Neukirchen-Vluyn: Das Insektenhotel vor dem Rathaus wird bereits gut angeflogen

Neukirchen-Vluyn: Das Insektenhotel vor dem Rathaus wird bereits gut angeflogen

Butterblumen auf einer nahen Wiese lockten Wildbienen zu dem künstlichen Unterschlupf. Die Grünen haben das Projekt initiiert.

Angelika von Speicher hat diesen geflügelten Gast längst identifiziert. "Eine Hahnenfuß-Scherenbiene", sagt die Sprecherin der Neukirchen-Vluyner Grünen (Bau-, Grünflächen- und Umweltausschuss). Auf der Rathaus-Wiese, parallel zur Niederrheinallee, steht seit wenigen Tagen ein Insektenhotel, das sicherlich bald ausgebucht sein wird.

Dass dort diese Wildbiene im Hotel eingecheckt haben, hängt mit der nahegelegenen Wiese und den gelb blühenden, pollenstarken "Butterblumen", dem Hahnenfuß, zusammen. Lob geht daher an den Bauern, der die Wiese in der Blüte noch nicht gemäht hat, heißt es bei den Grünen. Das Insektenhotel bietet den hoch organisierten Wildbienen Unterschlupf und Nisthilfe der verschiedensten Art. "Zimmer" unterschiedlicher Größen für die Anlage von Brutzellen werden angeboten im Totholz, Baumscheiben mit Löchern. Abschnitte von Halmen, Bambus- und Pappröhrchen sind in Hohlraumsteinen versenkt.

Mit der Idee, ein Insektenhotel zu errichten, haben die Grünen als Initiatoren "offene Türen eingerammt", wie Bürgermeister Harald Lenßen sagte. Vor allem der Bau sei nicht aufwendig. Gelungen ist in dem Zusammenhang auch die Infotafel, die den Sinn und Nutzen des Insektenhotels erläutert und zum Nachbau im heimischen Garten oder dem Balkon am richtigen Standort animieren möchte.

Ermöglicht wurde das Hotel von Fenster Schmitt, ausgestattet mit Nisthilfen vom Naturschutzcenter. In Planung ist ein Buffet für die Wildbienen. Marion May-Hacker, Agenda-Beauftragte, plant einen Saum von Wildblumen direkt am Insektenhotel und sucht noch freiwillige Helfer. In Planung ist ebenfalls, die Wiese am Rathaus, in dem Bäume des Jahres wie Lerche, Vogelkirsche und demnächst Esskastanie wachsen, naturnaher zu gestalten. Dass diese Maßnahmen, die der Artenvielfalt dienen und den Insekten zu gute kommen, auf Akzeptanz stoßen, ist ein Erfahrungswert. "Wenn wir dazu den Hinweis anbringen, haben wir keine Probleme", sagt dazu Karin Fetzer von den Grünen. "Zugleich appellieren wir daran, mitzumachen und das Bewusstsein zu ändern", sagt Lenßen. Schon seit längerer Zeit kommen auf städtischen Flächen keine Spritzmittel mehr zum Einsatz, das Mähen von Wiesen richtet sich nach Pflegestandards, "die allerdings in der Bevölkerung oft als ungepflegt eingestuft werden", so Lenßen. Dass das Insektenhotel sich gut als Ausflugsziel für Kinder eignet, bestätigen die Initiatoren. Wildbienen müssen nicht ihren Staat verteidigen, wie etwa die Honigbienen.

(RP)