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Radevormwald: Wie Frauen lernen, sich gegen Übergriff zu verteidigen

TV Herbeck in Radevormwald : So klappt es mit der Selbstverteidigung

Mit Ippolito Baglieri lernen Frauen und Männer, wie sie sich selbst verteidigen. Selbstbewusstsein ist dafür wichtig. In den ersten beiden Stunden des Kurses lernten die Teilnehmer, sich ihren Ängsten zu stellen und sie zu beschreiben.

Der Selbstverteidigungskursus „Nein heißt Nein“ des TV Herbeck war am Samstag gut besucht. Unter der Anleitung von Ippolito Baglieri, der die Kampfkunst-Abteilung des Vereins leitet, kamen viele Frauen und einige Männer in die Turnhalle an der Lessingstraße. Sie alle wollten lernen, wie man sich in Gefahrensituationen selbst verteidigt, selbstbewusster und stärker wird. Die ersten zwei Stunden des Kurses verbrachten die Teilnehmer damit, sich ihren Ängsten zu stellen. „Es ist wichtig, dass wir wissen, was uns Angst macht. Das auszusprechen, bewirkt viel“, sagt Ippolito Baglieri.

Die Zeichnungen der Teilnehmer zeigten Dunkelheit, enge Räume, Menschenmassen, in denen man sich alleine fühlt, und Verfolgungssituationen. Das alles sind Szenarien, die den Frauen und Männern Angst machen und in denen sie sich wünschen, in der Lage zur Selbstverteidigung zu sein. „Wenn ich nachts alleine unterwegs bin, habe ich oft das Gefühl, verfolgt zu werden. Das bildet man sich natürlich nur ein, aber ich möchte mich sicherer fühlen“, sagte Leia Hebbecker. Für sie war der Kursus des TV Herbeck der erste Berührungspunkt mit dem Thema Selbstverteidigung. In ihrem Leben ist die 17-Jährige noch nie in eine Situation gekommen, in der sie sich hätte verteidigen müssen. „Körperlich bin ich noch nie angegriffen worden, aber ich will mich vorbereiten“, sagte sie.

Nach der Theorie, in der sich die Teilnehmer auch mit den Selbstverteidigungsbestimmung des Gesetzes vertraut machten, ging es mit ersten körperlichen Übungen weiter. Mit voller Wucht gegen eine große Matte zu treten und dabei laut „Nein“ zu schreien, war für die meisten Teilnehmer bereits eine Herausforderungen. „Bis der Knoten platzt, kann es etwas dauern, aber es passiert. Um laut zu werden und Kraft auszuüben, braucht man Selbstbewusstsein“, sagte Ippolito Baglieri.

Besonders schwer fiel das Rebecca Pfeifer. „Ich bin früher als Jugendliche gemobbt worden. Nicht nur verbal, sondern auch körperlich. Damals habe ich mich selber in die Opferrolle gedrängt und mich nicht verteidigt“, sagte sie. In Zukunft will sie stärker und selbstbewusster wehren. „Sich zu wehren ist richtig, und das will ich heute lernen.“ Mit dabei war auch ihre Freundin Katja Weber. Zusammen gehen sie auch zum Ladies Kickboxen von Ippolito Baglieri, das jeden Montag stattfindet. „Während des Trainings ist uns der Gedanke gekommen, das wir die Technik auch zur Selbstverteidigung nutzen können“, sagte Katja Weber. Wenn sie morgens im Dunkeln mit ihrem Hund spazieren geht, ist ihr oft mulmig zumute. „Die Straßenbeleuchtung lässt zu wünschen übrig. Mir kommen hin und wieder Menschen entgegen, bei denen man nicht abschätzen kann, ob sie gut oder böse sind. Ich will vorbereitet sein, falls ich angegriffen oder bedroht werde“, sagte sie.

Ippolito Baglieri wurde bei der Umsetzungen der Übungen von seinem Schüler und Co-Trainer Yong-Hun Kim unterstützt. „Wir lernen heute Tritte, Schläge und Griffe. Es ist auch wichtig zu lernen, wie man sich aus Griffen befreit“, sagte der Trainer. Übergeordnetes Ziel des Tages war es, Ängste abzubauen und den Teilnehmern die Kraft zu geben, die sie zur Selbstverteidigung brauchen.