Kartenspieler-Verein hat 70 Mitglieder : Bridge verbindet

Wöchentlich spielen die Mitglieder des „Bridge Treff Wermelskirchen“. Die Kartenfreunde kommen auch aus Remscheid und Wuppertal.

Der Joker trägt Feincordhose, ein kariertes Oberhemd und einen beerenfarbenen Pullover. Dazu ein Lächeln, selbst dann, wenn er ermahnend „pschschschscht“ in den kleinen Saal des Raststättenlokals an der A 1 zischt. Das macht Christian Glubrecht oft an diesem Freitagnachmittag: Immer dann, wenn es zu unruhig wird. Wenn zu viele Wörter das dumpfe Geräusch von Spielkarten, die auf dunkelgrüne Tischtücher gelegt werden, übertönen.

Glubrecht ist Sportwart des „Bridge Treffs Wermelskirchen“ und Spieler der Dritten Bundesliga. Freitags ist er in einer Doppelrolle unterwegs: Als Joker springt er als Spielpartner ein, wenn ein Vereinsmitglied keinen Bridgepartner beim wöchentlichen Turnier im Raststättenrestaurant hat und die Zahl der Spieler ungerade ist. Dann spielt Glubrecht mit und gibt nebenher noch den Spielleiter, der bei Fragen zu den Tischen eilt oder mahnend die Zeit im Blick hat. Oder eben „pschschscht“ zischt.

Der „Bridge Treff Wermelskirchen“ hat aktuell 76 Mitglieder, Tendenz steigend und damit gegen den Trend. Die Kartenfreunde kommen aus Wermelskirchen, Remscheid, Wuppertal und treffen sich wöchentlich zu Turnieren: freitags zentral an der Autobahn, mittwochs im Haus der Begegnung Wermelskirchen. Bridge ist taktischer Denksport; ein Spiel, bei dem Paare gegeneinander antreten. Die Paare werden Himmelrichtungen zugeordnet: Ost-West gegen Nord-Süd, nach jeder Runde ziehen die Ost-Westler einen Tisch weiter. Die Karten der Tische wechseln in die andere Richtung, sodass jedes Paar mit denselben, vorab vom Spielleiter gemischten Karten, zu tun hat. Die Chancen sind für alle gleich.

Neun Tische mit je zwei Spielpaaren sind an diesem Nachmittag besetzt. Die Damen tragen Wollkleider, Schmuck und fein geföhnte Frisuren, die Herren Hemd oder Pullover. Auf den einzelnen Tischen liegen laminierte Zettel, deren Pfeile auf den Platz deuten, auf dem Spieler „Nord“ zu sitzen hat. In der ersten Runde treten an Tisch 2 Margarete und Heinz Schulz gegen Jutta und Bernd Geike an. Die Gegner siezen sich höflich.

Im ersten von drei sogenannten Boards (Durchgängen) läuft es schlecht für den Westen alias Heinz Schulz, dessen nervöses Mundzucken und leichtes Kopfschütteln mehr als ein kleiner Hinweis darauf ist, dass er das Spiel seiner ihm gegenübersitzenden Frau missbilligt. „Der wird ihr gleich sagen, warum sie mit einer derart schwachen Hand reizt“, kommentiert Spielleiter Glubrecht flüsternd. In der Tat diskutiert Spieler Schulz nach Verlust des ersten Boards mit seiner Gattin, während Jutta Geike die Ergebnisse in den „Bridgemate“ eintippt. Das Gerät sieht aus wie ein Taschenrechner ohne Wurzelzeichen, stattdessen mit Herz, Pik, Karo und Kreuz. Es übermittelt die Daten automatisch an den Computer des Spielleiters.

Wer neun Runden à drei Boards gespielt hat, hat mehr als drei Stunden lang gereizt, gestochen und vor allem: gedacht. „Das gedankliche Nachhalten, was im Spiel abläuft, ist von entscheidender Wichtigkeit“, betont Vereinsvorsitzender Roland Arlt. Bridge ist ein Kartenspiel, das auf Taktik basiert. Wer den Überblick hat, welche Karten im Spiel sind, hat gute Chancen. Und wer sich mit seinem Partner blind versteht, wer ahnt, warum dieser welche Karte zieht, der gehört zu den Besten im Raum. Für Anfänger ist das schwierig zu überblicken, wer alle Regeln lernen und die Taktiken beherrschen wolle, brauche Jahre.

Und so liege der Altersdurchschnitt der Vereinsmitglieder bei „ungefähr 70“, sagt Arlt. „Die meisten fangen erst als Rentner an, wenn sie Zeit haben. Dabei wäre es viel besser, schon früher einzusteigen.“ Er plant, mit seinem Verein das Wermelskirchener Gymnasium anzusprechen, um den Schülern Bridge näher zu bringen. Man übe sich in Geduld, Konzentration, Toleranz und der Partnerschaft, sagt Arlt. „Bridge hat viele pädagogische Aspekte, aber dennoch einen Wettkampfgedanken. Man misst sich mit einem Gegner“, sagt der Senior mit den freundlichen Augen überraschend entschlossen. Bridge ist Denksport. Kein Glücksspiel.

Dienstags und freitags spielen die Mitglieder des Bridge TC Grün-Weiss in Remscheid und Wermelskirchen Turniere. Foto: Moll, Jürgen (jumo)
Ein „Board“ ist ein Behälter mit vier Fächern, die jeweils 13 Karten für die vier Spieler enthalten. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Der Vereinsvorsitzende würde sich über junge Mitglieder freuen. Der älteste Bridge-Spieler sei 90 Jahre alt und bis Ende 2018 bei den Turnieren regelmäßig dabei gewesen. Bridge, da sind sich alle einig, halte den Kopf fit. Und bringe neue Kontakte, sagt Anabell Hertel. Die Friseurmeisterin aus Remscheid ist mit 50 Jahren die Jüngste an diesem Tag. Vor vier Jahren stieg sie ein, weil ihr eine Dame sagte, wer jung anfange, lerne die Regeln schneller. Seitdem ist Hertel immer dann dabei, wenn ihr Job es zulässt. „Ich habe hier sehr nette Menschen kennengelernt“, sagt sie. Und weil Bridge international sei, könne sie es auf Reisen spielen.