Radevormwald: Wenig Interesse bei Buchhändlern am Literaturnobelpreis

Leserschaft in Radevormwald : Nobelpreisträger Peter Handke erregt in Rade kaum Interesse

Weder bei der Bergischen Buchhandlung noch in der Stadtbücherei ist der deutschsprachige Autor derzeit gefragt – ein eher ungewöhnliches Phänomen.

Wenn der Literaturnobelpreis verliehen wird, dann profitieren jene Verlage, die das Glück haben, einen der gekürten Autoren im Programm zu haben. Und auch in Buchhandlungen gibt es regelmäßig einen Ansturm auf die Werke der Ausgezeichneten. In diesem Jahr sind es gleich zwei Nobelpreisträger, weil wegen diverser Skandale rund um die Schwedische Akademie, die den Preis vergibt, im vergangenen Jahr die Vergabe ausgesetzt wurde. Mit Peter Handke ist dieses Mal wieder ein deutschsprachiger Autor dabei.

Doch in Radevormwald hat der österreichische Schriftsteller offensichtlich keine Fan-Gemeinde. Karla Stawicki von der Bergischen Buchhandlung resümiert: „Bislang hat noch niemand nach Büchern von Peter Handke gefragt.“ Ein Blick in die Bestände der Großhandlungen habe allerdings gezeigt, dass Handkes Werke durchaus vielen Händlern im Lande nun aus den Händen gerissen werden. „Die waren sofort weg“, sagt Stawicki, die sich im Netz darüber informiert hatte.

Sind die Rader etwa wenig interessiert an gehobener Literatur? Das wiederum kann Karla Stawicki auch nicht bestätigen. „Als die Nobelpreise an deutschsprachige Schriftstellerinnen wie Elfriede Jelinek und Herta Müller verliehen wurden, war es ganz anders. Das Interesse der Kunden war groß.“

Warum Peter Handke nicht auch einen solchen Boom auslöse, darüber könne sie nur spekulieren. Liegt es an seinem umstrittenen Engagement für den Balkan-Diktator und -Kriegsherrn Milosevic? Oder ist der 76-jährige Schriftsteller einfach „out“? Letzteres hält die Buchhändlerin für wahrscheinlicher. „Handke, das verbinden viele ja eher mit den 1990er Jahren“, meint Stawicki. Die ersten Erfolge des Autors liegen noch weiter zurück, in den 1960er und 1970er Jahren, als Handke mit Stücken wie „Publikumsbeschimpfung“ für Aufregung sorgte. Was die zweite Preisträgerin, die Polin Olga Tokarczuk, betrifft, so tendiert auch bei ihr die Nachfrage bislang gegen Null. Bei deutschen Lesern scheint die 1962 geborene Autorin kaum bekannt zu sein.

Peter Handke ist ein höchst umstrittener Autor. Foto: dpa/Francois Mori

In der Stadtbücherei Radevormwald hat es ebenfalls kaum Nachfragen nach den Werken der Nobel-Laureaten gegeben. „Es ist ja sehr anspruchsvolle Literatur“, meint die Leiterin der Bibliothek Sandra Oetelshoven. Die sei nicht jedermanns Sache. „Manche mag das sicher interessieren.“ Doch die seien in der Bücherei noch nicht vorstellig geworden.

Die Debatte um den Nobelpreis um Peter Handke ist derweil international voll entbrannt. Vor allem Autoren aus Südosteuropa, die das Milosevic-Regime am eigenen Leib erlebt hatten, zeigten sich wütend und verbittert über die Auszeichnung für Handke. Der aus Bosnien stammende Saša Stanišić, der aktuell den Deutschen Buchpreis erhalten hat, übte scharfe Kritik an der Entscheidung der Nobelpreis-Jury. Handke habe die damaligen Verbrechen geleugnet.

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