Neuss: Wo die Erde Feuer speit

Neuss : Wo die Erde Feuer speit

Selikum Auf der Fensterbank liegen seltsame Steine nebeneinander aufgereiht. Einige sind federleicht und ähneln in ihrer Form und luftigen Struktur einem Schwamm, andere sind kugelrund und schwer. Dazwischen schimmert ein dicker Brocken schwarz und glänzend.

Rolf Cosar nimmt eine der Kugeln in die Hand. Sie ist etwa apfelgroß. "Eine Lavabombe", sagt er.

Rolf Cosar mit einem einheimischen Bergführer. Foto: Rolf Cosar

Das Sammelsurium auf der Fensterbank - Schlacken, Bimssteine, Obsidian und Lavabrocken - ist ein Teil seiner vielen Erinnerungsstücke von Exkursionen, die den Selikumer in den vergangenen fast 30 Jahren zu rund 130 tätigen und erloschenen Vulkanen an die entferntesten Winkel der Erde geführt haben.

Vulkane: Der Osoro in Chile. Foto: Rolf Cosar

Es ist "diese Urgewalt der Natur", die ihn in Bann schlage, sagt Cosar. "Dabei merkt man, wie klein der Mensch eigentlich ist. Man wird richtig demütig."

Tausende von Dias und Fotos dokumentieren die mitunter abenteuerlichen Reisen, eine Auswahl dieses Bildmaterials hat der 67-Jährige auf seiner Homepage http://www.vulkanfaszination.de zusammengestellt.

Ein dumpfes Grollen und Fauchen begrüßt jeden, der die Internetseite besucht. Es sind Geräusche vom Ausbruch des Arenal, ein Vulkan in Costa Rica.

Insgesamt 76 Reisen und 700 Bilder stellt Cosar vor; die Liste beginnt 1979 mit den italienischen Inseln Vulcano und Stromboli und endet vorläufig mit den erloschenen Eifelvulkanen, den Maaren, die er in diesem Jahr wieder einmal besucht hat.

"Auch in Deutschland gibt's eine Menge Vulkane", sagt Rolf Cosar in diesem Zusammenhang und nennt als weitere Beispiele das Siebengebirge, den Kaiserstuhl und den Vogelsberg.

"Es ist gar nicht so lange her, dass sie aktiv waren", meint der Vulkanologe mit Blick auf die einst feuerspeienden Berge der Eifel - aus erdgeschichtlicher Sicht seien 20 000 Jahre ja nur "ein Wimpernschlag". Und dass es dort irgendwann wieder zu Ausbrüchen kommt, sei wahrscheinlich.

Anderswo ist die Erde hingegen nie zur Ruhe gekommen: Der Stromboli beispielsweise ist seit Generationen ununterbrochen tätig. "Da war ich sehr oft", erzählt Cosar.

Dieser Vulkan war es auch, der den gebürtigen Klever, der in Neuss aufgewachsen ist, für das Hobby fasziniert hat.

Im vergangenen Jahr war er auf dem Südseearchipel Vanuatu. Dort hat er den Mount Yasur bestiegen. "Der ist zurzeit der aktivste Vulkan der Welt." Alle paar Minuten gibt es einen Ausbruch.

Cosar beschreibt, wie es ist, mit dem Kamerastativ am Rand des Kraters zu stehen: "Die Lavabrocken fliegen einem zum Teil über den Kopf. Aber die Gefahr sieht man nicht."

Ein gewisses Risiko müsse man für spektakuläre Aufnahmen einfach in Kauf nehmen, sagt er, ohne die latent vorhandene Bedrohung relativieren zu wollen. Ihm selbst, so bleibt festzuhalten, ist jedenfalls noch nichts passiert.

Die beeindruckendste Reise führte ihn zusammen mit Sohn Sascha und Bruder Klaus 1994 sechs Wochen lang durch Chile. "Ein wahres Vulkan-Eldorado!" Llaima, Lincancabur, Osorno und Villarica ragen hoch aus der Umgebung auf und erfüllen so die Idealvorstellung, die landläufig von Vulkanen existiert.

Die chilenischen sind ein Teil des "Feuerrings des Pazifiks": Entlang der Westküsten Nord-, Mittel- und Südamerikas, in Ostasien und Neuseeland gibt es hunderte von Vulkanen.

Die nächsten Touren will Rolf Cosar, der bis zu seiner Pensionierung 20 Jahre Technischer Beigeordneter in Pulheim war - die ersten beruflichen Erfahrungen hatte er beim Tiefbauamt der Stadt Neuss gesammelt -, auf die Kapverdischen Inseln und nach Nicaragua unternehmen.

Seine Frau hat die Begeisterung für solche Reisen in der Vergangenheit übrigens oft geteilt, auch andere Familienmitglieder zogen gerne mit. Aber wie das so geht ...

Zwei Enkel jedenfalls scheinen mit ihren vier und fünf Jahren schon Feuer und Flamme für das Hobby des Opas zu sein. "Die malen ständig Vulkane", sagt Rolf Cosar und lächelt vergnügt.

(NGZ)
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