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Leverkusener Klinik-Arzt an der Corona-Front

Einsatz im Klinikum : Als Klinik-Arzt an der Corona-Front

Omeir Kadri (30) arbeitet in der Covid-19-Ambulanz im Leverkusener Klinikum. Dort erlebt der junge Arzt mitunter Angst, aber auch Teamgeist. Um sich selbst macht er sich weniger Sorgen, sondern darum, andere anzustecken.

Omeir Kadri ist Arzt im Klinikum. In der Notfallambulanz kommt er häufiig als erster Mediziner mit den Patienten in Kontakt. Nun, in  Covid-19-Zeiten arbeitet der 30-Jährige in der eigens eingerichteten Corona-Ambulanz, wo er täglich  mit potenziellen Infizierten begegnet.. Wie fühlt es sich an, an erster Frontlinie gegen das Virus zu kämpfen?

„Man merkt, dass die Stimmung etwas gereizt ist“, berichtet der junge Arzt. Das Personal befinde sich  permanent in Alarmbereitschaft. Für alle Mitarbeiter ist es eine Ausnahmezeit. „Das ist ganz logisch. Das liegt daran, dass die Situation neu ist“, sagt  Kadri. Zwar sei die Ambulanz mit möglichen Fällen nicht gerade überrannt worden, doch gab es eine Zeit, in der viele Menschen mit der Angst ins Klinikum kamen, sie hätten sich mit dem neuartigen Virus infiziert. Noch zu Beginn der Pandemie hatten viele Menschen in Europa das Virus als eine Art der Grippe angesehen. Erst später änderte sich das Bild. Für Omeir Kadri ein normaler Vorgang. Er als Mediziner habe die Gefahr jedoch früh erkannt: „Tatsächlich bewertet man Erkrankungen anders, hat ein besseres Verständnis für sie.“

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Verständnis besitzt der 30-Jährige auch für die Forderungen nach Lockerungen, die in diesen Tagen mal langsam, mal schneller umgesetzt werden. Doch betrachtet Kadri die Beschlüsse kritisch. Das Problem sei noch lange nicht ausgestanden. Die Menschen erwarteten ein möglichst genaues Datum, das werde es jedoch nicht geben können. Ob in den kommenden zwei Wochen  eine zweite Welle zu erwarten sei, könne er nicht sagen. Das müsse  sich zeigen.

Eins aber sei sicher: Das Team im Klinikum werde alles tun, um Betroffenen zu helfen. Angst vor einer Infektion hat Kadri nicht. „Die darf ich nicht haben, sonst wäre ich in diesem Beruf falsch“, betont er. Doch macht er sich Sorgen, womöglich Freunde oder Kollegen anzustecken, die dann etwa ihre Eltern infizieren. „Man hofft, dass es nicht passiert, muss aber mit allen Szenarien rechnen“, sagt Kadri.

Für den jungen Arzt sind andere Menschen erstmal wichtiger als er selbst. So missfällt es ihm, dass Pfleger und Krankenschwestern oft nicht ausreichend für ihre Arbeit bezahlt werden. Diesen Missstand habe die Corona-Krise noch mehr zu Tage gefördert. „Ohne sie könnten wir keine Patienten versorgen“, sagt der Mediziner. Viele Erlebnisse aus dem Krankenhaus nimmt er mit in die eigenen vier Wände. Das war schon immer so. „Man macht sich immer Gedanken – gerade jetzt. Wir sind ja auch nur Menschen mit Emotionen.“