Campus Leverkusen: Studium in der Bahnstadt ab 2021/22

Campus Leverkusen : Studium in der Bahnstadt ab 2021/22

Auf dem Campus der Technische Hochschule ist noch viel zu tun. Bau- und Liegenschaftsbetrieb investiert 74 Millionen.

Die Architektur ist puristisch und gerade. Klare Raumeinteilungen, im Erdgeschoss viel Transparenz. „Der Industriecharakter des Geländes und dessen Geschichte sollte auch bei diesem Gebäudekomplex erhalten bleiben“, sagt Sybille Fuhrmann von der Technischen Hochschule (TH) Köln. Sie steht unter anderem mit Ulrich Witte vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) des Landes in einem großen Raum. Das Personengrüppchen nimmt sich klein neben den hohen Sichtbetonwänden aus. „Wir sind hier im Technikum“, erläutert der Projektverantwortliche. „Davon gibt es zwei. Es sind Räume, in denen Versuche im industriellen Maßstab aufgebaut werden können.“ Also unter Umständen mit sehr großen Behältern. Nach der Erklärung wird verständlich, warum der  Raum eine Deckenhöhe von gut fünf Metern hat. „Das ist wie eine große Werkstatt“, sagt Witte. Fuhrmann ergänzt: „Forschung und projektorietiertes Lernen ist uns sehr wichtig.“ Dazu gehörten viel Praxis und Platz für gemeinsames Lernen.

Der BLB baut in der Bahnstadt das Gebäude für die Dependance der TH Köln, den Campus Leverkusen, an dem die Studiengänge Angewandte Chemie und Pharmazeutische Chemie angeboten werden. Auch jetzt schon: 741 Studierende sind derzeit eingeschrieben, studieren in Räumlichkeiten des Chemparks, bis der Opladener Campus fertig ist. „Wir haben 200 bis 300 Anfänger und rund 80 Studienabschlüsse pro Jahr und derzeit 23 Promovierende“, berichtet Fuhrmann beim Rundgang über die Baustelle. Die TH wird das Gebäude mit angrenzenden Frei- und Stellflächen vom BLB mieten, leistet aber auch einen Anteil an den Baukosten, die der BLB mit 74 Millionen Euro beziffert. Die TH Köln trägt davon 18 Millionen.  Baustart war im Mai 2017, die Rohbauarbeiten waren im Herbst 2018 beendet.  Nach aktuellem Planungsstand liegt der Fertigstellungstermin im zweiten Halbjahr 2020, sagt Witte. „Wir haben also noch gut ein Jahr Großbaustelle vor uns.“ Nach der Übergabe an die Hochschule muss sie den Betrieb vorbereiten, den Umzug stemmen, technisches Equipment ebenso nach Opladen transferieren wie Hörsäle, Seminarräume, Labore und Büros ausstatten. Mindestens drei Monate werde dies in Anspruch nehmen. Die TH Köln plane aktuell, dass es zum Wintersemester 2021/22 in Opladen losgehe.

Auf der Baustelle ist noch viel zu tun. Für Passanten am deutlichsten wird dass, wenn erstmal die Fassadenverkleidung angebracht ist. Denn die wird aus verzinktem, gelochten Blech bestehen. „Aber dem ersten Obergeschoss wird das Blech rundherum angebracht. Durch die vielen kleinen Löcher dringt aber noch genug Tageslicht ein“, versichert Witte. Zwei Ausnahmen gebe es: Über dem Haupt- und dem Anliefereingang wird es keine Blechverkleidung geben. Sie soll neben einer Verschattung, um die Räume hinter viel Glas nicht zu überhitzen, übrigens auch dem Industriecharakter des ehemaligen Ausbesserungswerks Rechnung tragen. Das Gebäude, erläutert Ulrich Witte, der das Projekt Campus Leverkusen von den ersten Planungsideen an betreut und mit Leidenschaft  involviert ist, bestehe aus fünf Baukörpern, die in einer Art Fischgrätstruktur angelegt sind. Von einer Mittelachse erstrecken sich rechts und links die Gebäudeteile. Das bringe Vorteile für die Erschließung: „Im Erdgeschoss kann man aus jedem Raum an jeder Stelle direkt ins Freie.“ Und auch  ohne Blechverkleidung des Erdgeschosses werde so die Hitzebelastung reduziert, es gibt schattige Innenhöfe.

Im Erdgeschoss lassen sich zwei Hörsäle erahnen, dazu Seminarräume, große Flächen für Computerarbeitsplätze mit Aussicht auf Campus und Bahnstadt, eine Bibliothek (übrigens die einzige Fläche im Gebäude, die Teppichboden haben wird) und eine Mensa, zu der auch eine Terrasse  gehören wird. Sybille Fuhrmann freut sich darauf, dass der Campus Leverkusen in größerem Maße auch Fachtagungen wird ausrichten können, was einfach zum Angebot einer Hochschule gehöre, sagt sie. Im Obergeschoss liegen die Labore, ein Trakt wird viergeschossig sein. Hier werden die Büros untergebracht.

Ulrich Witte gewährt einen Blick in ein Musterlabor. Was noch fehlt: der Inhalt der Schränke und des Laborkühlschranks. Der ist übrigens abschließbar. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Ulrich Witte, sein Team beim BLB und die beauftragten Firmen  sind auf der Campus-Baustelle besonders gefordert, denn der Technikanteil, der passend zu den Nutzungsansprüchen der TH verbaut werden muss, sei schon enorm. „Und weil die Technik frei sichtbar sein wird, muss sie nicht nur funktionieren, sie muss auch noch gut aussehen“, sagt Projektverantwortlicher Ulrich Witte mit einem Augenzwinkern und erneutem Hinweis auf den Industriecharakter.

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