Mann aus Neuss zündet sich vor Amtsgericht Krefeld an und schwebt in Lebensgefahr

Mann zündet sich in Krefeld an : 43-Jähriger war wahrscheinlich psychisch krank

Ein Mann hat sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht in Krefeld angezündet. Er schwebt in Lebensgefahr. Der 43-jährige Neusser soll vor seiner Tat lautstark gegen die deutsche Polizei und die Einzelhaft Öcalans protestiert haben.

Ein 43 Jahre alter Mann aus Neuss hat sich am Mittwochmorgen gegen 10.10 Uhr auf der Straße vor dem Landgericht in Krefeld mit einer Flüssigkeit überschüttet und angezündet. Ein Justizwachtmeister und Passanten griffen mit Feuerlöscher und Decken ein, um die Flammen zu ersticken. Der Mann türkischer Nationalität erlitt schwere Verletzungen und schwebt nach Angaben der Polizei in Lebensgefahr. Er wurde mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik nach Duisburg geflogen. Das Areal um das Gerichtsgebäude wurde für Stunden für den Verkehr gesperrt. Experten der Polizei sicherten Spuren.

Offenbar hat der 43-Jährige sich vor seiner Tat noch lautstark politisch geäußert. Nach Zeugenaussagen habe er gegen die Isolationshaft des Kurdenführers Abdullah Öcalan und gegen deutsche Polizeigewalt protestieren wollen. Öcalan ist Gründungsmitglied der unter anderem in den USA, in den Staaten der Europäischen Union und der Türkei als Terrororganisation eingestuften Arbeiterpartei PKK.

Das türkische Konsulat sei informiert worden. Die Ermittlungen dauerten an, die Kriminalpolizei vernehme noch weitere Zeugen zum Geschehen, berichtete eine Sprecherin. Beamte haben zwischenzeitlich die Wohnung des Mannes durchsucht und mit Angehörigen gesprochen. Über das Ergebnis dieser Recherchen ist bislang nichts bekannt. Der Neusser war der Polizei zuletzt im Januar dieses Jahres in Düsseldorf aufgefallen. Er soll damals an nicht genehmigten Versammlungen teilgenommen haben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Motive des wahrscheinlich psychisch kranken Mannes im persönlichen Bereich zu suchen sind. Nach Angaben eines Gerichtssprechers ist der Mann der Justiz bekannt. Es gebe Verfahren, in denen er eine Rolle spiele. Gegen den 43-Jährigen lief seit dem vergangenen Freitag ein Berufungsverfahren zu einem Urteil des Amtsgerichts Krefelds. Das hatte den Mann wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung verurteilt.

Bei einem Prozess vor zwei Jahren musste er sich zunächst wegen Sachbeschädigung verantworten. Im Gerichtssaal trat er dann nach einem Polizeibeamten. Dafür gab es eine weitere Anklage wegen Körperverletzung eines Vollstreckungsbeamten. Wegen der Sachbeschädigung am Handy seiner Ex-Frau und versuchter gefährlicher Körperverletzung wurde er zu einer Geldstrafe von 155 Tagessätzen à zehn Euro verurteilt.

Gegen dieses Urteil des Amtsgerichts legte er Berufung ein. Das Verfahren dazu begann am vergangenen Freitag am Landgericht Krefeld. Das Berufungsverfahren wurde jedoch ausgesetzt, weil zunächst ein Gutachten über die Schuldfähigkeit des 43-Jährigen erstellt werden soll. Die Untersuchung eines Psychiaters sollte in den kommenden Tagen erfolgen. Gestern stand jedoch kein Termin am Landgericht für ihn an. „Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Prozess und der Selbstanzündung gibt, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht“, sagt ein Gerichtssprecher.

Dritte wurden bei dem Vorfall nicht verletzt. Notfallseelsorger betreuten Augenzeugen und Mitarbeiter des Gerichts. Die Polizei hört weiter Zeugen. Die Hintergründe der Tat seien noch unklar.

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