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Coronavirus in NRW: Ordnungsamt und Polizei überwachen Kontaktverbot

Verstöße gegen Corona-Maßnahmen : „Mutti hat gesagt, ich darf hier spielen“

Ordnungsämter und Polizei überwachen die Einhaltung des Kontaktverbots im öffentlichen Raum. Besonders Jugendliche verstoßen öfter gegen die Regeln. Unterwegs mit einer Streife des Moerser Ordnungsamts.

Ermahnen, aber selbst den Mindestabstand nicht einhalten! Es ist immer der gleiche Spruch, den Marcel Badergoll und Dieter Golombek momentan von Fußgängern zu hören bekommen, wenn sie in ihrer Uniform durch die Moerser Stadt gehen, um Verstöße gegen das verhängte Kontaktverbot zu ahnden. „Wir müssen dann jedes Mal erklären, dass wir das im Dienst aus beruflichen Gründen nicht müssen“, sagt Golombek, der aber Verständnis für die Nachfragen der Bürger hat – auch wenn es zuweilen nervt. „Wir versuchen aber immer, den Abstand einzuhalten.“

Die beiden Mitarbeiter des Moerser Ordnungsamtes sind ein eingespieltes Team. Sie wissen genau, wo sich in ihrer Stadt die Menschen nicht an die Verhaltensregeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie halten. „Die Hotspots sind ganz klar Spielplätze und der Freizeitpark“, sagt Badergoll. In Letzterem sind die beiden ansonsten vor allem im Sommer unterwegs, um zu gucken, ob alle ihre Grillabfälle wegräumen. „Jetzt schauen wir eben nach, weil sich dort gerne Jugendliche in Gruppen aufhalten“, sagt er.

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Es ist kurz nach 14 Uhr am Montagnachmittag, die Schicht der beiden hat gerade begonnen. Im besagten Freizeitpark ist wenig los. Zu sehen sind lediglich ein paar Jogger, Leute, die ihren Hund ausführen, und zwei junge Frauen, die auf einer Bank sitzen. Alle halten sich an die Regeln. Von Jugendlichen in Gruppenstärke ist weit und breit nichts zu sehen. „Noch nicht“, sagt Golombek. „Die kommen meist erst in den frühen Abendstunden.“ Sie würden dann am Spielplatz herumlungern, der allerdings noch nicht mit Flatterband abgesperrt ist, sondern an dem entsprechende Informationsblätter hängen, auf denen das Benutzen der Anlage untersagt wird. Sinan Aydin, Leiter des Ordnungsamtes, reicht das allein nicht aus. „Wir müssen den Spielplatz weiträumig absperren mit Absperrbaken, damit jeder sieht, dass man da nicht drauf darf“, sagt er.

Landesweit kontrollieren die Städte derzeit, ob sich ihre Bürger an die neuen Richtlinien halten. Grundsätzlich gilt wegen der Corona-Krise, dass man nur allein oder zu zweit unterwegs sein darf. Ausnahmen gibt es für Familien und Bewohner einer Hausgemeinschaft. Bei jedem Aufenthalt außer­halb der eigenen vier Wände ist ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten. Neben den Ordnungsämtern schreitet im Ernstfall auch die Polizei ein; in der Regel wird sie von den städtischen Behörden zur Unterstützung im Zuge der sogenannten Amtshilfe gerufen. Gelegentlich kommt es dabei zu heftigen Vorfällen. So soll ein 20-Jähriger aus dem Risikogebiet Kreis Heinsberg in Mönchengladbach einen Polizisten mit den Worten „Ich habe Corona“ angespuckt haben. Der Polizist sei mehrfach vom Speichel des jungen Mannes getroffen worden, so die Polizei. Der 20-Jährige habe zu einer Gruppe gehört, die laut Polizei Alkohol getrunken hat. Später habe er angegeben, zumindest nicht wissentlich infiziert zu sein.

So eine Erfahrung haben die beiden Moerser Ordnungshüter selbst noch nicht gemacht. Golombek berichtet aber von einem Fall in einem Moerser Supermarkt, in dem eine Gruppe Zwölf- bis 13-Jähriger absichtlich Kunden angehustet hätten. „Man muss leider sagen, dass es besonders die Jugendlichen sind, die sich nicht an die Auflagen halten“, sagt er. „Ich habe das Gefühl, dass viele von ihnen dafür noch kein Bewusstsein haben und die Sache nicht ernst nehmen“, sagt er. Erst am Montagmorgen habe er wieder mehrere Jugendliche erwischt, die wissentlich gegen das Kontaktverbot verstoßen hätten. „Sie bekommen alle ein Bußgeldverfahren und müssen mindestens 200 Euro zahlen“, sagt er. Die meisten würden erstmal blass im Gesicht werden, wenn sie die Höhe der Geldstrafe hörten. „Aber das muss dann sein. Vielleicht lernen sie es dann, dass man sich an die Gesetze halten muss“, sagt er.

Die beiden Mitarbeiter des Ordnungsamtes appellieren aber auch an die Vernunft der Eltern. „Wir bekommen von Kindern auf Spielplätzen gesagt, dass ihre Mutti ihnen das erlaubt hat“, sagt Golombek. „Die Eltern müssen die Kinder aufklären und als Vorbild vorangehenen“, so der Mitarbeiter des Ordnungsamtes. Grundsätzlich würden die Heranwachsenden auch einsichtig sein, wenn man sie vernünftig über die Gefahren aufkläre.

(csh)