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Leichtathletik: Ein tiefenentspannter Goldjunge

Leichtathletik : Ein tiefenentspannter Goldjunge

Vor dem Jedermann-Lauf über fünf Kilometer drohte Wojtek Czyz lachend: "Wer mich überholt, wird weggegrätscht."

Vor dem Jedermann-Lauf über fünf Kilometer drohte Wojtek Czyz lachend: "Wer mich überholt, wird weggegrätscht."

Der 32-Jährige weiß durchaus, wie das geht, hätte er mit 21 doch um ein Haar einen Vertrag als Fußballprofi bei Fortuna Köln unterschrieben. Doch kurz zuvor wurde ihm nach einem üblen Foul im Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg das linke Bein oberhalb des Knies amputiert. Auch wenn er nicht so weit geht, diesen Schicksalsschlag als Glücksfall zu bezeichnen, sein Leben nahm nach diesem 23.

September 2001 eine für ihn höchst erfreuliche Wendung. Zum Sommernachtslauf kam der im polnischen Wodzislaw Slaski (deutsch Loslau) geborene Leichtathlet als Star. Dass mit dem Ruhm der bei den Paralympics erkämpften Medaillen (4x Gold, einmal Silber, 2x Bronze) auch die Verantwortung wächst, musste der Sprinter erst lernen. "Du musst dir bewusst machen, dass die Medien dich plötzlich wahrnehmen. Und am Anfang machst du in der Öffentlichkeit fast zwangsläufig Fehler.

" Spätestens seit den Sommerspielen für behinderte Sportler 2012 in London sind die Paralympics in aller Munde. "Das Medienaufkommen war schon gewaltig", erinnert sich Czyz. Für gehörigen Wirbel sorgte auch der Prothesen-Streit mit seinem Teamkollege Heinrich Popow, dem Czyz "technisches Doping" vorgeworfen hatte. Ein Disput, der Kraft gekostet habe, aber nötig gewesen sei, sagt der Goldjunge heute. "Wenn man sich so einen Vorteil verschafft, dann ist das für mich nämlich kein paralympischer Sport, sondern einfach eine Materialschlacht.

Das hat mit Fair Play nichts zu tun. Inzwischen aber hat sich in diesem Bereich viel zum Positiven verändert." Neuss erlebte am Samstag einen tiefenentspannten Czyz, einen, "der jeden Tag genießt. Ich kenne Menschen, die können nur noch ihren Kopf bewegen — und die sind auch glücklich". Mit dem Leistungssport sei für ihn Ende des Jahres Schluss, sagt er. Ein letzter Höhepunkt sollen die Weltmeisterschaften der Behinderten in Lyon (20. bis 29. Juli) sein.

"Da lege ich noch mal alles rein." Den Sommernachtslauf beendete der mit seinen sieben paralympischen Medaillen zu den erfolgreichsten deutschen Behindertensportlern aller Zeiten gehörende Leichtathlet im Übrigen in geschmeidigen 24:55 Minuten auf Rang 224.

(sit)