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Neuss: Einkaufen im alten Kino

Neuss : Einkaufen im alten Kino

Im einstigen Adler-Kino lockten Winnetou und James Bond Filmfans aller Altersstufen vor die Leinwand. Seit der Erschließung des Kinos 1986 kann man in der Niederstraße 10 schöne Dinge kaufen – bei Strauss.

Im einstigen Adler-Kino lockten Winnetou und James Bond Filmfans aller Altersstufen vor die Leinwand. Seit der Erschließung des Kinos 1986 kann man in der Niederstraße 10 schöne Dinge kaufen — bei Strauss.

Heute kann man im ehemaligen Kino schöne Dinge kaufen. Foto: woi

Am 19. Januar 1950 ist es endlich soweit: "Verspieltes Leben" mit Brigitte Horney heißt der erste Streifen, den das Neusser Kino-Publikum im neuen Adler-Filmtheater zu sehen bekommt. An das beliebte Kino an der Niederstraße 10 erinnert sich Erika Kreuter ganz genau: "Im schlauchigen Eingangsbereich befand sich das Kassenhäuschen, man schlenderte an Kinoplakaten vorbei ins Foyer, und dann öffnete sich der große Kinosaal", erzählt sie.

Die Räumlichkeiten hat die Neusserin so exakt vor Augen, weil sie seit 25 Jahren im gleichen Gebäude — beim Einzelhänfler Strauss — Bilderrahmen, Bonbons, Blusen und Bad-Artikel verkauft. Noch heute bahnen sich die Käufer ihren Weg durch einen relativ engen und langen Schlauch bis hin zum großen, hohen Verkaufsraum mit Empore. Wo sich früher die Logenplätze befanden, kann man jetzt Möbel und Bettwäsche ergattern. Als Jugendliche haben sich Erika Kreuter und Kollegin Claudia Lehmann in die roten Plüschsessel im großen Vorführsaal gekuschelt und meist Märchen angeschaut. "Sonntags besuchten wir die 11-Uhr-Vorstllung, zunächst mit den Eltern, dann mit Freunden", erinnert sich Claudia Lehmann. Auch Jürgen Meier besuchte oft die Sonntags-Matinée: "Das Kino sah man schon von weitem — draußen leuchtete nämlich ein weißer Adler", erinnert sich der 60-Jährige. Karl May hieß damals sein Leinwand-Held. Für James Bond war er noch zu jung.

Entworfen hat den Kino-Saal, der 600 Plätze fasst, der Düsseldorfer Theater-Architekt Hanns Rüttgers. In nur 20 Wochen standen damals die Räumlichkeiten an der belebten Niederstraße. Sie dienten nicht nur als Kino, sondern wurden auch von Bühnen-Ensembles und Musikern als Theater- und Konzertsaal genutzt. Das Adler war damals eines von vier Kinos auf der Niederstraße. Neben dem Gloria, dem Apollo und dem Europa-Palast musste sich das Lichtspielhaus behaupten. Doch Kinogänger gab es damals in Neuss genug. "Viele hatten zu Hause noch keinen Fernseher", erklärt Jürgen Meier. "Daher blieb nur das Kino zum Filme anschauen."

Gestern wie heute ist Meier ein Film-Fan. Doch die alten Lichtspielhäuser vermisst er nicht wirklich. Im Jahr 1986 musste der erfahrene Filmkaufmann Richard Feikes, der das Kino 25 Jahre lang geleitet hatte, erkennen, dass die rosigen Kinozeiten vorbei waren und sich der Betrieb des Adler Kinos nicht mehr lohnte. Steven Spielbergs Komödie mit dem Titel "Geschenkt ist noch zu teuer" war der letzte Streifen, den Meier und die anderen Neusser Kino-Fans im Adler-Kino zu sehen bekamen, bevor der letzte Vorhang fiel.

(NGZ)