibt: "Die Zahl der Schüler, die ohne Abitur abgegangen sind, ist deutlich angestiegen, die Klassen sind deutlich geschrumpft." Die Angabe der Schulpflegschaft, dass die Hälfte der Fünftklässler weggebrochen sei, will Andreas Kries nicht offiziell bestätigen.

Theresa Weifels jedenfalls ist froh, dass sie neun Jahre Zeit zum Lernen hatte, und freut sich jetzt auf ihr Studium. Malte Sommer in der G8 ist zwar entspannt geblieben — viele seiner Freunde seien es aber nicht mehr gewesen: "Man hatte weniger Freizeit, der Leistungsdruck war für viele stärker." In den Beruf starten will der Turbo-Abiturient mit 18 Jahren noch nicht: "Erst einmal einiges ausprobieren." Entscheiden will er sich erst 2014.

(NGZ)