Delikte: Einbrecher spionierte Häuser aus

Delikte : Einbrecher spionierte Häuser aus

Zahlreiche Taten, darunter auch in Ratingen, werden einem Albaner zur Last gelegt.

Mit keiner Miene verriet der Albaner, wie er zu den massiven Vorwürfen der Staatsanwaltschaft Düsseldorf steht. Die wirft dem eigentlich wohnungslosen, aber gerade in der Justizvollzugsanstalt untergebrachten Angeklagten zwölffachen Einbruch vor. Vor allem in gutsituierten Wohngegenden in Ratingen, Erkrath, Mettmann und Leverkusen – der Versicherungsschaden belief sich dabei auf über 90.000 Euro. Genauso wenig verriet der 36-Jährige seine bislang unbekannten Komplizen und die Drahtzieher.

Möglicherweise waren es Landsleute, mit denen er hochprofessionell die Brüche vorbereitete, durchführte und die Beute zu Geld machte. Denn als Einzelgänger, so zeigte sich bereits in der Liste der Vorverurteilungen, trat er bislang nie auf.

Alleine kommt man wohl auch kaum unauffällig über eine Trittleiter in den ersten Stock, hebelt mit schwerem Gerät die Haustüren auf, durchsucht blitzschnell das Haus oder die Wohnungen und reißt einen als Tresor dienenden Waffenschrank aus der Wand.

Bei Bargeld, Uhren und Schmuck genügt der herumliegende Rucksack, aber der Abtransport von Laptops, anderem elektronischem Gerät und sogar einem teuren Mountainbike verlangte offenkundig nach Helfern. Auch das Ausspionieren der Häuser und das Timing der Einbrüche ging aus Sicht der Ermittler unzweifelhaft mit einer entsprechenden „Professionalität“ einher.

So in Ratingen, wo der eher störende 65 Kilogramm schwere Rottweiler gerade an jenem Abend außer Hause war – ein Zufall war das wohl eher nicht. Zu den materiellen Schäden kamen bei den Opfern natürlich auch die Ängste – sogar Enkelkinder wollten nicht mehr dort schlafen, wo zuvor Einbrecher gewütet hatten. Nicht jeder sah es so gelassen wie ein 58-jähriger Opferzeuge: Die teure Uhr weg? Was soll’s? Er habe sich die gleiche Uhr sofort wieder gekauft. Der Ehering weg? Macht auch nichts, er sei ja frisch geschieden!

Dass die Mauer des Schweigens weiter Bestand haben wird, machte der Anwalt des Angeklagten schon zum Prozessauftakt klar. Denn in der JVA, in der er eine vierjährige Vorverurteilung absitzt, wurde sein Mandant bereits massiv unter Druck gesetzt und bei Schlägereien verletzt. Er habe Angst um seine Familie und natürlich auch um sich selbst. Schon vorher soll es eine mysteriöse, nie aufgeklärte Schießerei in Wuppertal gegeben haben, bei der man immerhin die DNA des Angeklagten sicherstellen konnte. Die wiederum half jetzt bei den Ermittlungen – obwohl nach wie vor nicht klar ist, auf welche Weise der jetzt angeklagte Dieb damals involviert war.

Und da laut Staatsanwaltschaft die Ausweisung nach Albanien ohnehin rechtskräftig ist, könne man das jetzige Verfahren doch prozessökonomisch schnell beenden. Der passende Paragraph in der Strafprozessordnung eröffne die Möglichkeit, bei einem Geständnis das Verfahren gar nicht erst weiter zu verfolgen und stattdessen die Ausweisung zu vollziehen. Das Gericht will darüber beraten und in der nächsten Woche entscheiden.

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