Neuss: Die Brückenbauer

Neuss : Die Brückenbauer

rhein-kreis neuss Zur Parade wird sein Zug "Nur so", der im Vorjahr mit Karl-Theo und Herta Reinhart das umjubelte Königspaar stellte, ohne ihn d'r Maat erop kommen. Erstmals seit vielen Jahren wird Dr. Christoph Heusgen im Neusser Regiment fehlen.

Der Grund: Seine Chefin geht zeitgleich auf Staatsbesuch. China ist am letzten August-Wochenende das Ziel von Kanzlerin Angela Merkel. Das ist auch für Heusgen als ihr Außenpolitischer- und Sicherheitspolitischer Berater ein Pflichttermin.

Fehlen wird auch Ma Canrong. Der ist chinesischer Botschafter in Berlin und wird Ende August aus dem selben Grund ebenfalls in Peking benötigt - und musste darauf verzichten, Ehrengast beim Fest der Feste in Neuss zu sein.

"Schade, dass es dieses Mal nicht klappt", sagt der weltgewandte Diplomat aus dem Reich der Mitte, "aber Schützenfest wird ja jedes Jahr gefeiert, und wenn die Neusser mich dann noch wollen . . ."

Einladungen zum Schützenfest spricht einzig das Komitee aus, aber "Nüsser Tön" brachte jetzt eine kleine Delegation, die Landrat Dieter Patt anführte, vom Rhein an die Spree.

Das chinesische Botschafter-Ehepaar öffnete für die Gäste seine Residenz, eine Jugendstilvilla im noblen Grunewald. Mit am Tisch saß auch Merkels Außenpolitischer Berater Heusgen.

Bei Peking-Ente und deutschem Wein stand der Brückenschlag zwischen dem Rhein-Kreis und der aufstrebenden, 180 Kilometer westlich von Shanghai gelegenen Stadt Wuxi im Vordergrund.

Der Botschafter und seine Frau Zhu Yiqing, die aus Wuxi stammt, sehen mit Freuden, dass der Austausch zwischen dem Berufskolleg Neuss und der AMBF School in Wuxi stetig belebt wird: Im August, spätestens im Oktober, werden erstmals chinesische Schüler in Neuss erwartet.

Der Aufenthalt ist auf drei Wochen angelegt; einige Visafragen sind noch zu beantworten. Der Leiter des Berufskollegs, Ernst Bizer, möchte die Schüler aus Fernost gern in deutschen Familien unterbringen: "Nur so können sie Land und Leute wirklich kennen lernen." Organisatorisch warte "noch viel Arbeit auf uns!"

Wuxi steht auch auf der Landkarte von Professorin Dr. Annette Mayer, die den Berliner Standort der Fachhochschule für Ökonomie und Management (FOM) leitet: Wuxi könnte nach Langfang nahe Peking und Taian (Provinz Shandong) das dritte FOM-Standbein in China werden.

Zu den 16 deutschen FOM-Standorten zählt auch Neuss. Für Kreiskulturdezernent Tillmann Lonnes eine wichtige Initiative: "Wir müssen gerade die jungen Menschen zusammenbringen, und wir müssen die jungen Menschen qualifizieren."

Derzeit zählt die FOM 250 chinesische Studenten. Am Ende steht der Doppelabschluss: das deutsche Diplom und der chinesische Bachelor.

Landrat Patt, der bereits zwei Mal Wuxi besuchte, stimmte mit dem Botschafter überein, im nächsten Schritt Kontakte zwischen mittelständischen Unternehmen zu ermöglichen.

Kreiswirtschaftsförderer Jürgen Steinmetz möchte dazu Firmen aus dem Rhein-Kreis auflisten, die bereits im China-Geschäft tätig sind: "Die wären die wertvollsten Berater und zugleich die besten Botschafter."

Seinen intensiven Gedankenaustausch mit Botschafter Ma wertete Landrat Patt als weiteren Schritt, die (Wirtschafts-)Beziehungen zu verbesseren: "Der Botschafter setzt keine konkreten Projekte um, aber er verfügt über ein exzellentes Netzwerk, das Türen öffnet."

(NGZ)
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