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Sportplätze in Langenfeld und Monheim: Fast in jedem Kunstrasenplatz steckt Granulat

Langenfeld/Monheim : Fast in jedem Kunstrasenplatz steckt Granulat

Bei Sportplätzen droht ein EU-Verbot von Kunststoff als Füllmaterial. Fast alle Kunstrasen-Spielfelder in Langenfeld und Monheim wären betroffen.

Das Heinrich-Häck-Stadion im Monheimer Stadtsüden ist zurzeit eine Großbaustelle. Im Zuge der mit 1,6 Millionen Euro veranschlagten Sanierung der von Vereinssportlern und Schülern genutzten Anlage an der Lichtenberger Straße bekommt das Spielfeld Kunstrasen. Das bis vor kurzem bei Kunstrasenplätzen dieser Art als Füllmaterial übliche Granulat werde mit Blick auf ein europaweit ab 2022 drohendes Verbot nicht verwendet, sagt der städtische Baubereichsleiter Andreas Apsel. „Stattdessen werden wir Kork als Füllmaterial verwenden.“

Indes enthalten in Monheim und Langenfeld fast alle bestehenden Kunstrasenplätze Kunststoff-Granulat. Und deshalb könnte das für die Staaten der Europäischen Union drohende Verbot für beide Städte folgenreich werden. Wie berichtet, steht das handelsübliche Granulat im Verdacht, als Mikroplastik Umwelt und Trinkwasser zu belasten, wenn es in den Erdboden ausgewaschen wird. Die Europäische Chemikalien-Agentur hatte das Verbot dieses Füllstoffs vorgeschlagen.

 Baustelle in Langenfeld: Das neue Kleinspielfeld für VfB-Fußballer und AFC-Footballer bekommt Kunstrasen – über einer Korkschicht.
Baustelle in Langenfeld: Das neue Kleinspielfeld für VfB-Fußballer und AFC-Footballer bekommt Kunstrasen – über einer Korkschicht. Foto: Rheinische Post/Stephan Meisel (mei)

„Wir hatten schon vor der Ausschreibungsphase fürs Heinrich-Häck-Stadion von diesen Plänen der EU gehört“, sagt Apsel. Deshalb seien die Unterlagen entsprechend formuliert worden. „Die Verwendung von Kork bringt zwar Mehrkosten mit sich. Aber besser so, als hinterher womöglich den neuen Belag nochmal entfernen zu müssen.“ Allerdings enthalten nach Apsels Angaben acht von insgesamt zehn in Monheim vorhandenen Kunstrasenplätzen Kunststoff-Granulat. Dazu gehöre etwa auch das erst im vergangenen Jahr errichtete Spielfeld der Baumberger Anlage am Waldbeerenberg. „Wir werden jetzt weder in Panik, noch in Aktionismus verfallen“, betonte der städtische Tiefbauamtschef. Ein Austausch dort stehe kurzfristig nicht zur Debatte. „Wenn das EU-Verbot greift, wird es Übergangsfristen geben. Die werden wir dann nutzen.“

 Auch unter dem Kunstrasenplatz von Germania Reusrath (Bild: Fußballspiel gegen SF Baumberg) ist Kunststoff-Granulat.
Auch unter dem Kunstrasenplatz von Germania Reusrath (Bild: Fußballspiel gegen SF Baumberg) ist Kunststoff-Granulat. Foto: Matzerath, Ralph (rm-)
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Dies gelte auch für die übrigen mit Granulat verfüllten Kunstrasenplätze: die beiden Spielfelder im Rheinstadion (2002 und 2016 erstellt), das Baumberger Stadion Am Sportplatz (2004), die Schulanlage Falkenstraße (2017) und die zwei Cageballplätze am Heinrich-Zille-Platz (2017). Die Bezirkssportanlage Grazer Straße wird Apsel zufolge ohnehin wohl Anfang 2020 aufgegeben. Bei den übrigen genannten Spielfeldern richte sich eine mögliche Sanierung auch nach Alter, Zustand und Austauschmöglichkeit. Frei von Granulat seien im Stadtgebiet bislang allein die mit Quarzsand verfüllten Kunstrasenplätze der beiden Cageballanlagen Helene-Lange-Straße und Monheimer Bürgerwiese.

Auch in Langenfeld warnte der städtische Sportamtsleiter Carsten Lüdorf vor Aktionismus. „Wir wissen um die Problematik. Aber in der Diskussion über ein Granulat-Verbot wird auf europäischer Ebene ja gerade etwas zurückgerudert. Wenn das Verbot tatsächlich 2022 kommt, werden Übergangsfristen gelten.“ Die in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Langenfeld errichteten Kunstrasenplätze enthalten laut Lüdorf allesamt neben Sand auch Granulat: zwei Richrather TuSpo-Spielfelder Am Schlangenberg; zwei HSV-Plätze an der Burgstraße und Hinter den Gärten; jeweils ein Groß- und ein Kleinspielfeld von Germania Reusrath, SSV Berghausen und VfB Langenfeld/Longhorns-Footballern; sowie der GSV-Platz in Wiescheid.

Gleichwohl reagiere auch Langenfeld bereits auf die EU-Pläne. So wird Lüdorf zufolge beim aktuellen Umbau des ehemaligen Ascheplatzes in ein Kleinspielfeld mit Kunstrasen nunmehr Kork als Füllmaterial verwendet. Und bei der anstehenden Erneuerung des Kleinspielfelds in Reusrath komme ausschließlich Sand unter den Kunstrasen. Der GSV-Platz wird laut Lüdorf 2020 erneuert. „Als Füllmaterial unter dem neuen Kunstrasen ist nunmehr reiner Quarzsand vorgesehen, so dass wir dann auch dort auf der sicheren Seite sind.“