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Haus Kronenthal: Die Chefin wohnt in ihrem Hotel

Haus Kronenthal : Die Chefin wohnt in ihrem Hotel

Carolin David führt das Haus Kronenthal – und tut dies auf eine herzliche Art. Jeden Abend macht sie als Letzte das Licht aus.

Sie sieht nicht danach aus, als würde sie überhaupt eine Mundart sprechen können, diese Carolin David. Dabei hat sie bereits eine erst gar nicht angenommen – was bei Stuttgarts Art zu sprechen sicher einfach ist – und sich zumindest in der Sprachfärbung auf Geburtsort und langjährige Heimat eine angelacht: das Rheinisch-Bergische.

Das schätzen die Ratinger Eingeborenen sehr. Und mit dieser warmherzigen Sprache und einem dazu passenden herzlichen Lachen (häufig, laut) umfängt die Pächterin vom Hotel Haus Kronenthal auch ihre Kundschaft.

Nach rund zweieinhalb Jahren als Chefin kann ihr Haus inzwischen eine dreifach besternte Ernte einfahren: 30 Zimmer mit 98 Prozent Lob und Zuspruch. Und alles ist very busy. Das heißt, dass eigentlich niemand mit Kind und Kegel einen dreiwöchigen Wellness-Urlaub an der Brachter Straße bucht, dafür aber sein müdes Haupt nach Messe, Kongress oder Konferenz ins ruhige Kissen betten möchte. Und damit dazu alles vorbereitet ist, gibt es ein Team von Frauen, alle auch ziemlich busy. Okay, der Gärtner auch.

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Nun ist Carolin David 54 Jahre alt. Geboren in Solingen, mit dem ausgestattet, was früher Mittlere Reife hieß, zur Hotelfachfrau ausgebildet, in guten, „alten“ Häusern in Düsseldorf erprobt.

Gut, da war dann mal ein Jahr Stuttgart, wo sie sich fragte, was der Rheinländer dort soll, da gab es eine immerhin sieben Jahre währende berufliche Schleife mit der Schwester im Friseurgroßhandel. Und auch noch das Management für ein Appartement-Haus. Dann aber kam die Chance, das familiär gut eingeführte, familiär geprägte Kronenthal zu übernehmen.

Wenn sie strahlend erzählt, dass man sich dort auch jetzt noch wie in einer Familie fühlen kann, drängt sich natürlich der Gedanke auf, dass in Familien nicht nur eitel Sonnenschein die Grundstimmung dominiert. Doch das hat sie nicht gemeint. Hier gibt es nur Nettes. Auch von den Gästen.

Über die berichtet David sehr freundlich. Für die tut sie aber auch Gutes. Die Frau liebt ihren Beruf und kommt spätestens bei jedem dritten Satz wieder aufs Hotel zurück. Hat sie etwa kein Privatleben, nicht mal einen Hund?

Grob zusammengefasst: nein. Sie wohnt im Haus, so dass sie abends als Letzte das Licht löschen kann. Sie wurde auch schon mal gesehen, dass sie danach in Sportkleidung zum flotten Lauf durchs Quartier startete. Was natürlich nicht der Inbegriff von Privatleben ist. Sie strickt und häkelt nicht, und mit Nähen läuft auch nichts. Selbst der Spaß am Essen zerrt sie nicht an den Herd. (Kochen können auch andere.)

Dafür weiß sie, wo es bis wann was Ordentliches zu essen gibt, in welchem Club man als Gastspieler auf den Golfplatz kommt und dass ihr Hotel auf der Mitte zwischen Flughafen und A3-Auffahrt liegt.

Wer mit solchen Weisheiten nicht hinter dem Berg hält und sie zudem mit einem Organ wie Katharina Thalbach vorträgt, der ist doch genau das, was sich ein handfester Geschäftsreisender wünscht: Keine Schnörkel, kein affektives Chichi keine aufgesetzte Allüre. So, wie sie es sich bei ihren zeitlich recht begrenzten Städtereisen wünscht, bei denen sie andere Hotels inspiziert.

Man hat den Eindruck, dass diese Frau David das Innerste nach außen krempelt, wenn sie erzählt, dass sich im Kleiderschrank und am Leib fast nur schwarze Gewandungen mit ein bisschen Weiß befinden, dass sie eigentlich gern länger schläft. Sie rennt auch – welch gutes Beispiel – mit jeder Selbstgedrehten in den Garten. Aber dennoch ist auch noch genug Platz für das eine oder andere Geheimnis.

Eins aber macht sie, vielleicht ein bisschen verschämt, durchaus bekannt: Wäre es ihr eigenes Hotel, gäbe es dafür wirklich nur einen Namen: Camp David. Genauso wie der friedvolle Landsitz der amerikanischen Präsidenten im Norden von Maryland.