Zum Tod der Neusser Künstlerin Marga Groove-Markovic: Menschen im Mittelpunkt aller Kunst

Zum Tod der Neusser Künstlerin Marga Groove-Markovic: Menschen im Mittelpunkt aller Kunst

Wer Marga Groove in ihrem großen Atelier auf der Tiberiusstraße besuchte, in dem sie seit 1954 zu Hause war, begegnete einer Künstlerin, deren Ausdrucksvielfalt überraschte. Skulpturen, Gemälde, Hinterglasbilder, Zeichnungen, Aquarelle und Collagen bildeten eine in sich geschlossene Welt, in der unverkennbar der Mensch, insbesondere das Kind, im Mittelpunkt des künstlerischen Schaffens stand.

Mit bisweilen träumerisch verhaltener Innerlichkeit gestaltete Marga Groove ihre Mitmenschen, kaum einzelne Individuen, sondern Prototypen von Schmerz und Leid, von Nächstenliebe und Glück. In immer wiederkehrenden Symbolen setzte sie ihre Empfindungen formal präzise um. Die Rose, der Baum, Vorhang, Wolke und Schachbrett wurden ebenso wie das Fragment einer Hand zu sinnstiftenden Zeichen ihrer Imagination.

Marga Groove wurde 1920 in Neuss geboren und lebte bis heute fast immer in dieser Stadt, deren künstlerisches Erscheinungsbild sie nach dem 2. Weltkrieg mit ihren Skulpturen und Reliefs im öffentlichen Raum prägte. Ihre Ausbildung erhielt sie seit 1938 bei dem in Düsseldorf lebenden Bildhauer Zoltan Székessy, der sie die Grundkenntnisse plastischen Gestaltens lehrte. 1944 stellte die Galerie Alex Vömel eine von ihr geschaffene Porträtbüste des Bildhauers Kurt Zimmermann aus.

Frei entfalten konnte sich die junge Künstlerin erst nach Kriegsende, als sie 1945 im Neusser Elternhaus auf der Nordkanalallee ein großräumiges Atelier einrichten durfte. Schon 1946 war sie mit elf Arbeiten auf der ersten Ausstellung der Rheinischen Sezession seit 1933 in Düsseldorf vertreten, 1947 nahm sie an der ersten Nachkriegsausstellung in der Schweiz (Bern) teil. 1950 erfuhr Marga Groove durch die Verleihung des Düsseldorfer Cornelius-Preises eine besondere Auszeichnung.

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Es folgten zahlreiche öffentliche Aufträge für sakrale wie profane Bauten, die ein neues, humanes Menschenbild im Bereich der realistischen Plastik entwarfen. Erst Ende der 1960er Jahre schuf Marga Groove, angeregt durch ihren Mann, den Maler und Restaurator Milan Marcovi|2c, ihre ersten Ölbilder, denen bald auch starkfarbige Hinterglasbilder und seit 1978 Collagen folgten. Vorausgegangen waren ihnen jene lichten "Traits croisés", Farbstiftzeichnungen aus zarten Strichstrukturen, die Parkszenen oder spielende Kinder in einer gegenständlich-ornamentalen Komposition einfangen.

1985 richtete Dr. Irmgard Feldhaus, die Freundin seit Kindertagen, eine Ausstellung im Clemens-Sels-Museum aus, die einen zusammenfassenden Überblick auf das vielseitige Lebenswerk dieser Neusser Künstlerin gab. In der vergangenen Woche starb Marga Groove nach langer Krankheit.

Ihr Werk, das nicht nur im Clemens-Sels-Museum, hier vor allem mit ihren herrlichen Handzeichnungen, sondern auch in zahlreichen Kirchen, Schulen und Parkanlagen in Neuss, Düsseldorf, Krefeld, Düren, Duisburg, Bottrop und im Aachener Raum vertreten ist, wird bleiben. Es legt Zeugnis ab von einer großen Künstlerin, deren autonomes Schaffen im Dienst eines modernen Humanismus steht. Gisela Götte

(NGZ)
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