Neuss: Geometrie und Geheimnis

Neuss : Geometrie und Geheimnis

Hombroich Eigentlich sind Leiko Ikemura und Günther Förg zwei Künstler, wie sie gegensätzlicher kaum sein können.

In ihren figurativ anmutenden Bildern herrschen dunkle Farben, diffuses Licht und verschwommene Konturen; seine dagegen leuchten, wirken locker und unbeschwert, sind völlig abstrakt und sind bestimmt von eher geometrischen Komponenten.

Günther Förg verzichtet in der Regel auf Titel für seine Bilder - auch bei diesem 2006 entstandenen. Foto: Katalog

Was also kann es sein, dass Ikemura und Förg in einer Ausstellung zusammen führt?

"Zwischenräume" - so lautet jedenfalls der Titel der Schau in der Langen Foundation auf der Raketenstation, die damit zum zweiten Mal einen Künstler aus Fernost undeinen aus Europa gemeinsam präsentiert und so zugleich seine beiden Sammlungsschwerpunkte dokumentiert.

Schon seit langem ist die Leiterin der Stiftung, die Kunsthistorikerin Dr. Chrysanthis Kotrouzinis, davon überzeugt, die Kunst der in Köln und Berlin lebenden Japanerin im Kontext mit dem Ando-Bau zeigen zu müssen, aber dachte dabei auch gleich an eine Doppelausstellung.

Der Vorschlag, Förgs Arbeiten als Pendant dazu zu hängen, kam dann von Ikemura: "Wir kennen uns seit vielen Jahren", sagt die Malerin, die Bildhauerei und Malerei in Granada und Sevilla studiert hat und vor genau zehn Jahren mit einer großen Ausstellung in der Alten Post in Neuss präsent war, "haben den zwar den Werdegang des jeweils anderen verfolgt, aber nicht im Detail nachgehalten".

Drei Dinge, so erzählt die 56-Jährige, sprachen für sie dafür, den in Füssen lebenden Günther Förg als Partner für die Ausstellung zu gewinnen: "Erstens gehören wir zu einer Generation; zweitens gibt es sehr viele Kontrapunkte in der Annäherung an Malerei, und drittens hatte ich eine Ahnung, dass wir etwas gemeinsam haben."

So nah die beiden Künstler altersmäßig auch beieinander liegen, so sehr bewegen sie sich in ihrer Malerei von einander weg. "Er geht nach außen, ich bin eher introspektiv; außerdem schaffen wir unterschiedliche Farbräume", weiß auch Ikemura, aber: "Mit Farbe einen neuen Raum zu schaffen - das haben wir gemeinsam."

Und so offenbaren die Arbeiten der beiden Künstler - jede auf ihre eigene Art - gleichermaßen "Zwischenräume" wie sie sie auch bilden - in der Gegenüberstellung der Ausstellung tatsächlich in teilweise verblüffender Intensität.

Beide arbeiten viel mit Schwarz: Ikemura auch aus inhaltlichen Gründen, denn Schwarz vertritt bei ihr sowohl den bergenden wie den bedrohenden Raum; bei Förg hingegen ist die Farbe strukturierendes Element seines Kosmos'. Der Raum bei Ikemura hat eine zeitliche Komponente, bei Förg eine architektonische.

Leiko Ikemuras Bilder sind immer wieder bevölkert von zarten, wie hingehauchten Wesen, die jederzeit zu verschwinden drohen; Förg teilt die Bildfläche in geometrische Zeichen ein, die in ihrer Gesamtheit ein architektonisches Bild etwa von einem Hochhauspanorama bilden.

Während Ikemuras Werke zwar geheimnisvoll wirken, aber von einer starken inneren Ordnung bestimmt sind, kommen Förgs Arbeiten ohne Hintegründe wie pures Chaos daher.

Vielleicht gibt es ja doch mehr Trennendes als Gemeinsames zwischen Ikemura und Förg, aber auch dank der klaren und strengen Strukturen des beide umgebenden Ausstellungsraums von Tadao Ando entsteht eine eigentümliche Spannung, zwischen den Bildern - was ihnen eine große Suggestivkraft verleiht.

(NGZ)
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