Neukirchen-Vluyn: Stein für Stein entsteht die neue Hochstraße

Neukirchen-Vluyn : Stein für Stein entsteht die neue Hochstraße

Im dritten Jahr bestimmen Baustellen-Baken und Bagger, Staub, Sand und Krach das Leben im Zentrum von Neukirchen. Bis zum Jahresende soll die 7,6 Millionen Euro teure Kraftanstrengung geschafft sein.

Das Pflaster war über eine lange Zeit hinweg Stein des Anstoßes. Und über die neuen Straßenlaternen wurde leidenschaftlich debattiert. An diesem Dienstag nach Pfingsten haben Bagger und Arbeiter auf der Hochstraße an der Dorfkirche vorbei die Kreuzung mit der Bruchstraße erreicht. Noch knirscht bei jedem Schritt durch das Herz von Neukirchen Sand unter Sohlen. Krach und Dreck begleiten die Anwohner nun im dritten Jahr. Doch bis zum Jahresende soll die 7,6 Millionen Euro teure Kraftanstrengung geschafft sein. "Die Hochstraße ist auf einem guten Weg", sagt Frank Grusen.

Er ist Sprecher der Stadt Neukirchen-Vluyn und des Integrierten Handlungskonzeptes (IHK), das Neukirchen nach dem Willen von Politik und Verwaltung "zukunftsfähig" machen soll. Was im Jahr 2015 mit maroden Kanälen begann, vom Versorger Enni als Chance zur Verlegung neuer Kabel genutzt wurde und schließlich in eine Operation am offenen Herzen des Dorfes überging,ist noch längst nicht überstanden. Aber ein Ende scheint in Sicht.

Dabei ist nicht alls Gold was glänzt. Bei den Parkplätzen ärgerten sich Pastor Frank Rusch und Ulrich Frische von Presbyterium darüber, dass die Planer ausgerechnet an der Dorfkirche Stellflächen kappten. Und neben der weidlich umstrittenen Farbe des Pflasters war die Umrüstbarkeit der alten Straßenlaternen ein Knackpunkt. Aus Sicht der Verwaltung war eine umfassende Modernisierung der alten Leuchten nicht möglich. Der Vorsitzende des Heimat- und Verkehrsverein Neukirchen, Hans-Peter Burs, hingegen hatte von der Wartungsfirma gehört, dass eine Umstellung auf moderne, energiesparende und kostengünstige LED-Leuchtmittel nicht ausgeschlossen sei.

An vielen Stellen der Hochstraße sprechen Planer und Bürger nicht dieselbe Sprache. Darüber konnten auch die zahlreichen Mitwirkungsmöglichkeiten bis hinein in die Detailfragen nicht hinwegtäuschen. Auf der anderen Seite sind alle Termine für Baustellenbesichtigungen regelmäßig gut besucht. Die künftigen Nutzer wollen offenbar sehr genau wissen, wie es mit dem zentralen Bauprojekt vorangeht.

Aus dem Blickwinkel von Bürgermeister Harald Lenßen und dem technischem Beigeordneten Ulrich Geilmann zählt vor allem eins: Mit dem IHK ist es Neukirchen-Vluyn gelungen, fast 70 Prozent der Kernsanierung aus Landesmitteln bezahlt zu bekommen. Für sie geht es nicht allein darum, Neukirchen zu einem Schmuckkästchen zu machen. Wichtiger noch als Pflastersteine und Laternen wird sein, die von Grund auf renovierte Mitte für Einkäufer und Neugierige aus der Umgebung interessant zu machen. Hierzu will die Kommune die Anlieger mit ins Boot nehmen.

So stehen für das Hof- und Fassadenprogramm entlang der Hochstraße insgesamt 150.000 Euro verteilt auf drei Jahre zur Verfügung. Laut der Auskunft von Frank Grusen sind etwa 50.000 Euro davon ausgegeben. Wer sich also jetzt für einen frischen Farbanstrich oder neue Fenster entscheiden sollte, hat entlang der Hochstraße gute Chance, Zuschüsse der öffentlichen Hand zu bekommen. Was aus den Bürgerbeteiligungen als Gestaltungsleitlinien für die Bebauung an der Hochstraße entwickelt worden ist, habe "empfehlenden Charakter" heißt es. Wer darüber hinaus Idee für Neukirchens Stadtkern hat - mehr Grün, neue Schilder, Marketingmaßnahmen - kann Zuschüsse aus dem Verfügungsfond beantragen (Details im Quartiersbüro, Telefon für beides 02845 3958420).

Sobald die Hochstraße komplett ist, sollen 2019 der Denkmalplatz und 2020 der Grafschafter Platz umgebaut werden.

(RP)
Mehr von RP ONLINE