Krefeld: Mann aus Neuss zündet sich vor Amtsgericht an - Lebensgefahr

Mann schwebt in Lebensgefahr : Neusser zündet sich vor Krefelder Amtsgericht an - Polizei durchsucht Wohnung

Vor dem Amtsgericht Krefeld hat sich ein Mann angezündet. Der Neusser habe sich zuvor mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen. Seit vergangenem Freitag lief gegen ihn ein Berufungsverfahren. Die Polizei ermittelt.

Vor dem Krefelder Gerichtszentrum hat sich am Mittwoch ein 43-jähriger Mann selbst angezündet. Der Neusser habe sich zuvor mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen, teilte die Polizei mit. Er habe schwere Verbrennungen erlitten und schwebe in Lebensgefahr. Justizwachtmeister und Umstehende hatten den brennenden Mann am Morgen mit Decken und Feuerlöschern gelöscht. Ein Rettungshubschrauber habe ihn in eine Spezialklinik nach Duisburg geflogen.

Die Ermittlungen dauern an, die Kriminalpolizei vernimmt noch weitere Zeugen des Geschehens. Sie hat zwischenzeitlich die Wohnungen des Mannes durchsucht und mit Angehörigen gesprochen. Der Neusser wurde der Polizei zuletzt im Januar in Düsseldorf bekannt, als er an nicht genehmigten Versammlungen teilgenommen hatte. Derzeit gehen die Ermittler davon aus, dass eine psychische Belastung dominierend für sein Verhalten ist und die Ursache im persönlichen Bereich liegt. Wie die Polizei mitteilt, habe der Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit laut Zeugenaussage sinngemäß gegen die Einzelisolationshaft von Abdullah Öcalan, Gründungsmitglied der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und die deutsche Polizeigewalt demonstrieren wollen.

Nach Angaben eines Sprechers des Landgerichts ist der Mann der Justiz bekannt. Gegen den 43-Jährigen lief seit vergangenem Freitag ein Berufungsverfahren zu einem Urteil des Amtsgericht Krefelds. Das hatte den Mann wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung verurteilt. Bei einem Prozess vor zwei Jahren war er angeklagt, weil er das Handy seiner Ex-Frau zerstört haben soll. Im Prozess soll er dann einen Polizisten angegriffen haben und wurde deswegen vom Amtsgericht zu 1550 Euro Geldstrafe verurteilt. Das Berufungsverfahren wurde am Freitag ausgesetzt, weil ein Gutachten über die Schuldfähigkeit des 43-Jährigen erstellt werden soll. Es habe Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Mannes gegeben. Das sollte in den kommenden Tagen erfolgen. „Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Prozess und der Selbstanzündung gibt, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht“, sagte ein Gerichtssprecher. Am Mittwoch selbst habe der Mann keinen Termin am Gericht gehabt.

Die Polizei sei mit vielen Kräften vor Ort. Spurensicherung und Brandsachverständiger nahmen Brandspuren auf der Straße vor dem Gerichtsgebäude in Augenschein, wo auch Kleidungsstücke herumlagen. Die Kriminalpolizei vernahm Zeugen. Notfallseelsorger betreuten die Augenzeugen des Geschehens. Die Polizei teilte mit, die Hintergründe seien noch unklar.

Vor dem Amtsgericht Krefeld hat sich ein Mann angezündet. Foto: Samla Fotoagentur/samla.de

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(atrie/oli/dpa/ubg)
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