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Remscheid: Open-Air-Konzert vorm Altenheim

Musikalische Ostergrüße : Open-Air-Konzert vorm Altenheim

Die Zeichen der Solidarität für Menschen in Seniorenheimen sind vielfältig. In der Stockder Stiftung kommt zum Beispiel eine alte Drehorgel zum Einsatz. Der 99-jährige Fritz Voß spielt für seine Frau und die Bewohner.

Keine hundert Meter entfernt lebt Fritz Voß von seiner Frau getrennt. Der 99-Jährige hat sie täglich besucht im Wohnbereich der Stockder Stiftung. Seit die Besuchsverbote herrschen, kann er ihr nur noch vom Hof aus winken. Doch zu Ostern wird er für seine Karin, die an Demenz leidet, Drehorgel im Hof spielen. Das ist seine Musik. Das ist seine Form, Ostergrüße an die Ehefrau zu schicken, der er nur noch von Weitem winken kann.

Vor dem Mittagessen öffnen sich die Fenster zum Hof, und alle lauschen den Tönen. Die Melodie von „Das ist meine Heimat“ fliegt zu den Zimmern empor. Wenn das Lied verklungen ist, kommt Applaus von den „Rängen“. Open-Air-Konzerte vorm Altenheim. Die Krise hat auch schöne Gesichter.

Tochter Andrea Fabris hat das Instrument für ihren Vater besorgt. Die Diakonin der Auferstehungsgemeinde wusste von seiner Existenz. Es gehört Fritz Klauser, der es nach der Auflösung der „Donnerkiele“ im Gemeindehaus Esche untergestellt hat. So kommt es wieder zum Einsatz, gespielt von Simone Kotthaus.Fritz Voß darf ab und zu an die Kurbel. Die Klänge der Drehorgel gehören für die meisten Bewohner der Altenheime zum Repertoire vertrauter Erinnerungen.

Einem Schatz an Erfahrungen begegnet Jutta Berendes täglich. Sie ist Einrichtungsleiterin der Altenheime Haus Lennep und der Stockder Stiftung. Die Generation der 80-Jährigen hat harte Zeiten erlebt. Vor allem den Zweiten Weltkrieg und die Jahre des Wiederaufbaus. „Ich höre von vielen, sie hätten Schlimmeres durchgemacht“, erzählt Berendes. Trotz Ausgangssperre, trotz Kontaktverbot, trotz latenter Angst – die Heimbewohner fühlen sich gut aufgehoben. „Wir haben doch alles. Wir werden versorgt, wir haben Essen und noch Kontakt untereinander“, lautet der Tenor der Antworten, die das Pflegepersonal hört, wenn es die Einschränkungen erläutert.

„Ich bin allen sehr dankbar, dass alle so gut unter diesen Bedingungen arbeiten“, sagt Berendes. In beiden Einrichtungen zusammen werden 200 Menschen betreut. Zwischenzeitlich verwandeln sich die Wohnbereiche in Telefonzentralen. Der Enkel wird mit der Oma verbunden, der Sohn will seinem Vater einen Gruß ausrichten, und auch die frühere Nachbarin meldet sich. „Das kriegen wird gut hin“, sagt Berendes. Das Telefonieren über Skyp, wo die Menschen sich auch sehen können, sei oftmals sehr hilfreich. Genauso wie der Einsatz der Ehrenamtlichen. Sie können keine Besuche mehr abstatten, aber es gibt regelmäßige Anrufe bei den Bewohnern, die keine Verwandten mehr haben.

Die Grundschülerin Nada Jawad brachte eine Packen mit Bundstiftbildern vorbei. Mit Osterhasen und Ostereiern in allen Variationen als Motiv. Das Mädchen wollte ein Zeichen setzen, dass die Menschen im Heim nicht vergessen werden. Berendes zeigt sich gerührt von so viel Anteilnahme.

 Jutta  Berendes, Leiterin des Hauses Lennep und der Stockder Stiftung, freut sich über Osterbilder von Kindern für  Senioren.   Fotos: Peiseler
Jutta  Berendes, Leiterin des Hauses Lennep und der Stockder Stiftung, freut sich über Osterbilder von Kindern für Senioren.   Fotos: Peiseler Foto: Christian Peiseler

Für Tochter Andrea Fabris ist es nicht leicht, keinen richtigen Kontakt mehr zu ihrer dementen Mutter aufnehmen zu können. Das Pflegepersonal wisse besser als sie, wie es ihr geht und wie sie sich fühlt. Aber wenn ihr Vater für ihre Mutter spielt, dann ist dies ein warmer Trost in unsicheren Zeiten.