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Gedenken an die Toten des V 1-Einschlages in Lobberich

Lobberich : Gedenken an die Toten des V 1-Einschlages in Lobberich

Am 19. Februar 1945 schlug eine fehlgeleitete V 1-Rakete in der Hochstraße ein. Es gab zahlreiche Tote. Zum 75. Jahrestag lädt der VVV zum Gedenkgottesdienst ein.

(RP) Am 19. Februar 1945, vor 75 Jahren, schlug kurz nach 12 Uhr mittags die fehlgeleitete deutsche V 1 in die untere Hochstraße ein. Die Rakete verwandelte drei Häuser in einen Trümmerhaufen, viele andere wurden schwer beschädigt. In den Häusern und in der Umgebung fanden zahlreiche Menschen den Tod. 25 von ihnen sind namentlich bekannt; eine vermutlich weit größere Zahl von Wehrmachtsangehörigen, die sich im Hotel Köster aufhielten, wurde aus Gründen militärischer Geheimhaltung weder zahlenmäßig noch namentlich bekannt gemacht. Weit über 100 Personen wurden zum Teil schwer verletzt, unzählige traumatisiert. Das Leid in den Familien war groß.

Kein Gebäude in der Stadt Nettetal zeigt bis auf den heutigen Tag die Spuren des Zweiten Weltkrieges so deutlich wie die Lobbericher Alte Kirche. Zusammen mit der evangelischen und katholischen Gemeinde lädt der Verkehrs- und Verschönerungsverein Lobberich zu einem Gedenkgottesdienst am Mittwoch, 19. Februar, 17 Uhr, in die Alte Kirche Lobberich ein. Gedenken und Aufbruch,  Erinnerung an schlimme Zeiten und Auftrag, alles dafür zu tun, dass das alles nicht mehr passiert, stehen im Mittelpunkt dieses Gedenkens.

Die Nationalsozialisten testeten im Dezember 1942 die Flugbombe V1 (offizielle Bezeichnung: Flakzielgerät Fi103). Der Marschflugkörper war rund 2,2 Tonnen schwer, bestand fast zur Hälfte aus Sprengstoff. 600 Kilometer schnell, sollte die „Vergeltungswaffe“, so die Bezeichnung von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels, eine Erwiderung auf die Luftangriffe der Alliierten auf die Städte im Deutschen Reich sein. Johannes Leicht vom Deutschen Historischen Museum in Berlin zufolge blieben die militärischen Erfolge der Flugbombe gering: Nur 25 Prozent erreichten überhaupt ihr Ziel.

Die Nationalsozialisten verbreiteten dagegen, dass es der deutschen Wehrmacht mit den Vergeltungswaffen V1 und dem Nachfolger V2 gelingen könnte, die sich abzeichnende Kriegs-Niederlage noch abzuwenden.

Eine V1-Rakete, die England als Ziel hatte, brachte am 19. Februar 1945 den Tod nach Lobberich. Wie viele Menschen damals umkamen, wurde nie geklärt. Doch es waren mindestens 45, die nach Augenzeugenberichten in der alten Kirche aufgebahrt wurden; an die Hundert wurden verletzt. Gertrud Terstappen (geborene Thissen), damals acht Jahre, gehörte mit ihrer Mutter zu den Überlebenden. Beide standen während der Mittagszeit in einem Anbau des Hauses Hochstraße 7 in der Küche, als sich nach der „ohrenbetäubenden Detonation“ plötzlich das Dach hob. Das Mädchen wurde unter einen Tisch geschleudert und blieb so vor herabstürzenden Mauerbrocken geschützt. Seine Mutter lief dagegen in Todesangst ins Freie und wurde dort von einem umstürzenden Baums leicht verletzt.

Die meisten Todesopfer gab es im Hotel Köster nebenan. Im Hotel hielten sich an diesem Morgen rund 40 Soldaten des Volksturms auf. Nach Berichten sollen sie bei der Explosion Feldbetten abgeladen haben, die mit einem Pferdegespann angekommen waren. Menschen, Tiere und Geräte seien von der Druckwelle zerrissen und umhergeschleudert worden bis in die Kronen der Pappeln am Eingang zum Ingenhovenpark.