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Mönchengladbach: Von Schock bis Gelassenheit

Mönchengladbach : Von Schock bis Gelassenheit

Wie kein anderes Thema beschäftigt der geplante Ausbau der Moschee die Anwohner von Eicken. Viele zeigen sich überrascht von den Neuigkeiten und fühlen sich von der Stadt schlecht informiert. Andere aber würden eine Islamschule als neuen Ort der interreligiösen Begegnungen begrüßen.

Renate Laborge steht auf dem Marktplatz von Eicken und hält ihren kleinen Hund an der Leine. Die letzten Stände des Wochenmarktes werden gerade abgebaut. Es beginnt zu regnen. "Die Nachricht vom Ausbau der Moschee ist für uns alle hier geplatzt wie eine Bombe", sagt die 58-Jährige und zeigt zu den umliegenden Geschäften. "Mit so einer Einrichtung im Ort wird die Wohnqualität leiden und alt eingesessene Läden werden Kunden verlieren."

Nur wenige Meter vom Marktplatz entfernt, gegenüber der Moschee in der Eickener Straße, führt Dirk Esker einen Schuhladen. Er teilt die Sorge um sein Geschäft. "Grundsätzlich habe ich ja nichts dagegen, wenn Menschen ihre Religion ausleben wollen", sagt er. Aber er habe beobachten müssen, dass an Freitagnachmittagen, vor und nach dem Freitagsgebet, deutlich weniger Kunden kämen. Hauptsächlich, weil Anhänger der Moschee vor dem Gebäude stünden. "Da wechseln viele die Straßenseite oder kommen hier gar nicht mehr lang", sagt der 39-Jährige und befürchtet, dass nach dem Ausbau der Moschee zur Islamschule noch weniger Kunden in sein Geschäft finden werden.

In der fast leeren Fußgängerzone wartet ein schmächtiger Mann vor einem Schaufenster. Herr Mansour, der seinen Vornamen nicht in der Zeitung veröffentlicht sehen möchte, ist selber Muslim. Aber wie viele Anwohner hält auch er überhaupt nichts von dem Umzug der Islamschule aus Braunschweig nach Mönchengladbach. "Ich bin absolut dagegen. Der Stadtteil Eicken ist immer ein friedlicher und ruhiger Ort gewesen. Es darf nicht sein, dass bestimmte Leute denken, sie dürften das Grundrecht auf Religionsfreiheit ausnutzen, um hier ihre radikalen Ansichten des Islam kundzutun", sagt der 54-jährige Chemiebetriebswerker.

Wie weit die Angst vor Fremdem, vor Andersdenkenden und Andersaussehenden Menschen mit Kopftuch oder Burka verbreitet ist, wird in vielen Äußerungen der Anwohner deutlich. Genauso häufig wird aber beteuert, man habe nichts gegen den Islam oder die Gläubigen. Vielmehr sei es das Ungewisse. Was macht eine Islamschule überhaupt? Wer sind die Menschen, die dort hingehen? Was hat es zu bedeuten, wenn der Verfassungsschutz den am Umbau beteiligten Verein "Einladung zum Paradies" aus Braunschweig beobachtet? Ärger schwingt mit, dass die Stadt nicht informieren würde und dass auch die Anhänger der Moschee zu sehr für sich agieren würden.

Doch bei einem großen Straßenfest, das der Verein einmal für die Anwohner veranstaltet hatte, seien die Mitglieder der Moschee weitgehend unter sich geblieben. "Man wird als minderwertig betrachtet. Viele der Menschen hier verstehen nicht, worum es im Islam geht. Sie haben Vorurteile und lassen sich nicht einladen zu lernen", sagt Adil Ahimer. Er besuche die Moschee gelegentlich, um dort sein Gebet zu verrichten, wenn er in Eicken zu Besuch ist. "Für mich ist das ein ganz normaler Verein, der nichts mit Terrorismus zu tun hat", sagt der 27-jährige Student der Wirtschaftsinformatik.

Ähnlich gelassen sieht das ein junger Mann aus Eicken. Aus beruflichen Gründen möchte er lieber anonym bleiben. Aber der 36-Jährige versteht die Aufregung nicht. Wenn die Islamschule verfassungsrechtlich unbedenklich ist, begrüße er sogar eine solche Einrichtung. "Ich würde mir das wünschen, um einen Ort zu schaffen, wo sich die Menschen gegenseitig informieren und austauschen können. Das würde Mönchengladbach und Eicken gut tun."

Renate Laborge zeigt sich unbeirrt. Beim Weggehen sagt sie: "Viele von uns fragen sich, ob man nicht irgend etwas dagegen tun kann. Eine Unterschriftenaktion vielleicht?"

(RP)