Schwertransport in Neuss: Oettinger-Brauerei wartet auf ihren Biertank

Schwertransport in Neuss : Oettinger-Brauerei wartet auf ihren Biertank

Riesiger Brauerei-Tank strandet in Neuss

Eigentlich hätte der riesige Brauerei-Tank schon längst in der Oettinger-Brauerei Mönchengladbach sein sollen. Doch noch hängt er in Neuss fest. Für den Abtransport werden Ampeln und Straßenschilder abmontiert.

Auch am Donnerstagmittag steht das knapp 25 Tonnen schwere Ungetüm auf der Gladbacher Straße. Eigentlich hätte der riesige Brauerei-Tank schon längst in der Oettinger-Brauerei Mönchengladbach sein sollen, doch eine Pannen-Planung verhinderte offenbar den erfolgreichen Schwertransport, der vom Neusser Hafen aus startete.

Nur wenige Meter weiter, an der Kreuzung zur Kaarster Straße geht es am Donnerstagmittag hektisch her. Eine orange gekleidete Truppe der Signalanlagen-Firma Swarco flext die Ampelanlage in der Mittel-Insel der Straße ab. Sie war nämlich das Hindernis, das in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch den Schwertransport zum Stillstand zwang. „Sie wird ersetzt durch eine mobile Anlage, die in der Nacht verschoben werden kann“, sagt Axel Jehmlich, der hinzufügt: „So etwas ist für uns schon selten, wir bauen eigentlich nur Ampelanlagen.“ Rund um die Baustelle an der Kreuzung kam es am Donnerstag zu kleineren Verkehrsbeeinträchtigungen.

Um 22 Uhr soll der Schwertransport am Donnerstag fortgesetzt werden. Beim ersten Versuch kam es zu chaotischen Zuständen. Zunächst touchierte das Fahrzeug ein Bushaltestellen-Wartehäuschen an der Römerstraße – mehrere Scheiben zersprangen. Auch die betroffene Ampelanlage wurde Minuten später bei dem Versuch beschädigt, die Kreuzung zu passieren. Die Stadt Neuss hat mitgeteilt, dass die Route vom Rhein-Kreis Neuss ordnungsgemäß genehmigt wurde, das Schwertransport-Unternehmen hätte allerdings die Strecke auf Hindernisse überprüfen müssen.

Harald Hau, seit mehr als 20 Jahren beim Rhein-Kreis Neuss als Sachbearbeiter in der Abteilung Verkehrslenkung (Bereich Groß- und Schwertransporte zuständig) nennt Details: „Das Unternehmen hätte ein Streckenprotokoll erstellen müssen. Dabei wäre so etwas spätestens aufgefallen.“ Bei so einem Protokoll werden alle Kurven auf der Route durchgerechnet, inklusive Grünstreifen, Ampelanlagen und weitere Hindernisse. „In diesem Fall gibt es offenbar einen Fehler im System“, so Hau.

Nach Angaben vom stellvertretenden Kreis-Sprecher Reinhold Jung sei so ein Protokoll vom Unternehmen eingereicht worden. Der Kreis habe das vorgeschriebene Anhörungsverfahren ordnungsgemäß durchgeführt: „Dabei werden unter anderem alle von der Streckenführung tangierten Kommunen zur Freigabe für ihre jeweiligen Streckenabschnitte aufgefordert.“ Die Stadt Neuss habe diese Freigabe für eine der vom Antragsteller vorgelegten Routen mit Auflagen an den Kreis übermittelt.  Dieser wiederum habe die auf der Freigabe der Stadt Neuss basierende Erlaubnis gegenüber dem Antragsteller erteilt, wobei alle Auflagen der Stadt sowie der anderen betroffenen Kommunen in den Erlaubnisbescheid eingeflossen seien. Stadtsprecherin Nicole Bungert betont: „Die Stadt hat die vom Spediteur vorgeschlagene ,Alternativroute’ über die Gladbacher Straße akzeptiert. Die erste vom Spediteur vorgeschlagene Strecke hatte die Stadt Neuss abgelehnt, aufgrund von Bedenken wegen einer zu schweren Brückenlast.“ Warum die ungeeignete Variante B „akzeptiert“ wurde, bleibt offen.

Bei Oettinger heißt es derzeit: warten! Der Tank, der in Neuss gestrandet ist, ist einer von insgesamt 16, die im Zuge der Drucktanklager-Erneuerung angeliefert werden. Bei Oettinger gibt man sich optimistisch: „Wir kriegen das schon hin“, so Sprecherin Natalie Bajon. Die Tanks werden über unterschiedliche Routen angeliefert. Auftraggeber für die Spedition ist jedoch nicht Oettinger, sondern der Tanklieferant mit Sitz in Ludwigshafen. Das Schwertransport-Unternehmen war bislang für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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