1. NRW
  2. Städte
  3. Kempen

Der Kulturraum Niederrhein zieht von Kempen nach Geldern

Umzug nach Geldern : Kulturraum Niederrhein verlässt die Burg

Der private Verein, der Kulturangebote organisiert, verlässt Kempen und zieht zum 1. März in den Kreis Kleve.

Die Kartons stehen bereit, der Umzugswagen ist bestellt, nun heißt es Abschied nehmen: Der Kulturraum Niederrhein verlässt die Kempener Burg und zieht in den Kreis Kleve. Ab dem 1. März ist der Verein in einem Gründerzentrum in Geldern zu finden. Seit Entstehung ist es der zweite Umzug in den dritten Kreis.

Im Moment ist Ingrid Misterek-Plagge damit beschäftigt, in den drei Räumen der Geschäfts- und Koordinierungsstelle in der Burg alles zusammenzupacken und die Ordner zu sortieren. Denn noch sind nicht alle zentralen Dokumente digitalisiert, beispielsweise das Faxpapier könne nicht gescannt werden. Der Umzug soll an Aschermittwoch stattfinden. „Es war klar, dass es hier nur eine Zwischenlösung ist“, sagt Misterek-Plagge. Unter anderem ist das Büro in der dritten Etage der Burg nicht barrierefrei zu erreichen.

Ingrid Misterek-Plagge muss in der Geschäftsstelle in der Kempener Burg eine Menge Ordner in Kisten packen. Noch sind nicht alle Dokumente digitalisiert. Foto: Norbert Prümen (nop)

Ursprünglich war der Verein im alten Landratsamt in Moers im Kreis Wesel untergebracht. Als eine Sanierung anstand, zog der Verein 2010 in die Thomasstadt. „Wir haben uns hier sehr wohlgefühlt“, sagt Misterek-Plagge. „Kempen ist eine wunderschöne Stadt.“ Darum sei man auch so lange geblieben. Doch nun habe die Burg einen neuen Eigentümer, der wiederum viele Pläne, dazu sei das Dach nicht dicht, in den Deckenbalken sind Risse zu sehen. „Also mussten wir uns entscheiden: eine Interimslösung finden oder umziehen“, sagt Misterek-Plagge. Dann machte der Kreis Kleve das Angebot, in Geldern Räume zu bekommen.

Misterek-Plagge betont, dass sich durch den Umzug so viel gar nicht ändere. Zunächst bekomme der Verein ebenfalls drei Räume, ähnlich groß wie in Kempen. Zudem hätten sie und das Team – eine weitere Teilzeitkraft sowie projektbezogene Honorarkräfte – Home-office-Zugänge, könnten also von überall aus arbeiten. Zudem sei sie selbst sowieso die meiste Zeit für die aufsuchende Kulturberatung am Niederrhein unterwegs. Nimwegen, Arnheim, Emmerich, zählt Misterek-Plagge auf: „Pro Woche fahre ich etwa 1000 Kilometer. Es ist unerheblich, wo das Büro ist.“ Der Standort in Geldern biete aber einen großen Vorteil: Es gibt ein Sekretariat, das auch Telefonservice sowie Konferenzvorbereitungen übernehme. „Das ist eine Erleichterung“, sagt Misterek-Plagge. „Bislang wird alles auf mein Handy umgeleitet.“

Am Niederrhein gibt es mehr als 100 Museen, einzigartige Sammlungen für zeitgenössische Kunst sowie über die Region hinaus bekannte Festivals und Konzertreihen. Um das Angebot über die Grenzen hinweg bekannter zu machen und Kapazitäten besser zu nutzen, hat sich 1992 aus einer privaten Bürgerinitiative der Verein Kulturraum Niederrhein gegründet. Er hilft etwa bei der Antragstellung für Fördermittel und ist dabei, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln. Inzwischen sind die Kreise Kleve, Viersen, Wesel und der Rhein-Kreis Neuss sowie rund 30 Städte und Gemeinden Mitglied. Hinzu kommen Vereine, Verbände, Firmen, Banken sowie Privatpersonen. Misterek-Plagge ist seit Anfang an dabei, seit 2005 hat sie den Posten in der Geschäfts- und Koordinierungsstelle.

Parallel zu den Umzugsarbeiten soll die Projekt- und Gremienarbeit ungebremst weitergehen. Auf dem Plan für 2020 stehen neben den Kernaufgaben als Beratungsstelle der Regionalen Kulturpolitik des Landes die Muziek Biennale Niederrhein, die dieses Mal zusammen mit der Landesgartenschau in Kamp-Lintfort stattfindet, sowie das Literaturprojekt „stadt.land.text NRW 2020“. Dafür übernimmt der Kulturraum Niederrhein die Projektleitung. Eine Jury hat zehn Schreiber ausgewählt, die ab März einen Stipendienaufenthalt in den Kulturregionen in Nordrhein-Westfalen antreten. Am Niederrhein wird Carla Kaspari aus Köln vier Monate lang in einem multimedialen Blog mit Bildern, Interviews, Podcasts und Videos erkunden, was es bedeutet, die Stadt für eine gewisse Zeit hinter sich zu lassen.

Ein bisschen Wehmut fühlt Misterek-Plagge beim Packen aber doch. „Wir haben sehr viel Unterstützung durch den Kreis Viersen erfahren, und Kempen ist eine Stadt mit einer hohen Aufenthaltsqualität, das werden wir vermissen“, sagt sie und kündigt an: „Ich werde noch häufig hier sein und die Akteure weiterhin treffen.“