Kleve: Moschee wächst auf doppelte Größe

Kleve: Moschee wächst auf doppelte Größe

Seit 2008 betreibt der Verein für islamische Kultur seinen Gebetsraum an der Van-Bracht-Stege in Kleve. Der große Andrang, vor allem von Studenten der Hochschule und Flüchtlingen, macht jetzt eine Erweiterung nötig.

Die Alsalam Moschee ist beliebt wie nie. Jeden Freitag spuckt der unscheinbare Backsteinbau an der Van-Bracht-Stege Hunderte Menschen aus. Um dem immer größer werdenden Andrang gerecht zu werden, will der "Verein für islamische Kultur - Kleve" seine Alsalam Moschee nun erweitern. Sie soll mehr als doppelt so groß werden wie bisher. 2008 hat sich der Verein gegründet, kurze Zeit später seine Moschee in der Schwanenstadt eröffnet. "Wir sprechen mit einer Stimme, aber in zwei Sprachen: Arabisch und Deutsch. In unseren Herzen haben beide Kulturen ein Zuhause - doch unsere Heimat bleibt der Islam. Deshalb möchten wir ihn auch in Kleve weiter pflegen, über seine Schönheit und Weisheit aufklären und die Integration derer unterstützen, die muslimischer Abstammung sind", heißt es auf der Internetseite des Vereins.

Mit seinem Konzept scheint der Verein erfolgreich zu sein, denn er übt offenbar eine große Anziehungskraft auf junge Muslime aus. "Die Gemeinde in Kleve hat expandiert - wegen der Flüchtlinge und der Hochschule", sagt der stellvertretende Vorsitzende Abdul Fattah. Besonders die Freitagspredigt, die zweisprachig in Arabisch und Deutsch stattfindet, erfährt große Beliebtheit. Zurzeit zählt der Verein mehr als 200 Mitglieder und ist damit so groß geworden, dass die 120 Quadratmeter der Alsalam Moschee nicht mehr ausreichen. 180 Quadratmeter sollen durch den Ausbau hinzukommen, so dass am Ende 300 Quadratmeter zur Verfügung stehen.

Laut Auskunft der Stadt Kleve geht es um die Errichtung eines zusätzlichen Gebetsraums für Frauen sowie einen Versammlungsraum. "Der zusätzliche Raum soll Vorträge, Begegnungen und Zusammensein ermöglichen, etwa durch eine interreligiöse Dialoggruppe, Vorträge über den Islam und Projekte für Flüchtlingsfrauen. Außerdem wollen wir den Raum nutzen, damit Mütter und Kinder lernen, gemeinsam basteln und malen können", sagt Fattah. Für die Erweiterung der Moschee will der Verein den hinteren Teil der Meyers Buchhandlung nutzen, wobei der vordere Teil (zur Straßenseite) als Buchhandlung erhalten bleiben soll, so Fattah. Bauordnungsrechtlich sei die Erweiterung möglich, so Stadt-Sprecher Jörg Boltersdorf.

Die derzeitige Platznot in den Moscheeräumen führt auch zu Konflikten. So fühlen sich einige Nachbarn durch Menschenansammlungen auf der Van-Bracht-Stege, vor allem zu nächtlicher Zeit, gestört. "Gerade im Fastenmonat Ramadan ist die Situation hier unerträglich. Früher kamen 30 Menschen zum Beten hierhin, heute sind es Hunderte. Dafür ist die Moschee nicht ausgelegt. Teilweise wird auf der Straße gebetet, während des Ramadans sogar um 1 Uhr nachts", sagt ein Anwohner, der anonym bleiben möchte. Er hofft, dass sich die Situation durch die Erweiterung verbessert. Das dürfte auch im Interesse des Vereins für islamische Kultur sein, dessen zweiter Vorsitzender über die Vereinsziele sagt: "Ganz oben stehen bei uns Frieden, Dialog und Erziehung." Fattah räumt ein, dass die Gebetszeiten im Sommer sehr spät seien. Aber man bemühe sich darum, die Belastung für die Nachbarn gering zu halten und Konflikte zu vermeiden.

Die muslimische Gemeinde würde sich über mehr Interesse der Klever freuen. "Gelegentlich kommen Kinder aus den Schulen zu uns. Am 3. Oktober findet der Tag der offenen Tür statt. Die Moschee öffnet dann für interessierte Besucher, gerne auch für Nachbarn. Leider ist kaum Interesse vorhanden", sagt Fattah. Der Austausch mit den großen Konfessionen funktioniere hingegen gut: "Wir haben guten Kontakt zu den katholischen und evangelischen Kirchengemeinden in Kleve", sagt Fattah. Am 9. Juni will die Evangelische Kirchengemeinde die Moschee besuchen und mit den Gläubigen ins Gespräch kommen. Der Verein nimmt auch am "Fest der Begegnung" teil. Gefragt, ob Integration funktioniere, sagt Fattah: "Muslime in Kleve fühlen sich gut integriert und sie fühlen sich mit Deutschland verbunden."

(RP)