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Kaarst: Erinnerungsstele auf Friedhof sorgt erneut für Diskussionen

Streit um Namensnennungen : Erinnerungsstele in Kaarst löst erneute Debatte aus

Sollen Opfer des Zweiten Weltkriegs auf dem Kaarster Friedhof namentlich erwähnt werden? Darüber hat jetzt der Kulturausschuss diskutiert – die Meinungen gingen dabei auseinander.

Im Jahr 2019 hatte der Kulturausschuss beschlossen, den Grabstein der Familie Peter Meyer auf dem Kaarster Friedhof als Erinnerungsstele für die Opfer des Zweiten Weltkrieges herzurichten. Es wurde zudem ein Bürgerantrag gestellt, auf diesem Grabstein die Namen der Kriegsopfer zu verewigen. Doch zuvor mussten die Namen hinsichtlich einer Mitgliedschaft in der NSDAP geprüft werden, was der Kaarster Archivar Sven Woelke beim Bundesarchiv nun gemacht hat.

Dabei kam heraus, dass ein ziviles Kaarster Opfer vom 1. Mai 1933 oder 1934 bis zu seinem Tod Mitglied der NSDAP war, „ohne eine besondere Funktion“ innegehabt zu haben. Alle anderen Opfer waren nach bisherigen Erkenntnissen keine Mitglieder der NSDAP. Allerdings habe das Bundesarchiv darauf hingewiesen, dass die Mitgliederkartei nur zu rund 80 Prozent erhalten ist.

Nun kam das Thema im Kulturausschuss erneut zur Sprache. Die Kaarster Verwaltung schlug vor, den Grabstein als Erinnerungsstele herzurichten mit dem Satz: „Den zivilen Opfern des Zweiten Weltkrieges zum Gedenken“.

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Das reichte der CDU aber nicht: Die Christdemokraten wollten den Beschlussvorschlag um eine Tafel mit der Veröffentlichung der unbedenklichen Namen ergänzen. „Es gehört zur Kaarster Vergangenheit, dass wir die Namen nicht vergessen“, erklärte Ulrich Orlinski (CDU). Josef Johnen, der den Bürgerantrag gestellt hatte, ergänzte: „Es ist zu erwarten, dass es unbekannte Opfer des Nationalsozialismus gibt. Nicht, weil sie nicht bekannt sind, sondern weil sie aufgrund besonderer Familienverhältnisse von den Familien verschwiegen wurden. Mir sind keine Namen bekannt in diesem Zusammenhang.“

Bei den Namen auf der Liste handele es sich um männliche und weibliche Bürger der Gemeinde Kaarst, von denen Johnen historische Lebensbeschreibungen vorliegen, die nicht darauf hindeuten, dass sie Kontakt zur NSDAP hatten. „Wir haben Frauen dabei, die als Fremdarbeiterinnen aus dem polnischen Staatsbereich kamen und Männer, die als Kriegsgefangene in Kaarst tätig waren und zu Tode gekommen sind. Es handelt sich also um Personen, die voll und ganz als Opfer dieser Zeit zu benennen sind“, führte Johnen weiter aus. Er schlug folgende Formulierung für den Grabstein vor: „Zum Gedenken der benannten zivilen Opfer des Zweiten Weltkrieges in Kaarst und unbekannter Opfer der nationalsozialistischen Zeit.“ Danach sollen die einzelnen Namen folgen.

Astrid Werle (FDP) ließ sich allerdings nicht davon abhalten, der Namensliste nicht zuzustimmen. „Wir hätten dem Vorschlag der Verwaltung zugestimmt ohne irgendwelche Namensnennung“, sagte die Parteivorsitzende der Liberalen. Marianne Michael-Fränzel (Grüne) erklärte: „Dem Satz können wir zustimmen, aber den Namen nicht. Wir möchten das vertagen.“ Dem Antrag wurde zugestimmt, das Thema wird den nächsten Kulturausschuss also noch einmal beschäftigen.