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Jeck der Woche: Horst Eichholz: Symbiose von Zwirbelbart und Uniform

Jeck der Woche: Horst Eichholz : Symbiose von Zwirbelbart und Uniform

Der Kommandant der Monheimer Altstadtfunken gehörte früher selber als Tänzer der Garde an. Jetzt gibt er die Kommandos. Die ganze Familie ist im Karneval verwurzelt. Der 59-Jährige bedauert, dass immer weniger Leute Monnemer Platt sprechen.

Ein Zwirbelbartträger sei oft gar nicht so exzentrisch wie er glauben machen wolle. Dies war kürzlich in einer Barttypologie der Rheinischen Post zu lesen. Auch Horst Eichholz versichert, dass er damit weder aus der Rolle fallen noch mit seinem Schnurrbart mit den nach oben eingerollten Enden eine politische Gesinnung ausdrücken wolle. Obwohl der Kaiser-Wilhelm-Bart und die nach preußischem Vorbild gestaltete rot-weiße Uniform der Altstadtfunken durchaus eine natürliche Symbiose eingehen. Und als Kommandant der Tanzgarde darf er ja auch noch die Befehle geben.

Bartträger war er immer, sagt der 59-Jährige, aber nachdem ihn der natürlich gewachsene Vollbart physiognomisch zu sehr an Bud Spencer heranrückte, entschied er sich eines Tages für diese sehr domestiziere Variante. "Es musste etwas anderes ins Gesicht", sagt er augenzwinkernd. Entgegen aller Erwartungen bezeichnet er seinen Bart als pflegeleicht. Er trage nachts auch keine Bartbinde, um die sich majestätisch gen Himmel reckenden Enden zu fixieren. "Das sieht ziemlich blöd aus", findet er.

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Eichholz ist gebürtiger Baumberger — und das war durchaus ein Thema, als er 1972 als 17-Jähriger die Aufnahme in einen Monheimer Verein begehrte. Da man aber auf Tänzer angewiesen war, stellte man schließlich die Vorbehalte bezüglich seines Herkunftsortes hintan. Ein Arbeitskollege seines Vaters hatte ihn zu einem Tanztraining der Altstadtfunken mitgenommen und er hatte Gefallen daran gefunden. Die Garde zählte damals 14 Paar Beine und ein Tanzpaar. "Sport war das damals nicht, es hat einfach Spaß gemacht", sagt Eichholz.

Er mochte die schmissige Musik, die Stimmung in der Truppe war gut und die Bühne war irgendwie auch sein Habitat. Damals war der Gardetanz noch ein Saisongeschäft: Das Training begann im Oktober, einmal wöchentlich übte die Gruppe Schritte, Sprünge und Spagat in der Formation. Inzwischen habe sich diese karnevalistische Disziplin zu einem Leistungssport entwickelt, sagt Eichholz, trainiert werde das ganze Jahr über, zwei Mal wöchentlich. 40 Auftritte absolviere die Kompanie pro Session, das Einsatzgebiet reiche bis nach Köln.

Die Domstadt gab für die Altstadtfunken auch die Marschrichtung auf dem Weg zu einer Showtanzgruppe vor, der inzwischen 17 Tanzmariechen angehören. Erst in den 70er-Jahren öffnete sich die Garde für Frauen, eine jener früheren Tanzmariechen hat auch Eichholzs Herz erobert und ihn geheiratet. Überhaupt ist der Karneval ein fester Bestandteil des Eichholz'schen Genpools. Der älteste Sohn Horst war früher als Tanzoffizier für komplizierte Hebefiguren bei den Altstadtfunken verantwortlich, bis ihn höhere Ambitionen nach Köln zogen. Inzwischen hat er die karnevalistische Karriereleiter zum Wachführer im Traditionskorps Jan von Werth erklommen. Mit einer früheren Marketenderin ist er verheiratet. Der mittlere Sohn tanzt bei der Marienburggarde und der jüngere spielt in der Musikkapelle Jan von Werth.

Auch bei den Altstadtfunken spielt die Familie als karnevalistische Keimzelle eine wichtige Rolle. "Bei uns stehen vier Väter gemeinsam mit Töchtern auf der Bühne", sagt Eichholz. Sicherlich gebe es manchmal auch Spannungen unter den Generationen, aber alles lasse sich im Dialog regeln und im Verein ziehe man an einem Strang. "Noch schöner wäre, wenn wir mehr junge Männer zum Tanzen animieren könnten, da haben wir Nachwuchsprobleme." Schade sei auch, dass die jüngere Generation kein Platt mehr spricht, sich also der Monnemer Dialekt über kurz oder lang verlieren werde. Wenn er das Kommando "Funke opjepass, zum Danze opjestallt!" bellt, nimmt die weiche Sprachfärbung den Worten direkt die Schärfe. Schließlich soll das Preußisch-Militärische im Karneval ja rheinisch befriedet werden.

Von einem Hobby mit hohem Flauschfaktor, der Kaninchenzucht, hat Eichholz sich jetzt nach 25 Jahren verabschiedet. Sein Bestand an Grauen Wienern umfasste zeitweise 70 bis 80 Tiere, die er größtenteils in einer Gartenanlage hielt. Sein Vater half bei der Tierpflege, anders wäre diese Hobby für den selbstständigen Gas- und Wasserinstallateur und Heizungsbauer, der seinen Betrieb auf der Niederstraße hat, nicht zu bewältigen gewesen. Jahrelang ließ sich der 2. Vorsitzende des Vereins Gut Zucht von dem Ziel antreiben, bei Ausstellungen der Maximalpunktzahl von 100 möglich nahe zu kommen. "Die guten wurden verkauft, die schlechten kamen ins Töpfchen."

(RP)