Galopp : Derbysieger startet in Neuss

Als Sieger auf der Galopprennbahn in Hamburg-Horn hatte Jozef Bojko die Prämie von knapp 20 000 Euro eingestrichen. In der Saison 2011 brachte er es auf 538 Ritte in Deutschland – vier kamen im Ausland hinzu.

Als Sieger auf der Galopprennbahn in Hamburg-Horn hatte Jozef Bojko die Prämie von knapp 20 000 Euro eingestrichen. In der Saison 2011 brachte er es auf 538 Ritte in Deutschland — vier kamen im Ausland hinzu.

Es gibt Jockeys, die sind bei der Auswahl der Pferde extrem wählerisch. Diese Herren reiten nicht für alle Trainer, mögen bestimmte Besitzer nicht oder meiden auch bestimmte Rennplätze, weil ihnen weite Fahrten zu lästig sind.

Zu den Ausnahmen in der Zunft der Sattelkünstler zählt der 40-jährige Jozef Bojko. Animositäten gegen Pferde, Trainer oder Besitzer sind dem gebürtigen weitgehend fremd und so zählt er seit Jahren auch zu den Jockeys mit den meisten Ritten im Jahr. In der Saison 2011 hat er es auf 538 Ritte in Deutschland gebracht, vier kamen im Ausland hinzu. Aber es gab sogar noch bessere Zeiten, denn in der Saison 2001 stehen erstaunliche 788 Ritte in seinem Rekordbuch. Allein die vielen Ritte garantieren ein solides Einkommen, denn ob es eine Sieg- oder Platzprämie gibt oder nicht: 55 Euro werden dem Konto immer gutgeschrieben.

Morgen in Neuss (ab 14 Uhr) reitet er in sechs Rennen: "Ich komme gerne nach Neuss. Nur bei Regen und Schlamm ist es fürchterlich. Mir gefallen auch die engen Bögen, man muss immer höllisch aufpassen." Das Jahr 2011 war für ihn der Höhepunkt seiner Laufbahn. Jozef Bojko hat in Hamburg-Horn mit dem von seiner Lebensgefährtin Annett Keller zum Rennen geführten Hengst Waldpark aus dem Gestüt Ravensberg das Deutsche Derby gewonnen. Fußballprofis lächeln über solche Summen, aber für Jozef Bojko war die Prämie aus dem Derbytopf von insgesamt knapp 20 000 Euro der mit Abstand größte Geldgewinn seiner Karriere.

Und das schaffte er ausgerechnet in Hamburg. Dort war er bei der Derbywoche 2008 gestürzt, zog sich schwere Wirbelverletzungen zu und pausierte mit großem Familienzusammenhalt bis zum 29. März 2009. Die Bremer Vahr war seine erste wichtige Station in Deutschland und das auch mit "Hausanschluss" bei Trainer Hubertus Fanelsa, dem er die Treue auch in schwersten Zeiten hielt. Erst spät wechselte er als zweiter Jockey an den großen Stall mit den vielen Möglichkeiten von Andreas Wöhler nach Gütersloh. Dort steht er in der Hierarchie zwar hinter dem vierfachen Champion Eduardo Pedrzoa, doch es stehen dort viele schnell Rösser und nicht immer wählt Pedroza das richtige Pferd.

Wie im Derby, wo Pedroza hinter Bojko und Waldpark mit seinem Earl of Tinsdal Zweiter wurde. Die Trainer arbeiten gern mit Bojko zusammen. Er ist unkompliziert und zuverlässig, grobe taktische Fehler sind eher selten. Bojko kann sich selbst gut einschätzen.

Vor einigen Jahren stand er Modell für eine Anzeigenserie eines französischen Magazins. Partner war ein Esel und der Aufnahmeort die Rennbahn von Bad Doberan an der Ostsee. Es gab eine ordentliche Gage, Bojko war noch geduldiger als jedes weibliche Model und am Ende hatte er den Esel so ins sein Herz geschlossen, dass er ihn kaufen wollte. Das gelang nicht, denn es handelte sich um die de Luxe-Version des dortigen Eselparks.

(NGZ)