Feuilleton: „Rhapsody in Blue“ gefeiert

Feuilleton : „Rhapsody in Blue“ gefeiert

Neuss "Wenn die Kammerakademie spielt, wird der Regen vertrieben", mit dieser verheißungsvollen Prognose hielt Intendant Matthias Gawriloff die trotz Regen und niedrigen Temperaturen eisern ausharrenden Freunde der "Klassiknacht im Rosengarten" bei Laune.

Neuss "Wenn die Kammerakademie spielt, wird der Regen vertrieben", mit dieser verheißungsvollen Prognose hielt Intendant Matthias Gawriloff die trotz Regen und niedrigen Temperaturen eisern ausharrenden Freunde der "Klassiknacht im Rosengarten" bei Laune.

Und siehe da - nach einer Stunde hörte es wirklich auf zu regnen, der Himmel klarte sogar auf, und das beliebte Neusser Open-Air-Ereignis, zum achten Mal veranstaltet, wurde dank mitreißender und einheizender Musik doch noch zu einem erwärmenden Erlebnis. 30 Jahre besteht die "Deutsche Kammerakademie Neuss" (dkn) inzwischen, für jedes Jahrzehnt hatte man einen Solisten eingeladen.

Der erst 28-jährige aus Rumänien stammende Pianist Herbert Schuch, der letztlich beim Zeughauskonzert der dkn kurzfristig bei Ludwig van Beethovens "Tripelkonzert" eingesprungen war, zeigte auch diesmal überragende pianistische Qualitäten. Diese erstrecken sich offensichtlich nicht nur auf den klassischen Bereich.

Denn am Freitag war er der Solist in der genialen "Rhapsody in Blue", die ihren Schöpfer George Gershwin im Jahre 1924 fast über Nacht zum ersten "Jazz-Symphonie-Komponisten" gemacht hatte. Im Verein mit dem schwungvoll agierenden, vom Chefdirigenten Lavard Skou-Larsen mit Vehemenz angefeuerten Orchester gelang eine mustergültige Wiedergabe, die vom Publikum stürmisch gefeiert wurde.

Der Uruguayer Hector Ulises Passarella ist ein Meister des Bandoneons, das in unseren Breiten fast vergessenen ist. Dabei wurde das dem Akkordeon verwandte Instrument 1850 in Krefeld von Heinrich Band entwickelt und später in Südamerika bekannt gemacht. In eigenen Kompositionen und in zwei Sätzen aus dem Bandoneon-Konzert von Astor Piazzolla gab Passarella, engagiert vom begeistert mitgehenden Orchester begleitet, hoch virtuose Kostproben seines außergewöhnlichen Könnens.

Die Sängerin Karine Polverelli war die dritte Solistin. In den hoch liegenden Vokalisen aus dem Film "Once upon a time" konnte sie weniger überzeugen als im gefühlvollen "Summertime" oder mit dem kapriziösen "I feel pretty" - damit sang sie sich in die Herzen der Zuhörer. Mit Märschen von John Philip Sousa, dem "American Salute" von Morton Gould, in Tonschöpfungen von Aaron Copland und vor allem mit dem hinreißenden "Mambo" aus Bernsteins "West Side Story" zeigten die dkn und ihr stilsicher agierender Leiter, dass sie auch abseits des klassischen Repertoires Außergewöhnliches leisten.

Lediglich das unvermeidliche, von den Besuchern heiß ersehnte "Pomp and circumstance" von Edward Elgar kam lustlos, überhastet und wenig tonschön. Doch das abschließende Feuerwerk ließ diesen Faux pas schnell vergessen.

(NGZ)
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