Handball: Der "Doktor" mit der rechten Klebe

Handball : Der "Doktor" mit der rechten Klebe

NGZ-Sportler des Monats Dezember Jens Todtenhöfer, stellvertretender Kapitän des Handball-Oberligisten Neusser HV, sieht die Auszeichnung als Bestätigung für eine bislang sehr stimmige Mannschaftsleistung. Der 25 Jahre alte Jurist schreibt gerade an seiner Doktorarbeit.

Jens Todtenhöfer hat die Nase vorn – schon wieder! In einem bis zur letzten Sekunde offenen Kopf-an-Kopf-Rennen um den schmückenden Titel "NGZ-Sportler des Monats" verwies der Handballer des Oberligisten Neusser HV den Fußballer Stefan Dresen (SC Kapellen) und die Neusser Bob-Fahrerin Lisette Thöne (BSC Winterberg) auf die Plätze. "Das hat mich schon gefreut, weil ich damit wirklich nicht gerechnet hatte", sagt der 25-Jährige zwar, doch so richtig überraschen kann das Votum der Leser eigentlich nicht. Es läuft einfach für Jens Todtenhöfer – und das auf ganzer Linie.

Mit dem NHV hat er als Spitzenreiter Weihnachten gefeiert. Ein unerwarteter Höhenflug, an dem der stellvertretende Kapitän nicht ganz unbeteiligt ist. Mit 75 Toren in bislang 14 Spielen ist er nicht nur der beste Schütze seiner Mannschaft, sondern als Mann auf der Mittelposition im Rückraum auch Dreh- und Angelpunkt im Spiel des Oberligisten. Weil Eigenlob bekanntlich stinkt und der beim TSV Bayer Dormagen ausgebildete Handballer gewiss kein Lautsprecher ist, übernimmt sein Trainer René Witte die verdiente Lobesrede: "Jens hat eine überragende Hinrunde gespielt, er ist auf dem Spielfeld meine rechte Hand. Er sagt nicht viel, aber was er sagt, hat Gewicht. Er ist aus Neuss gar nicht mehr wegzudenken."

Ein Abschied kommt dem so Gepriesenen, der seit 2005 das NHV-Trikot tragt, auch gar nicht in den Sinn. "Ich fühle mich als Neusser", sagt er. Und darum spielt es für ihn auch keine Rolle, ob der Weg der Truppe am Ende der Saison in die 3. Bundesliga führt. "Klar, träumen kann man immer, aber der Aufstieg ist nicht unser Ziel. Der Trainer sagt immer, wir bräuchten 25 Punkte, um den Klassenerhalt sicher zu haben – 22 sind es schon." Den Vertrag für die nächste Saison hat er ohnehin bereits unterschrieben, unabhängig von der Spielklasse.

Sportlicher Erfolg ist im Leben des im beschaulichen Schlicherum wohnenden Musterschülers indes nicht die alles bestimmende Größe. "Menschliche Aspekte sind mir viel wichtiger, ich muss mich im Team wohlfühlen." Genau das sei beim NHV der Fall. "Ich habe noch nie erlebt, dass man sich wie bei uns mit allen Mitspielern versteht. Wir machen auch privat viel miteinander. Und ich habe noch nie in einer derartig homogenen Mannschaft gespielt. Konkurrenten wie Aldekerk und Borussia Mönchengladbach sind qualitativ vielleicht sogar besser besetzt als wir, aber das machen wir durch die mannschaftliche Geschlossenheit wett." Parallel dazu entwickelt sich das Umfeld, bereits zweimal in dieser Saison knackten die Neusser in der Hammfeldhalle die Marke von 500 Zuschauern.

Mit dem ersten Staatsexamen in der Tasche ist der Jurastudent auch abseits der Sporthalle auf der Erfolgsspur. Demnächst geht er an der Universität in Köln seinen Wirtschaftsmaster an, am 1. September beginnt in Düsseldorf sein Referendariat und auch die Doktorarbeit zum Thema Gesellschaftsrecht ist in der Mache. So in etwa sieht wohl ein Mensch aus, der sein Leben voll im Griff hat.

Stefanie Kallenberg aus Neuss hat den Trainingsgutschein im Wert von 50 Euro der medicoreha in Neuss gewonnen.

(NGZ)