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Kira Brauer aus Remscheid: Studentin wird von Corona ausgebremst

Kira Brauer aus Remscheid : Studentin wird von Corona ausgebremst

Studieren im Corona- Shutdown ist herausfordernd und die Hörsäle bleiben vorerst geschlossen. Das trifft auch Kira Brauer hart.

Kira Brauer gehört zu den Studenten, die zielstrebig auf ihren Beruf zusteuern: Die gebürtige Remscheiderin will Lehrerin für die Sekundarstufe 1 werden und hat schon reichlich Praxis-Erfahrung gesammelt. Zum Start des Sommersemesters wollte Brauer ihre Bachelorarbeit angehen. „Spätestens im Winter wollte ich dann mit dem Master starten“, erzählt die 26-Jährige, die an der Bergischen Universität Wuppertal für Germanistik und Geschichte eingeschrieben ist. Ihrem Ehrgeiz kommt nun der Corona-Shutdown anhaltend in die Quere. Denn seit 7. April ist allen Studierenden in NRW klar, dass sich für sie an der Situation so schnell nichts ändern wird.

„Wir haben uns bereits auf ein Online-Semester eingestellt“, sagt Brauer und berichtet von einem Video des Rektors: „Professor Lambert Koch stimmt darin alle Lehrenden und Studierenden darauf ein, dass es am 20. April keinen Vorlesungsbeginn geben wird.“

Für Brauer ist das eine Hiobsbotschaft. Der Grund: „Man kann sich zwar Lehrstoff im Home Office aneignen und virtuelle Vorlesungen besuchen. Das Problem von geschlossenen Bibliotheken lässt sich jedoch nur bedingt kompensieren.“ Das treffe nun vor allem Studenten, die vor einer wissenschaftlichen Arbeit stünden und dafür Literatur bräuchten. Insbesondere wenn ein Thema sehr speziell sei, komme man mit E-Books nicht unbedingt weiter. Darum habe sie gehofft, „dass die Unibibliothek wenigstens an einem Tag in der Woche offen sein und man kontrolliert eine bestimmte Anzahl an Studenten hineinlassen würde“. Das scheine derzeit aber nicht geplant zu sein. Was für sie bedeutet, „dass ich mir nicht diejenigen Bücher abholen kann, die ich für meine Bachelorarbeit bestellt hatte“.

Nicht nur die Sorge um den Ausgang ihrer Bachelorarbeit über die Gebrüder Grimm belastet die Studentin: „Ich hatte mich erfolgreich um eine Stelle in einer Wuppertaler Grundschule beworben, an der ich als Vertretungskraft weitere praktische Erfahrungen als Pädagogin sammeln wollte.“ Weil die Schulen schon drei Wochen vor den Osterferien geschlossen wurden und nur die Notbetreuung lief, sei sie bei weitem nicht so stark zum Einsatz gekommen wie erhofft. Nun befürchtet sie, „dass nicht nur die Hörsäle nach dem 19. April geschlossen bleiben werden, sondern auch der Schulunterricht nach den Osterferien in keinem reellen Raum weitergehen wird“. Dadurch bliebe ihr länger als gedacht die Chance verwehrt, „reale Arbeitsbedingungen als Pädagogin kennenzulernen“. Das sei ihr persönlich sehr wichtig, obwohl sie bereits Erfahrungen als Vertretungslehrerin in einer Internationalen Klasse des Röntgen-Gymnasiums sammeln konnte.

Aktuell arbeite sie an einer Remscheider Grundschule im Offenen Ganztag. Bei beiden Tätigkeiten habe sie „zahlreiche Kinder und Jugendliche kennengelernt, die schon in normalen Zeiten nur unter ganz erschwerten Bedingungen lernen können“. Für solche Kinder, „die oft daheim keinerlei Zugang zu digitalen Bildungswegen haben“, wäre es „schlicht und ergreifend eine Katastrophe, wenn sich die Situation am Ende der Osterferien weiter genauso darstellen sollte wie zuvor“. Verglichen damit sei jeder Student besser dran – „einschließlich derjenigen, die wegen bevorstehender Zwischenprüfungen oder Problemen bei der Beschaffung von Literatur derzeit besonders gestraft sind“. Ein Standpunkt, den Brauer gut zu begründen weiß: „Wer es in Deutschland bis an die Universität geschafft hat, besitzt mit Sicherheit daheim einen Computer mit gutem Internet-Anschluss. Wer darüber nicht verfügt, kann heute im Grunde genommen gar nicht erst Abitur machen, vom Studium ganz zu schweigen.“