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Oberberg: Wissenschaftler untersuchen Infektionsgeschehen im Kreis

Corona-Krise im Oberbergischen Kreis : Wissenschaftler untersuchen Infektionsgeschehen im Kreis

Geklärt werden soll in dem Gutachten, warum die Bevölkerung der 15- bis 35-Jährigen stark betroffen ist, welchen Einfluss der hohe Anteil am produzierenden Gewerbe in der Region hat, wie relevant die neue Mutation ist und warum es unter hochbetagten Menschen erneut einen starken Anstieg der Inzidenzen gibt.

Der Oberbergische Kreis hat das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit des Universitätsklinikums Bonn beauftragt, das Infektionsgeschehen vor Ort unter die Lupe zu nehmen. Das Institut führt in nächster Zeit eine so genannte mikrogeographische Datenanalyse mit gutachterlicher Stellungnahme durch.

Prof. Dr. Nico T. Mutters, Direktor des Instituts, erläuterte nun im Kreisausschuss für Gesundheit und Notfallvorsorge das Projekt. „Aktuell arbeiten wir noch mit den groben Meldedaten des Robert Koch-Instituts“, stellte Prof. Mutters zu Beginn fest und präsentierte dann eine erste Datenanalyse. Im Mittelpunkt stehen so genannte „Peaks“. Als Zeitpunkte, an denen die Sieben-Tage-Inzidenz des Kreisgebiets auffällig von der des Landesdurchschnitts abwich, nannte er den Januar 2021 sowie den Mai 2021. Während dieses Anstiegs sei besonders die junge Bevölkerung betroffen gewesen, darüber hinaus auch die arbeitende Bevölkerung in den mittleren Altersklassen: „Der Oberbergische Kreis hat im Vergleich viel verarbeitendes Gewerbe. Der Anteil des produzierenden Gewerbes liegt bei 42 Prozent. Köln hat 20 Prozent. Homeoffice ist in den Industriebetrieben eher nicht möglich. Auch die Pausensituation kann Ansteckungen fördern.“

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Kaija Elvermann, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, berichtete, dass es aktuell in sechs oberbergischen Unternehmen Ausbruchsgeschehen gibt. Beim zweiten „Peak“ im Mai 2021 ist laut Nico T. Mutters neben der arbeitenden auch die Bevölkerung über 80 Jahre betroffen. Trotz Schutzimpfungen gab es erneut Ausbruchsgeschehen in Pflegeeinrichtungen. Kaija Elvermann machte in diesem Zusammenhang auf die niedrige Durchimpfungsrate des Pflegepersonals aufmerksam.

Zum Thema Tests erklärte der Wissenschaftler: „Je mehr wir testen, desto mehr Betroffene finden wir und desto mehr Infektionsketten unterbrechen wir. Die Dunkelziffer sinkt. Auch die Sterblichkeitsrate sinkt.“ Die Sterblichkeitsrate im Oberbergischen Kreis sei vergleichsweise niedrig: „Das ist ein Hinweis darauf, dass Sie viel testen und viel entdecken, Infektionsketten frühzeitig unterbrechen und die Sterblichkeitsrate in der Folge sinkt.“

Geklärt werden soll in dem Gutachten, warum die Bevölkerung der 15- bis 35-Jährigen stark betroffen ist, welchen Einfluss der hohe Anteil am produzierenden Gewerbe in der Region hat, wie relevant die neue Mutation ist und warum es unter hochbetagten Menschen erneut einen starken Anstieg der Inzidenzen gibt.

Durch die Ergebnisse aus der Studie hofft der Kreis, künftig noch schneller und gezielter handeln zu können. Sogenannte Riegelimpfungen in Unternehmen, aber auch in Hotspot-Regionen könnten ein möglicher Ansatz sein, um das Infektionsgeschehen weiter abzuflachen.