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Neukirchen-Vluyn: Ein Leuchtenheim für die Hochstraße

Neukirchen-Vluyn : Ein Leuchtenheim für die Hochstraße

Architekt Peter Brdenk hat gestern im Bau-, Grünflächen- und Umweltausschuss Gestaltungsideen für den Ortskern von Neukirchen vorgestellt. Politiker zeigten sich skeptisch. Der Beschluss wurde verschoben.

Das "Integrierte Handlungskonzept" für Neukirchen bedeutet jede Menge Baumaßnahmen, in deren Zuge auch alte Straßenlaternen weichen müssen. Die kann man verschrotten, oder zumindest einen Teil davon "kreativ verwenden". Letzteres schlug gestern Peter Brdenk vom Essener Architekturbüro Planwerk den Mitgliedern des Bau-, Grünflächen- und Umweltausschusses vor. "Kunst muss nicht teuer sein", meinte er. Seine Idee: Ein Sammelsurium ausrangierter Laternen - eine "Leuchtenheim" - am Eingang zur Hochstraße aufzustellen.

Im Auftrag der Stadtverwaltung hatte sich das Essener Büro damit beschäftigt, wie einige Ortsbereiche, die unter das "Integrierte Handlungskonzept" fallen, wie eben das "Tor" zur Hochstraße, gestalterisch aufgewertet oder illuminiert werden können. Auch die nackte, nichtssagende hintere Wand des Edeka-Marktes an der Mozartstraße lasse sich "mit gewissem Witz anders gestalten", sagte Brdenk. Sein Vorschlag: Dort sollte eine besondere Plakatwand entstehen, die von einem barock anmutenden Bilderrahmen umfasst wird. Die Fläche könnte mit wechselnden Inhalten gefüllt werden. Vielleicht könne man Künstler animieren, sich dort zu präsentieren, so der Architekt. Wenn gewünscht, könne der Rahmeninhalt weiß plakatiert werden und als Projektionsfläche etwas für ein "Public-Viewing" genutzt werden. Edeka-Betreiber Raber stehe der Idee offen gegenüber, sagte der Technische Beigeordnete Ulrich Geilmann.

Zu den Ideen Brdenks gehörten auch besondere Poller zur Abgrenzung des Grafschafter Platzes, die wie überdimensionale, in den Boden gerammte Nägel aussehen und dem Platz "die Assoziation eines Nagelbretts" verleihen. Auf die "Nagelköpfe" könnten sich Passanten auch setzen, sagte Brdenk. Auch für den Spielplatz zwischen Mozart- und Hochstraße hatte sich der Architekt etwas Besonderes einfallen lassen: Eine aufwendige Beleuchtung (Kostenpunkt: 72.500 Euro), die den "etwas versteckt" liegenden Spielplatz abends in Szene setzt.

Während die Stadtverwaltung den Ideen von Peter Brdenk grundsätzlich offen gegenüberstand, zeigten sich Ausschussmitglieder skeptisch. Für Elisabeth Wannenmacher (NV Auf geht's) war das alles "überkandidelt, übertrieben, nicht dem Zwecke dienend". Fragen nach den Folgekosten wurden laut, Sorgen über mögliche Vandalismusschäden wurden geäußert. Die CDU vermisste ein Gesamtkonzept, das zum Beispiel auch die Illumination historischer Gebäude in Neukirchen enthält. Die sei sowieso geplant, allerdings nicht Bestandteil des Auftrags von Brednk gewesen, erläuterte Ulrich Geilmann.

Die SPD schien zunächst geneigt, den Ideen des Architekten zuzustimmen, zeigte sich aber beeindruckt von den geäußerten Bedenken. Nach einer Sitzungsunterbrechung (die gehören mittlerweile zum politischen Standardrepertoire in Neukirchen-Vluyn) schlug die SPD vor, die Entscheidung in die nächste Sitzung des Ausschusses zu verschieben. Bis dahin solle die Stadtverwaltung ein detaillierteres Konzept vorlegen, das andere Ortsbereiche und auch die historischen Gebäude umfasst. Das Thema sei wichtig, sagte Klaus Lewitzki. "Wir wollen möglichst einen einstimmigen Beschluss."

(RP)