Jüchen : Jüchen droht Ärztemangel

Das Gesundheitsministerium stuft Jüchen als eine der Gemeinden ein, in denen es bald zu wenig Hausärzte geben wird. Ärzte, die Nachfolger suchen, wundert das nicht: Die Flächengemeinde ist nicht attraktiv für junge Mediziner.

Die Landkarte aus dem Gesundheitsministerium ist deutlich. Darin ist die Gemeinde Jüchen ein roter Fleck in einer sonst blütenweißen Umgebung. Die Karte zeigt die hausärztliche Versorgung von Kommunen in NRW. Fast der gesamte Niederrhein ist weiß, Jüchen aber gehört zu den vom Ärztemangel bedrohten Kommunen. "Tiefrot", urteilt der Jüchener Allgemeinmediziner Dr. Franz-Josef Kox. Dabei erteilte die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein die Auskunft, der Bedarf in der Gemeinde sei momentan zu 99,2 Prozent gedeckt. Jüchen gehöre nicht zu den gefährdeten ländlichen Gebieten.

Im Schnitt über 60

Das Ministerium kommt mittelfristig aber zu einer anderen Einschätzung, weil der Altersschnitt der Jüchener Hausärzte bei über 60 Jahren liegt. Rechnet man die Kinderärzte mit hinzu, sind es im Schnitt immer noch 57 Jahre. Bei acht von zwölf Jüchener Hausärzten steht irgendwann in den kommenden Jahren die Praxisaufgabe bevor. Sie müssen dann einen Nachfolger finden, oder die kassenärztliche Zulassung für die Praxis erlischt und muss ganz neu vergeben werden. "Für die Gemeinde bedeutet die Aufnahme in die Liste, dass in absehbarer Zeit die hausärztliche Versorgung der Bevölkerung vor Ort gefährdet sein wird", teilte die Sprecherin des NRW-Gesundheitsministeriums, Serap Celen, unserer Zeitung mit.

Die Suche nach Nachfolgern ist für Ärzte nicht leicht. Einerseits ist Jüchen als Flächengemeinde nicht besonders attraktiv für junge Ärzte. Zudem gebe es schlicht zu wenig Nachwuchs, meint Franz-Josef Kox. "Selbst Krankenhäuser suchen Ärzte. Wir haben einen Mangel." Außerdem könnten junge Mediziner in Süddeutschland auf Anhieb wesentlich mehr verdienen als im nördlichen Teil. "Da haben wir ein Nord-Süd-Gefälle. Die Regelleistungsvolumina sind in Bayern und Baden-Württemberg wesentlich höher als in Nordrhein-Westfalen", sagt Kox. Er fordert außerdem, die Budgetgrenze für Hausärzte, die einen Kollegen einarbeiten wollen, aufzuheben. Sonst werde der Verdienst geringer, und das mache es nicht attraktiver, seinen Nachfolger in der Praxis einzuarbeiten.

Deshalb hat das Ministerium ein Programm aufgelegt, das Kommunen wie Jüchen für junge Ärzte interessanter machen soll. Ein Hausarzt, der sich in Gemeinden mit Dringlichkeitsstufe eins wie Jüchen niederlassen möchte, könnte vom Land 50 000 Euro als Förderung bekommen. Doch der Erfolg seit 2009 ist mäßig. Bislang wurden fünf Anträge von Ärzten im Regierungsbezirk Düsseldorf positiv beschieden. Im vergangenen Jahr, seitdem in Jüchen erstmals über Ärztemangel diskutiert wurde, kam kein einziger hinzu. Das Problem ist nicht neu. Was sich verändert hat, ist das Alter der praktizierenden Ärzte.

(NGZ)