Korschenbroich : Der Kapitän im Sängerbund

Wolfgang Frisch ist seit kurzem neuer Vorsitzender des Sängerbundes Glehn. Mit neuen Ideen möchte er den Chor fit für die Zukunft machen und neue Mitglieder gewinnen. Der 66-Jährige ist dabei eine Art Mannschaftskapitän.

Es dauert nicht lange, dann springt die Katze auf den Tisch. Neugierig tappst sie umher, als gäbe es da etwas Spannendes zu entdecken. Wolfgang Frisch nimmt Miez, die Katze, behutsam auf und setzt sie wieder auf den Boden. Er blickt dem Tier nach, mit einer Engelsgeduld. Das scheint zu dem 66-Jährigen zu passen: die Geduld, die Behutsamkeit. Es sind gute Tugenden für ein Ehrenamt, das Wolfgang Frisch seit kurzem ausübt: Er ist neuer Vorsitzender des Sängerbundes Glehn.

Die ersten Tage im Amt hat er vor allem gebraucht, um anzukommen. "Ich bin ein Teamspieler", sagt der Physiotherapeut. Als Vorsitzender muss er auch die Voraussetzungen für die Zukunft des Sängerbundes schaffen. Der Chor teilt das Problem der meisten Gesangvereine: Es mangelt an Nachwuchs. "Unser Alter liegt im Schnitt bei 55plus. Junge Leute für einen Chor zu begeistern ist schwierig. Auch weil viele die Begeisterung dafür gar nicht mehr in den Schulen vermittelt bekommen", sagt Frisch. Mit Geduld möchte Frisch neue Mitglieder gewinnen — indem er sie behutsam an das Singen im Chor heranführt. "Bei vielen gibt es eine Art Schwellenangst. Zu Hause, wenn sie alleine sind, oder im Auto singen sie gerne. Nicht aber zusammen mit anderen", meint Frisch. Dabei sei das gar nicht so schwierig.

Wie man Menschen für ein Hobby begeistert, hat Wolfgang Frisch jahrzehntelang beim Sport bewiesen. Früher war er leidenschaftlicher Handballer bei der TG Neuss, zudem hat er dort Mannschaften trainiert. Beim Handball und dem Singen im Chor gäbe es eine Parallele: Der Einzelne ist immer nur so gut wie die Mannschaft. Und die Mannschaft lebt vom Einsatz jedes Einzelnen. Das ist einer der Gründe, weshalb Wolfgang Frisch sich als "Teamplayer" sieht. "In meiner Funktion als Chor-Vorsitzender bin ich vielleicht so etwas wie der Mannschaftskapitän", sagt er. "Mehr aber auch nicht."

Eine erste neue Idee hat er bereits eingebracht. In diesem Jahr möchte der Sängerbund erstmals auf das traditionelle Herbstkonzert verzichten. Stattdessen soll es ein Neujahrskonzert geben. "Diese Entscheidung war aber kein Alleingang, sondern mit den anderen Mitgliedern des Sängerbundes abgestimmt."

Wolfgang Frisch ist seit 1988 dabei. "Ich bin im Internat zur Schule gegangen. Da habe ich die Begeisterung für den Chor entdeckt", sagt der dreifache Familienvater. Auch wenn er sich als Sänger mit Klassik und Gospels bestens auskennt: Zu Hause legt er dann doch eher die Beatles und andere Musik aus den 60er Jahren auf. Auch als Teil eines Gitarren-Duos ist Wolfgang Frisch bereits in Glehn aufgetreten — und spielte Stücke von Hannes Wader.

(NGZ)