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Neuss: Kultwirt im Hamtor-Hochhaus

Neuss : Kultwirt im Hamtor-Hochhaus

In 16 Jahren, in denen er in der "Am Bastianes" hinterm Tresen stand, stieg er zum Kultwirt auf. In Sichtweite des alten Standortes führt Norbert Schommen jetzt die "Gießkanne" im Hamtor-Hochhaus. Seine Gäste ziehen mit.

Am Wochenende steppte in der "Gießkanne" der Bär. Die Fußball-Fans feierten den Auftakt zur Fußball-Europameisterschaft. Dabei hat die lange leerstehende Gaststätte im Hamtor-Hochhaus offiziell noch gar nicht geöffnet. Nur mit einer Sondergenehmigung des städtischen Ordnungsamtes darf Norbert Schommen (59) als neuer Hausherr für geschlossene Gesellschaften und Public Viewing zur Fußball-EM für seine Gäste ein Fäßchen anschlagen. Doch die generalle Schankerlaubnis wird, so versichert Schommen, in den nächsten Tagen folgen.

Mit der Wiedereröffnung der "Gießkanne" geht aber auch eine Ära zu Ende. Die Traditionsgaststätte "Am Bastianes", an der Ecke Sebastianus- und Hamtorstraße gelegen, ist geschlossen. 16 Jahre stand dort Norbert Schommen gemeinsam mit seiner Frau Karin hinter dem Tresen, 16 lange Jahre, in denen er zum Kultwirt in der kleinen Eckkneipe mit viel Atmosphäre aufstieg.

Zuvor hatten die Wirtsleute schon vier Jahre das "Rheingold" an der Neustraße geführt. "Eigentlich bin ich gekommen, um nur mal ein wenig Neusser Luft zu schnuppern", schmunzelt Norbert Schommen, "daraus sind jetzt 20 Jahre geworden." Aus dem Mönchengladbacher wurde längst ein Neusser, der noch lange nicht an Ruhestand denkt. Im Gegenteil.

Geografisch haben Karin und Norbert Schommen nur einen kleinen Schritt getan. Vom ihrem neuen Arbeitsplatz in der "Gießkanne" können sie die verschlossenen Türen des "Bastianes" sehen. Es ist kein Blick zurück im Zorn. "Wir hatten dort viele gute Jahre", sagt Norbert Schommen, "aber jetzt war es Zeit, etwas Neues zu beginnen."

Und das Neue ist eine Herausforderung. In der "Gießkanne" ist alles größer, heller — und vor allem verfügt sie über eine große Terrasse mit 80 Plätzen. "Wir wollen eine bürgerliche Kneipe sein", kündigt der neue Hausherr an, "die Wert auf eine gute Küche legt." Der Auftakt sei jedenfalls vielversprechend gewesen. Nahezu alle Stammgäste hätten schon den Weg zur neuenGaststätte gefunden: "Die betreten neugierig das Lokal und gehen nach ein paar Bierchen begeistert."

Dass es an der Theke nie langweilig wird, dafür sorgt Norbert Schommen mit seinem Humor, seinen Wortwitz und seiner Schlagfertigkeit. Dieses rhetorische Talent hat ihn bis in die Bütt geführt. Als Duo "Nobby & Jupp" tritt er mit Josef Hermanns im Karneval und bei Betriebsfesten auf. Längst trägt Schommen auch die Schützenlust-Uniform. Er macht im Zug "Dropjänger" unter Oberleutnant Christoph Napp-Saarbourg mit. "Am Ende zählt nur ein bisschen Freude", sagt Norbert Schommen.

(NGZ)