Mönchengladbach: Flüchtlingsdrama feiert Premiere im Theater

Premiere in Mönchengladbach : Die Opfer eine grauenhaften Krieges

„Deine Liebe ist Feuer“ feiert am Samstag Premiere auf der Studiobühne des Theaters. Im Anschluss an die deutsche Fassung wird das Stück auf Arabisch gezeigt – von syrischen Schauspielern, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind.

Hala will mit ihrem Freund Wissam aus Damaskus fliehen. Sie bittet ihre Freundin Rand, mit der sie sich eine Wohnung teilt, mit nach Deutschland zu kommen. Wie eine Endlosschleife geistert „Hobak Nar – Deine Liebe ist Feuer“, eine ägyptische Herzschmerz-Schnulze, durch ihre Köpfe. Doch Rand will nicht ohne ihren Freund Khaldoun fliehen, der Soldat der syrischen Armee Assads ist. Die beiden jungen Frauen bedrängen ihn, aber er hat Angst zu desertieren. Er sorgt sich um seine Familie, sein eigenes Leben, und er fürchtet sich vor der unsicheren Zukunft. Die drei geraten in Streit, auf dessen Höhepunkt der Autor des Stückes auftaucht. Seine von ihm selbst erschaffenen Figuren bedrängen ihn, sie zu retten, denn er ist bereits dem Krieg entflohen, ist nach Beirut migriert und wird bald in einem deutschen Flüchtlingslager unterkommen. Doch so ausweglos die Situation der drei jungen Menschen in Syrien ist, so ist sie auch für den Autor. Er befindet sich in der Warteschleife des Flüchtlingsdaseins, Hala, Rand und Kahldoun sind gefangen in Syrien. Alle vier sind zu Opfern eines grauenhaften Krieges geworden.

In einer Matinee erläuterten Regisseur Rafat Alzakout, Dramaturg Thomas Blockhaus und Produzentin Christin Lüttich die Hintergründe zu diesem Stück, das am Samstag, 27. Oktober, 18 Uhr, im Studio des Theaters Premiere feiert. Die Schauspielerin Carolin Schupa (Hala) beeindruckte mit einem Monolog aus dem Schauspiel. Und natürlich mussten die Gäste in der Theaterbar auch die titelgebende Schnulze „Deine Liebe ist Feuer“ über sich ergehen lassen.

Rafat Alzakout ist 1977 in Damaskus geboren. 2003 schloss er seine Regie- und Schauspielausbildung am Higher Institute for Dramatic Arts in Damaskus ab, arbeitete dort an der Oper und in einigen Theatern. Gemeinsam mit seiner Frau Christin Lüttich floh er nach Beirut, und seit Ende 2015 leben und arbeiten die beiden in Berlin. Den Autor des Stückes, Mudar Alhaggi, kannten sie aus Damaskus, in Berlin trafen sie ihn 2016 wieder. Sie haben die brutale Realität in Syrien erlebt, haben eine „innere Exilerfahrung“. So beschreibt es der Regisseur.

Und genau darum gehe es in dem Vier-Personen-Stück (neben Carolin Schupa spielen Vera Maria Schmidt, Philipp Sommer und Adrian Linke). Die drei jungen Menschen in Damaskus leben zwischen den Welten, der Autor im Flüchtlingslager ebenso zwischen Hoffen und Bangen. Was richtet diese Situation psychologisch-mental in ihnen an? Wie gehen sie mit dieser Fremdbestimmung um? Was macht diese Extremsituation mit ihnen? Auf diese Fragen will das Schauspiel Antworten geben. „Mir ist es wichtig, den psychischen Druck, der auf den agierenden Menschen lastet, deutlich spürbar zu machen“, sagte der Regisseur.

Nach der Premiere in deutscher Sprache wird es am Samstag, 27. Oktober, ab 20.30 Uhr ein einmaliges Gastspiel des Collective Ma’Louba geben. Das Stück wird in arabischer Sprache mit deutschen Übertiteln uraufgeführt. Und zwar mit Schauspielern, die aus Syrien geflohen sind und in Frankreich und Deutschland leben. „Diese Aufführung wird sich sehr von der ersten unterscheiden. Das psychologische Gepäck der arabischen Schauspieler wiegt schwer“, sagt Thomas Blockhaus.

Diese Doppel-Premiere sollte man sich nicht entgehen lassen.

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