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SPD-Kandidat Hubert Eßer: Der Quereinsteiger

SPD-Kandidat Hubert Eßer : Der Quereinsteiger

Erst seit fünf Jahren in der SPD und schon Bundestagskandidat: Hubert Eßer kämpft im Wahlkreis Neuss I gegen Staatsminister Hermann Gröhe (CDU). Eßer setzt auf Arbeitnehmer-Themen – und zielt auf die Wähler in der Mitte.

Erst seit fünf Jahren in der SPD und schon Bundestagskandidat: Hubert Eßer kämpft im Wahlkreis Neuss I gegen Staatsminister Hermann Gröhe (CDU). Eßer setzt auf Arbeitnehmer-Themen — und zielt auf die Wähler in der Mitte.

Rhein-Kreis Neuss "Wer einmal im Blaumann gesteckt hat, wird ihn ein Leben lang nicht mehr los." Hubert Eßer weiß, wovon er spricht. Der SPD-Kandidat im Wahlkreis 109 — Neuss, Grevenbroich, Dormagen Rommerskirchen — verleugnet seine Herkunft nicht: Lehre, Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker, später Meister im Elektrohandwerk — bei FS-Karton in Neuss hat er malocht.

Für einen, der in den Bundestag will, in dem traditionell eher Beamte, Selbständige und Juristen den Ton angeben, eine eher ungewöhnliche berufliche Basis. Als Eßer im August vergangenen Jahres vom SPD-Ortsverein Neuss-Stadtmitte als Herausforderer für den im Wahlkreis direkt gewählten Christdemokraten Hermann Gröhe präsentiert wurde, gab der Neusser SPD-Vorsitzende Benno Jakubassa die entsprechende Richtung vor: "Er ist mal kein Studierter. So einer fehlt doch im Bundestag." Das Motto: Eßer, der Kandidat für die "normalen" Menschen, der noch weiß, wie die "kleinen Leute" ticken.

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"So ist es", sagt der 50 Jahre alte gebürtige Holzheimer, der in Grefrath auf dem Bauernhof aufgewachsen ist. Als Betriebsratsvorsitzender von FS-Karton kümmert er sich nicht nur um Innerbetriebliches, sondern ist auch erste Anlaufstelle, wenn "seine" Leute private Nöte plagen. Das schweißt zusammen, und mancher bedankt sich jetzt mit ehrenamtlicher Unterstützung für den Kandidaten, sei es beim Verteilen von Rosen am Infostand oder dem Zusammenstellen von Werbematerialien.

Der vierfache Vater und aktive Schütze — St.-Sebastianus-Bruderschaft Grefrath und Grenadierzug "Wisse Röskes" in Neuss — ist jedoch nicht als Klassenkämpfer unterwegs. Der Blaumann-Typ, das ist nicht der ganze Hubert Eßer. Nach Lehre und Meister setzte er noch einen Betriebswirt drauf, als Gesamtbetriebsratsvorsitzender und Arbeitnehmervertreter der börsennotierten Mayr-Melnhof Karton AG trägt er auf oberster Ebene Mitverantwortung in einem Unternehmen mit zwei Milliarden Euro Jahresumsatz. Und den Job scheint er nicht schlecht zu machen — schließlich stattete ihm Konzernchef Dr. Wilhelm Hörmanseder höchstpersönlich einen Besuch im Wahlkampfbüro in den Neusser Büchel-Arkaden ab.

Arbeitnehmerfragen sind wichtige Wahlkampfthemen für Eßer, und das nicht nur wegen seiner Aktivität in der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE). Korrekturen bei der Agenda 2010 und der Rente mit 67, Erhalt von Kündigungsschutz und Mitbestimmung, das sind die einen Themen. Punkten will Esser aber auch mit verstärkter Haftung von Konzernvorständen bei Fehlentscheidungen, die die Existenz von Unternehmen gefährden, Änderungen beim Steuerrecht zugunsten von Beziehern mittlerer Einkommen und bezahlbarer Energie für private Verbraucher sowie als Voraussetzung für die Sicherung des Industriestandortes Deutschland.

Als Kandidat für den Neusser Stadtrat landete Eßer einen ersten Erfolg: 6,7 Prozent mehr Stimmen als sein stärkster Mitbewerber, damit jagte er der CDU den Wahlkreis Barbaraviertel/Bolssiedlung ab. 2004 hatte die Union noch einen Vorsprung von 19 Prozent gehabt. "Mit der Bolssiedlung ist der Bezirk alles andere als ein reines Arbeiter-Quartier", Eßer greift nach der politischen Mitte — und trifft dort beim Kampf ums Bundestagsmandat auf Staatsminister Gröhe. Spannend.

(RP)