Weihnachtspäckchen – Tafeln bitten um Haltbares

Uneigennützig andere bescheren : Tafeln nehmen Weihnachtspäckchen an

Einige Tafeln verzichten aufs Sammeln, weil viele Spenden unbrauchbar sind. Nicht so in Mettmann, Erkrath, Wülfrath.

Laut war der Aufschrei des Entsetzens, nachdem die Wattenscheider Tafel ankündigte, keine Christfestgaben mehr an Bedürftige verteilen zu wollen. Zu viel Müll sei in den abgegebenen Päckchen, das mache keinen Sinn, hieß es zur Begründung. „Ja, das kennen wir aus unseren Anfängen“, erinnert sich Renate Zanjani. Sie gründete die Tafel Wülfrath, Velbert und Heiligenhaus im November 2002. Inzwischen gibt es sechs Ausgabestellen, der Standortwechsel erfolgt täglich – „unsere Logistik reist durch die Städte“ – und nun steht die 12. Weihnachtstütenaktion bevor.

„Wir bitten die Spender darum, uns ihre Pakete oder Tüten geöffnet zu übergeben“, führt Renate Zanjani aus. „Und was verschlossen ist, öffnen wir.“ So kann kontrolliert werden, dass nicht, wie zu Beginn der Aktion vorgekommen, angebrochene Lebensmittel, kartonweise Grußkarten oder eine defekte Lichtorgelanlage übergeben werden. „Mir fällt dazu nichts ein, warum Menschen so etwas abgeben“, kommentiert sie. Besser als die „oft schlecht zu transportierenden Pakete“ bittet sie um Gaben in der Tüte, „damit die Empfänger die Sachen dann in ihren Trollis transportieren können“. 1010 Tüten kamen im vergangenen Jahr zusammen.

Die Bitte an Gebende lautet nun, ein Weihnachtsessen zusammen zu stellen. Das gilt nicht nur in Wülfrath, sondern ebenso in Mettmann, wo Gisela Fleter das Projekt „Weihnachtspäckchen“ schon seit 13 Jahren betreut. „Auf die Idee sind wir durch einen Beitrag im Radio gekommen“, erzählt sie. Die Weihnachtstüten sind unterschiedlich und „an die Bedarfe angepasst“. So gibt es Tüten für Singles, für Familien mit oder ohne kleine oder große Kinder, es gibt Weihnachtsmenüs, die den Ansprüchen von Veganern entsprechen oder die Halal sind.

Etwa 220 Pakete wurden so zuletzt an Bedürftige übergeben. „Hygieneartikel, Kaffee, Cappuccino und Kakao gehören als Dreingaben gerne zu den Festtagstüten“, sagt Gisela Fleter. Keine leicht verderblichen Produkte, sondern Dinge wie Nudeln, Konservenbüchsen und anderes Haltbare sollen optimalerweise in die Tüte kommen. „Klar verirren sich unter den Spenden auch mal Dinge, die dort nicht hingehören.“ Da das Tafel-Team, eine reine Frauengruppe, aber akribisch kontrolliert, bleiben den Beschenkten Enttäuschungen erspart. „Wirkliche Probleme gab es noch nie. Und die dankbaren Gesichter der Beschenkten zeigen, wie wichtig die Aktion ist.“

Bezugsberechtigte werden auch in Erkrath bedacht. Beate Wirth macht gerne Vorschläge, was als Geschenk in Frage kommt. Kaffee, Tee, Öl, haltbare Lebensmittel wie Obstkonserven, Honig, Zucker, eingeschweißter Käse, Schinken, Suppen, Schokolade oder Gepäck eignen sich gut. Zigaretten und Alkohol sind tabu. „Es wäre schön, wäre das Paket leicht zu öffnen.“ Außerdem bittet sie um eine Inhaltsangabe. „Vielleicht auch die Personenzahl, für die es gedacht ist, ob für Familien mit Kindern und ob mit oder ohne Schweinefleisch.“ Viele „liebevoll zusammengestellte Pakete“ gab es schon in den vergangenen Jahren. Und die Hoffnung, das möge in diesem Jahr wieder so sein. Übrigens: Erstmals findet in Alt-Erkrath die Paketaktion nicht im Rathaus, sondern in der Ausgabe der Tafel an der Bahnstraße statt.