Radevormwald: Mieter wehren sich gegen den Immobilienkonzern Altro Mondo

Immobilien in Radevormwald : Mieter wehren sich gegen Altro Mondo

Überraschend sind Heizkörper ausgebaut worden, berichten Bewohner auf der Brede. Sie fürchten, im Winter frieren zu müssen. Vermieter ist die umstrittene Immobilienfirma Altro Mondo, mit der die Stadt schon einschlägige Erfahrungen gemacht hat.

Im Winter ohne Heizung – diese Vorstellung ist für Mieter ein Alptraum. Manche Bewohner der Siedlung „Auf der Brede“ müssen befürchten, dass dieses Szenario wahr wird. Sie wohnen in Häusern, die von der Altro Mondo Immobilien GmbH vermietet werden. Zwischen Juli und September wurden bei zahlreichen Mietern die Gasthermen ausgebaut. Ein Handwerksbetrieb aus Köln habe den verblüfften Bewohnern mitgeteilt, eine Gaszentralheizung für die Wohnhäuser sei geplant, berichtet Anwohnerin Tanja Behnke. Die Umbaumaßnahmen seien „katastrophal“ gelaufen: „In den Wohnungen wurden Wände von Zimmern, Küchen und Fluren aufgestemmt, Löcher in Böden und Decken gebohrt. Zurück blieben offene Baustellen, die einem Trümmerfeld glichen, für dessen Behebung sich das Handwerksunternehmen nicht zuständig fühlt.“ Und auch die Heizung sei kalt geblieben, denn Brennkessel waren noch gar nicht im Keller eingebaut.

Damit nicht genug: Weitere Mieter seien nun durch Zetteln an den Haustüren informiert worden, dass im Oktober die Heizungen ausgebaut werden sollen. „Die Mieter haben die berechtigte Befürchtung, die nächsten Wochen und Monate ohne Heizung ausharren zu müssen“, schildert Tanja Behnke die Lage. Inzwischen habe man Anwälte eingeschaltet, den Handwerkern sei der Zutritt zu den Wohnungen verweigert worden. Auf Anfragen der Mieter gab es von Altro Mondo zunächst keine Reaktionen. Auch unsere Zeitung erhielt auf schriftliche Anfrage keinen Bescheid – die Mail kam zurück, die Adresse, die Altro Mondo auf der firmeneigenen Internetseite angibt, ist offensichtlich nicht mehr gültig.

Unfassbare Zustände: Die Umbaumaßnahmen verliefen katastrophal: In den Wohnungen wurden Wände von Zimmern, Küchen und Fluren aufgestemmt, Löcher in Böden und Decken gebohrt. Foto: Wiltrud Schürmann

Nachdem die Mieter nun Anwälte und Mieterschutzvereine bei der Immobilienfirma Druck gemacht haben, ließ diese über ihre Anwälte melden, man habe die Mieter alle rechtzeitig über die Arbeiten informiert, berichtet Tanja Behnke. Dies sei jedoch nicht der Fall, beteuert sie. Eine solche Mitteilung müsse drei Monate im Voraus erfolgen.

Bei der Stadt Radevormwald hat man seit Jahren einschlägige Erfahrungen mit Altro Mondo gemacht. Die Immobiliengesellschaft gilt, um es vorsichtig auszudrücken, nicht sonderlich bemüht, wenn es um das Wohl ihrer Mieter und die Pflege ihrer Gebäude geht. Die Beschwerden über Altro Mondo beschäftigen mittlerweile auch das zuständige NRW-Ministerium. Vor einigen Wochen gab es landesweit Kontrollen von Immobilien, die von Altro Mondo vermietet werden. Es gibt einen vom Ministerium einberufenen Arbeitskreis mit Vertretern jener Kommunen, in denen Altro Mondo Gebäude besitzt.

Zurück blieben offene Baustellen, die einem Trümmerfeld glichen. Foto: Wiltrud Schürmann

Volker Grossmann, Leiter des Bauaufsichtsamtes, machte sich inzwischen vor Ort ein Bild der Lage und versprach, dass die Verwaltung an der Sache dran bleiben werde.

Immerhin, so meldet Tanja Behnke, hätten manche Mieter inzwischen wieder warme Wohnungen. Andere jedoch bibberten weiterhin bei Temperaturen von 12 bis 14 Grad. „Ich bin so erkältet, ich habe so gefroren“, zitiert Behnke die Mieterin Wiltrud Schürmann (85). „Mein Sohn hat mir eine Gasheizung besorgt, die ich im Wohnzimmer zwischendurch anmache, aber nachts, wenn ich im Bett liege, dann friere ich.“

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