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Corona-Krise: Sana-Klinikum in Remscheid sieht sich "gut aufgestellt"

Interview mit Ulrich Sliwka : Sana-Klinikum sieht sich "gut aufgestellt"

Frühzeitig habe sich das Sana-Klinikum auf die Pandemie vorbereitet. Keine Engpässe bei Schutzkleidung.

Herr Professor Sliwka, Sie sind als Ärztlicher Direktor des Sana-Klinikums Remscheid auch in den Krisenstab der Stadt eingebunden. Wie hat sich das Klinikum auf den Corona-Virus eingestellt?

Prof. Dr. Ulrich Sliwka Das Sana-Klinikum hat sich schon früh auf eine mögliche Pandemie eingestellt. Im Klinikum haben wir einen eigenen internen Krisenstab eingerichtet. Wir müssen Kapazitäten für die zu erwartenden Patienten vorbereiten und zum Teil unsere klinischen Prozesse neu ausrichten. Dazu haben wir eine Aufnahme- und Isolierstation eröffnet und in einem weiteren Schritt eine Station nur für an Covid-19 erkrankte Menschen. Kapazitäten für schwersterkrankte Patienten auf unserer Intensivstation mussten ebenfalls vorbereitet werden. Mit diesen Maßnahmen sind wir für die hochinfektiösen Patienten und die aufwändigen Schutzvorkehrungen gut vorbereitet. Generell beraten wir uns auch in engem Kontakt mit den Behörden und legen gegebenenfalls zu treffenden Maßnahmen fest.

  △  Im Sanaklinikum wurden Operationen verschoben, um Kapazitäten freizuhalten.     ▷  Chefarzt Prof. Dr. Ulrich Sliwka lobt die Zusammenarbeit mit der Stadt und anderen Institutionen.     Fotos: Jürgen Moll, NH (Archiv)
△  Im Sanaklinikum wurden Operationen verschoben, um Kapazitäten freizuhalten. ▷  Chefarzt Prof. Dr. Ulrich Sliwka lobt die Zusammenarbeit mit der Stadt und anderen Institutionen. Fotos: Jürgen Moll, NH (Archiv) Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Wie viele Intensivbetten stehen für Covid-19-Patienten zur Verfügung? Wird über den Ausbau der Kapazitäten nachgedacht?

Sliwka In einem Mehrstufenplan können wir unsere Intensivbetten und Beatmungsmöglichkeiten im Sana-Klinikum Remscheid erweitern.

Wie sieht es mit Schutzausrüstung für Ihr Personal aus? Sind ausreichende Mengen vorhanden? Bauen Sie auf die Unterstützung von Bund und Ländern?

Sliwka Mittlerweile arbeiten alle Mitarbeiter auch in den patientenfernen Bereichen mit Mund-Nasen-Schutz. In den Bereichen, in denen Patienten mit Verdacht auf oder gesicherter Sars-Cov-2-Infektion behandelt werden, nutzen wir sogenannte FFP2-Masken und andere Schutzmaterialien. Diese sind derzeit in ausreichender Menge vorhanden. Es handelt sich um Verbrauchsartikel. Wir müssen demnach für ausreichenden und zeitgerechten Nachschub sorgen. Hier können wir sowohl auf die Konzernstrukturen bei Sana wie auch auf die Stadt Remscheid und die Berufsfeuerwehr zurückgreifen.

Gibt es denn infizierte Mitarbeiter bei Ihnen? Und: Reichen die Personalressourcen im Sana-Klinikum aus?

Sliwka Die Infektion von Mitarbeitern in Krankenhäusern und auch Pflegeheimen ist bei dieser Erkrankung häufig. Weltweit sind über 25 Prozent der Mitarbeiter in Krankenhäusern trotz Schutzmaßnahmen infiziert. Wir sind mit unserem Hygieneteam und den Schutzvorkehrungen gut aufgestellt, dennoch lassen sich auch bei unserem Personal Infektionen leider nicht verhindern. Die Zahlen beim erkrankten Personal können sich dabei von Tag zu Tag ändern. Personelle Engpässe haben sich bisher nicht maßgeblich ergeben.

Haben Sie genug Fachärzte?

Sliwka Auf unserer Intensivstation arbeiten erfahrenen Intensivmediziner aus verschiedenen Fachabteilungen mit besonderen Qualifikationen. Die Covid-19-Patienten auf der Normalstation werden von Lungenfachärzten und Kardiologen betreut.

Wurden bei Ihnen Operationen abgesagt oder verschoben?

Sliwka Alle verschiebbaren Operationen, Untersuchungen und Behandlungen wurden abgesagt beziehungsweise verschoben, um die notwendigen Kapazitäten zu schaffen.

Wann sind Ihre Belastungsgrenzen erreicht?

Sliwka Alle Maßnahmen und Anstrengungen, die wir in enger Zusammenarbeit mit dem Krisenstab der Stadt Remscheid, den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, dem Gesundheitsamt und den Rettungsdiensten unternehmen, haben das Ziel, gerade nicht unsere Belastungsgrenzen zu erreichen. Die Stadt Remscheid hat mit der sehr frühen Einberufung eines Krisenstabes wesentlich dazu beigetragen.

Fühlen Sie sich gut genug unterstützt?

Sliwka Die Unterstützung ist hervorragend. Jeder hilft jedem. Das betrifft insbesondere das Klinikum selbst sowie den Sana-Klinikverbund, aber auch die Stadt, das Gesundheitsamt, die Feuerwehr und viele mehr. Wenn es ein kritisches Thema gibt, sind auch spätabends noch alle erreichbar und helfen sich gegenseitig. Wenn wir es schaffen, dieses Miteinander über die Krise hinaus zu leben, hat diese gesamtgesellschaftliche Herausforderung auch eine positive Seite.